Wirtschaft
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ARCHIVBILD ZUR PUBLIKATION DER HALBJAHRESZAHLEN VON RAIFFEISEN, AM MITTWOCH, 21. AUGUST 2019 - View of the logo of the Raiffeisen bank above the entrance of the branch in St. Gallen, Switzerland, pictured on February 8, 2008. The cooperatively structured Raiffeisen bank group established itself as the third biggest bank group with 1154 branches and is one of the leading retail banks in Switzerland. The first Raiffeisen savings bank in Switzerland was established in Bichelsee in the canton of Thurgau in 1899 to shut off the interest profiteering for the rural population and small businesses. Ten banks founded the cooperative Swiss Association of the Raiffeisen Banks (SVRB) in 1902. The headquarters was established in St. Gallen in 1936. (KEYSTONE/Gaetan Bally)..Logo der Bank Raiffeisen am Eingang der Filiale in St. Gallen, Schweiz, aufgenommen am 8. Februar 2008. Die genossenschaftlich strukturierte Raiffeisenbankengruppe etablierte sich mit 1154 Filialen als drittgroesste Bankengruppe der Schweiz und gehoert zu den fuehrenden Retailbanken. 1899 entstand die erste Raiffeisenkasse der Schweiz in Bichelsee im Kanton Thurgau, um den Zinswucher fuer die laendliche Bevoelkerung und das Kleinunternehmen auszuschalten. 1902 gruendeten zehn Institute den Schweizerischen Raiffeisenverband (SVRB). 1936 liess sich der Verband in St. Gallen nieder. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die Raiffeisen-Gruppe gibt sich neue Gremien. Bild: KEYSTONE

Raiffeisen-Delegierte beschliessen neue Strukturen für die Gruppe



Die Raiffeisen-Gruppe gibt sich neue Strukturen. So schafft sie neue Gremien, mit denen sich die einzelnen Raiffeisenbanken bei der Zentralorganisation Raiffeisen Schweiz einbringen können. Damit soll eine Machtfülle der Zentrale wie in der Ära des früheren CEO Pierin Vincenz verhindert werden.

Für die Raiffeisen-Gruppe sei dies ein «Freudentag», sagte Verwaltungsratspräsident Guy Lachappelle am Samstag im Anschluss an die ausserordentliche Delegiertenversammlung in Zürich vor den Medien.

ARCHIVBILD ZUR NOMINATION VON GUY LACHAPPELLE ZUM NEUEN VERWALTUNGSRATSPRAESIDENTEN VON RAIFFEISEN, AM FREITAG, 14. SEPTEMBER 2018 - Guy Lachappelle, Direktionspraesident, spricht an der Bilanzmedienkonferenz der Basler Kantonalbank in Basel am Donnerstag, 20. Februar 2014. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Verwaltungsratspräsident Guy Lachappelle. Bild: KEYSTONE

Die Versammlung hiess den neuen Austausch zwischen den Organen von Raiffeisen Schweiz und den neuen Gremien mit grosser Zustimmung gut – teilweise hätten fast «chinesische Verhältnisse» geherrscht, sagte Kurt Sidler als Vertreter der Regionalverbände.

«One bank, one vote»

Dabei dürfte es sich um die letzte Raiffeisen-Delegiertenversammlung in der heutigen Form gehandelt haben: Künftig wird die Gruppe Generalversammlungen abhalten, an der nach dem Motto «one bank, one vote» jede der insgesamt 229 Raiffeisenbanken vertreten sein wird.

Bisher haben die 21 Regionalverbände eine nach einem mathematischen Verteilschlüssel festgelegte Zahl an Delegierten an die Versammlung entsandt.

Neuer RB-Rat

Die neu geschaffenen Gremien widerspiegeln quasi die bestehenden Gremien von Raiffeisen Schweiz. Neben einer Eignerversammlung (EV) wird es künftig einen «Raiffeisenbanken-Rat» (RB-Rat) geben, der mit dem Raiffeisen-Verwaltungsrat im Austausch stehen wird und gleich viele Personen umfasst.

Auch auf Ebene der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz wird es in der neuen Struktur eine Entsprechung auf der «Eigner-Seite» geben. Der Geschäftsleitung wird eine «Koordination Fachgremien» entgegengesetzt, die nach den gleichen Departementen wie die Gruppenleitung gegliedert ist.

Meinungsaustausch

Die neuen Gremien sollen einen Meinungsaustausch über strategische Fragen und – auf Ebene der Fachgremien – auch über einzelne Projekte ermöglichen. Die Gremien der «Eigner» verfügen allerdings über keine Kompetenzen. «Der RB-Rat kann aber etwa kundtun, was die Banken gerne möchten», sagte Sidler.

Zufrieden mit den neuen Strukturen zeigte sich auch Raiffeisen-Schweiz-CEO Heinz Huber: «Wir von Raiffeisen Schweiz profitieren enorm», gab er sich überzeugt. Es gebe nun «klare und legitimierte Ansprechpartner» und einen «institutionalisierten Meinungsaustausch». «Das schafft Transparenz und Vertrauen.»

Die neuen Strukturen seien auch mit der Finanzmarktaufsicht Finma abgestimmt, sagte Lachappelle. Gänzlich vom Tisch ist allerdings die Finma-Anregung, die Raiffeisen Schweiz als Aktiengesellschaft zu organisieren: «Wir bleiben beim genossenschaftlichen Modell», so Lachappelle.

Offene Fragen

Des weiteren beschlossen die Raiffeisen-Delegierten, dass künftig konsultativ über die Vergütung der Raiffeisen-Schweiz-Organe im Folgejahr abgestimmt wird. Mit «überwältigendem Mehr» wurde zudem Anne Bobilier neu in den Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz gewählt.

Abgeschlossen ist der Reformprozess allerdings damit noch nicht. Eine offene Frage bleibt etwa weiterhin die Verselbständigung der sechs von Raiffeisen Schweiz geführten Niederlassungen. «Erste wichtige Vorentscheide wollen wir im Verlauf des nächsten Jahres den Banken vorlegen», sagte Lachappelle dazu.

Keine Décharge

Einmal mehr kein Traktandum war die Erteilung der Décharge für das Jahr 2017. Bevor diese der Generalversammlung vorgelegt werde, wolle Raiffeisen «in Kenntnis aller Tatsachen sein», sagte Lachappelle. Die Bank wartet vor allem das Verfahren gegen ihren früheren CEO Vincenz ab.

Gegen den 2015 als Raiffeisen-CEO zurückgetretenen Pierin Vincenz läuft eine Strafuntersuchung der Zürcher Staatsanwaltschaft wegen möglicher ungetreuer Geschäftsbesorgung. In seiner Zeit als CEO, als Raiffeisen durch eine starke Expansion und zahlreiche Übernahmen aufgefallen war, soll er sich laut den Vorwürfen bei Firmenübernahmen auch persönlich bereichert haben. (sda/awp)

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