Armeepistole erfüllte die Muss-Kriterien nicht – dann schritt der Rüstungschef ein
Bei der geplanten Beschaffung der neuen Armeepistole dokumentiert ein weiterer interner Armasuisse-Bericht brisante Eingriffe ins Auswahlverfahren.
Die vom Armasuisse-Chef zur neuen militärischen Dienstwaffe erkorene SIG Sauer P320 war von Anfang an technisch unterlegen und hätte eigentlich in der ersten Phase ausscheiden «müssen» – das geht aus dem Vorevaluationsbericht von 2024 hervor. Doch dann schritt Urs Loher ein, wie das Schweizer Konsumentenmagazin «Saldo» im vergangenen Herbst publik machte.
Der Armasuisse-Bericht, der watson dank Öffentlichkeitsgesetz (BGÖ) vorliegt, zeigt: Als das Scheitern SIG Sauers wegen technischen Versagens bereits feststand, führte der Rüstungschef die «Auflage» (Bedingung) ein, dass mindestens ein wesentlicher Teil der Pistole in der Schweiz produziert werden müsse. Und er entschied, dass der Bewerber im Rennen bleibt.
Später wurde das laufende Auswahlverfahren abgebrochen und neu gestartet – mit erneut geänderten rüstungspolitischen Vorgaben für die Kandidaten.
In diesem Beitrag wird das Geschehen gestützt auf die internen Dokumente analysiert und erklärt, warum die P320 in der Vorevaluation durchfiel und trotzdem gewann. Und wir reden über Verantwortung.
Was ist passiert?
Dank des Öffentlichkeitsgesetzes (BGÖ) ist watson in den Besitz eines weiteren internen Berichts zur Beschaffung der neuen Armeepistole gelangt, dem Armasuisse-Vorevaluationsbericht, datiert vom 20. Mai 2024. Der Bericht ist in Teilen geschwärzt worden.
In Kombination mit weiteren internen Berichten, die das Bundesamt für Rüstung (Armasuisse) und die Armee auf BGÖ-Antrag herausgeben mussten, verdeutlicht sich immer stärker ein Bild, das kritische Fragen aufwirft. Diese Fragen betreffen vor allem den Schweizer Rüstungschef, aber auch den Waffenhersteller SIG Sauer.
Der Vorevaluationsbericht zeigt, dass SIG Sauer mit seiner P320 schon in der ersten Phase des Auswahlverfahrens technisch gescheitert war:
- Fachliche Disqualifikation: Die Evaluations-Fachleute von Armasuisse und Armee stellten im Frühjahr 2024 fest, dass lediglich zwei Kandidaten als Hersteller der neuen Armeepistole infrage kommen.
- Nur Glock aus Österreich und Heckler & Koch (HK) aus Deutschland erfüllten mit ihren Pistolen, Glock 45 und HK SFP9, alle «waffenseitigen MUSS-Anforderungen». Hingegen fiel SIG Sauer mit der P320 durch.
- Tieferer Nutzwert: In der ersten Nutzwertanalyse (NWA) von Armasuisse wurde SIG Sauer vom Konkurrenten Glock übertroffen. SIG Sauer erreichte einen Gesamtwert von 5,03, Glock dominierte mit 7,09.
- Besonders drastisch war der Unterschied in der Kategorie «Einsatz (Taktik)»: Da gab es nur 2,82 Punkte für SIG Sauer, gegenüber 7,74 Punkten für Glock.
Der Nutzwert von Pistolen
Eine Nutzwertanalyse (NWA) ist ein systematisches Punkteverfahren, um komplexe Entscheidungen objektiv und vergleichbar zu machen. Anstatt sich nur auf das Bauchgefühl zu verlassen, wird ein Angebot in viele Einzelteile zerlegt und bewertet.
Im Auswahlverfahren für die neue Schweizer Armeepistole wurden seitens Bundesverwaltung (Armasuisse) mehrere Nutzwertanalysen erstellt. Aber wie läuft so etwas ab?
Auswahlkriterien festlegen: Zunächst bestimmen Fachleute, was bei einem Beschaffungsvorhaben wichtig ist (z.B. Treffsicherheit, einfache Reinigung, Schweizer Arbeitsplätze).
Gewichtung der Kriterien: Nicht alles ist gleich wichtig. In der ersten Phase bei der Beschaffung der neuen Schweizer Armeepistole zählten Taktik und Technik zu 90 Prozent, in der Endphase wurde die Rüstungspolitik mit 60 Prozent deutlich höher gewichtet.
Die Punktevergabe: Jedes Produkt erhält pro Kriterium Punkte (meist von 1 bis 10). Am Ende ergibt sich ein Gesamtnutzwert – quasi eine Note für die Qualität und den strategischen Nutzen.
Ein grundlegendes Problem dabei ist, dass schwache Leistungen in einem wichtigen Bereich durch Spitzenwerte in einem völlig anderen Bereich «schöngerechnet» werden können.
Zudem werden Punkte oft nicht nur für den Ist-Zustand vergeben, sondern für Versprechen. Konkret: Die SIG Sauer erhielt hohe Punktzahlen für die geplante Produktion in der Schweiz.
Trennung von Nutzwert und Kosten: Armee und Armasuisse erstellten auch eine Kosten-Nutzen-Analyse. Dabei wurde der aus den NWAs ermittelte Nutzwert den tatsächlichen Beschaffungskosten und voraussichtlichen Gesamtkosten gegenübergestellt.
Die Gewichtung der ersten Nutzwertanalyse (NWA), die im Rahmen der Vorevaluation durchgeführt wurde, war stark auf die technische und taktische Leistung der Bewerber fokussiert. Wirtschaftliche Aspekte (ohne Berücksichtigung der tatsächlichen Kosten) machten lediglich 10 Prozent der ersten Nutzwertanalyse aus.
Das Verdikt der Fachleute fiel klar aus.
Der Antrag des Evaluationsteams
Und so setzte sich das Evaluationsteam zusammen:
Der Schweizer Rüstungschef, Armasuisse-Direktor Urs Loher, setzte sich mit seinem Entscheid im Mai 2024 über die eindeutigen Experteneinschätzungen hinweg, um SIG Sauer im Rennen zu halten.
Wie der Vorevaluationsbericht zeigt, nahm Loher trotz waffentechnischem Versagen SIG Sauer auf die «Shortlist» – diese umfasste also drei statt zwei Finalisten.
Lohers Begründung: Es müsse vermieden werden, dass am Ende der Evaluation «keine Entscheidungsfreiheit» mehr bestehe und «keine Wettbewerbssituation» mehr vorhanden sei.
Der Shortlist-Entscheid des Rüstungschefs
Im Dokument ist Lohers neue rüstungspolitische Bedingung für die verbliebenen drei Shortlist-Kandidaten Glock, HK und SIG Sauer festgehalten. Demnach müsse mindestens «ein kritisches Element» der neuen Armeepistole in der Schweiz produziert werden.
Armasuisse bestätigt auf Anfrage:
Was auffällt: Der Vorevaluationsbericht belegt, dass der Armasuisse-Chef seine «Swissness»-Auflage erst einbrachte, nachdem amtsintern seit mehreren Wochen bekannt war, dass SIG Sauer technische Muss-Kriterien nicht erfüllte (dazu folgt unten mehr).
Anfang April wurde der Projektauftraggeber, der damalige Kommandant Heer, Divisionär René Wellinger, durch das Evaluationsteam informiert, dass nur Glock und HK die technischen MUSS-Kriterien erfüllten. Und auch Urs Loher wurde der Shortlist-Antrag eröffnet.
Am 20. Mai 2024 machte der Vorevaluationsbericht bei allen beteiligten Akteuren die Runde. Darin ist der Eingriff des Rüstungschefs ins Auswahlverfahren im Detail festgehalten. Ein Schritt, den das Konsumentenmagazin «Saldo» im Oktober 2025 publik machte, wie auch das spätere Versagen der P320 im Truppenversuch.
Was weiter auffällt beim damaligen Shortlist-Entscheid des Rüstungschefs: Loher behielt sich vor, auch später ins Auswahlverfahren einzugreifen. Und zwar bei der Formulierung und Gewichtung der sogenannten «Offset-Kriterien» (erarbeitet von seinen Fachleuten).
Im Dezember 2024 wurde das laufende Auswahlverfahren abgebrochen und im April 2025 mit geänderten «Swissness»-Auflagen neu gestartet. Das ursprüngliche Verfahren wurde abgebrochen, weil die rüstungspolitischen Auflagen (Produktion für den Europamarkt in der Schweiz) als zu starr empfunden wurden. Die Kriterien wurden also für die Bewerber gelockert.
Der Verfahrensneustart diente wohl auch der rechtlichen Absicherung. Ein Beschaffungsexperte erklärt: Wenn während eines laufenden Verfahrens festgestellt werde, dass Kriterien nicht präzise genug formuliert waren oder die Gewichtung im Nachhinein angreifbar erscheine, sei ein solcher Neustart oft die einzige Möglichkeit, die «Rechtssicherheit» wiederherzustellen.
Loher holte nicht nur die P320 zurück ins Rennen, sondern spannte quasi ein «Auffangnetz». Mit der Folge, dass im weiteren Verlauf des Auswahlverfahrens technische und logistische Schwächen des «Schweizer Bewerbers» SIG Sauer wettgemacht wurden.
Die «Swissness» wurde zum Hauptkriterium – mit einer abschliessenden Gewichtung von 60 Prozent. Und dies bei einer vergleichsweise einfachen Waffe, die ab Stange («Off the Shelf») beschafft werden sollte.
In der Regel werden Standardwaffen beschafft, um das Risiko von Mehrkosten und Problemen zu vermeiden, das mit «Spezialanfertigungen» einhergeht.
Rüstungspolitik und Preis
Angesichts der vorliegenden Fakten äussern unabhängige Beobachter die Vermutung, dass Urs Loher dem politisch gewollten Kandidaten zum Sieg verholfen habe. Auf Anfrage von watson dementiert Armasuisse. Diese Aussage sei nicht zutreffend. Die Gründe würden vielmehr in der Rüstungsstrategie [des Bundesrates] liegen.
«Kein grosser Unterschied» zwischen Glock 45 und SIG Sauer P320?
An dieser Stelle ist die Darstellung des Schweizer Armeechefs Benedikt Roos zu relativieren, wonach die Unterschiede zwischen den evaluierten Pistolen «nicht so gross» gewesen seien. Armasuisse argumentiert gleich und erwähnt aber richtigerweise, dass die drei Kandidaten «in der Gesamtbewertung nur unwesentlich auseinander» lagen. Und das wiederum hat direkt mit den im Verfahren geänderten Auflagen zu tun.
Wir sind hier beim springenden Punkt: Mit einer solchen Aussage einflussreicher Personen wie des Chefs der Armee oder des Rüstungschefs wird den Leuten Sand ins Auge gestreut, die sich nicht intensiv mit der neuen Armeepistole befassen wollen oder können.
Da die Rüstungspolitik (der «Swiss Finish», also die Produktion in der Schweiz) und der Preis im neuen Auswahlverfahren sehr hoch gewichtet wurden, sammelte SIG Sauer entscheidende Punkte. Doch bei der technischen Zuverlässigkeit zeigte sich ein anderes Bild: Nur die Glock 45 erfüllte die geforderten Muss-Bedingungen, die SIG Sauer P320 fiel technisch durch.
Welche Mängel wurden schon sehr früh bei der P320 festgestellt?
Bei der vom US-amerikanischen Waffenhersteller SIG Sauer produzierten P320 sind im Vorevaluationsbericht (2024) technische Defizite dokumentiert:
- Ergonomie-Versagen: Die Tester stellten bei der P320 eine «eingeschränkte Bedienbarkeit» fest – Grund waren zu grosse Griffstücke, die später auch im Truppenversuch als problematisch beurteilt wurden.
- Sicherheitsprobleme und Funktionsstörung: Die Schwierigkeiten mit der Griffstückgrösse der P320 führten gemäss Bericht in der Praxis zu einer veränderten Griffhaltung, was wiederum Probleme verursachte: zur Verletzung von Sicherheitsvorschriften, einem erhöhten Kraftaufwand bei der persönlichen Sicherheitskontrolle (PSK), und – damit verbunden – zu unmittelbaren technischen Störungen: Der Verschluss der P320 schloss nicht komplett.
- Kompensator-Kollision: Die Fachleute des Bundes stellten zudem eine konstruktionsbedingte Kollision zwischen dem Kompensator und Griffstück fest.
Wie Armasuisse Mitte März gegenüber watson erklärte, beziehen sich die in der Vorevaluation erwähnten Griffstück-Probleme auf das Modell SIG Sauer P320 Carry X, mit den Griffmodulgrössen S, M und L.
Die [vom Bund vorgegebene] Anforderung eines Kompensators betreffe ausschliesslich die Pistolen-Ausführung «Standard Plus», die mengenmässig 0,3 Prozent des Beschaffungsumfangs ausmachten. Armasuisse weist zudem in seiner Antwort darauf hin, dass es sich um das Produkt eines Drittanbieters handle.
Welche Schlüsse ziehen wir aus der Vorevaluation?
Verfahrenstechnisch hätte das Nichterfüllen von Muss-Kriterien schon während der Vorevaluationsphase zum Ausschluss der P320 führen sollen: Das bestätigt ein Beschaffungsexperte, der anonym bleiben will.
Der Beschaffungsexperte, der aus beruflichen Gründen nicht namentlich genannt werden kann, äussert sich kritisch. «Dass ein Bewerber mit erwiesenen Mängeln nicht sofort eliminiert wurde, widerspricht üblichen Prinzipien des öffentlichen Beschaffungswesens.»
Dass Armasuisse den Mangel bezüglich Kompensator als «Drittanbieter-Problem» abtut, verschleiert im Grunde, dass SIG Sauer bereits in der Vorevaluation schlecht abgestimmte Waffentechnik lieferte.
Wenn ein Hersteller wie SIG Sauer ein Produkte-Paket für die Armee-Evaluation einreicht, ist er für die Kompatibilität der Komponenten (wie Griffstücke, Magazine, aber auch den Kompensator) verantwortlich.
Die «Kompensator-Kollision» wurde von den Fachleuten als sicherheitsrelevant eingestuft. Dass der Armasuisse-Chef einen Bewerber, der technische Bedingungen nicht erfüllte, im Rennen hielt, kritisieren unabhängige Beobachter und Branchenvertreter als unverständlich.
Wo ist das Problem?
Letztlich hat jene Waffe den Zuschlag erhalten, die den technischen Anforderungen der Armee und dem Fachurteil der Beschaffungsexperten nicht genügte. SIG Sauer gewann nur wegen Lohers Eingreifen ins Verfahren.
Halten wir fest:
Nur der österreichische Hersteller Glock erfüllte mit der Glock 45 alle MUSS-Kriterien von Armasuisse.
Die Armee-Tester erteilten nur der Glock 45 die «Truppentauglichkeit». Bei SIG Sauer und Heckler & Koch waren «wesentliche MUSS-Kriterien nicht erfüllt».
Die logistischen Abklärungen der Armee ergaben, dass alle drei Kandidaten «handelbar» seien. Wegen der Einfachheit und der geringeren Teilevielfalt bevorzugten die militärischen Logistikfachleute die Glock.
Der Armasuisse-Chef entschied anders.
Wie sich im Verlauf des Evaluationsverfahrens zeigte, wurden ausgerechnet bei der bevorteilten P320 technische Nachbesserungen durch den Hersteller zwingend nötig. Wobei in Erinnerung zu rufen ist, dass der Vertragspartner für den Bund nicht der bisherige amerikanische Hersteller SIG Sauer ist, sondern die Schweizer Schwesterfirma der SIG-Sauer-Holding.
watson hat dem Unternehmen mit Sitz in Neuhausen SH einen Fragenkatalog zu den nötigen technischen Nachbesserungen geschickt. Der Chef der SIG Sauer (Schweiz) AG, Pasquale Caputi, hat auch auf Nachfrage nicht reagiert. Dafür erhielt watson ein kurzes Statement, das keine Fragen beantwortet.
Am vergangenen Donnerstag meldete sich der Technische Leiter der SIG Sauer AG per E-Mail:
Anzumerken ist, dass bislang keine öffentlichen Angaben vorliegen, wie weit SIG Sauer mit der Produktion des nachgebesserten Schweizer Prototypen ist. Oder ist es nur das kritisierte US-Modell mit neuem Griff?
Aktuell erklärt Armasuisse auf Anfrage:
In einem Folgeartikel wird watson die bislang unbeantworteten Fragen zur Schweizer P320 angehen.
Ein Wort zu den Kosten
Aus Transparenzgründen ist zu betonen, dass Loher bei seiner im Evaluationsbericht festgehaltenen Begründung für die P320 neben den rüstungspolitischen Vorteilen die tieferen Gesamtkosten ins Feld führte. Der Preis für die Beschaffung der Pistole von SIG Sauer sei deutlich tiefer als bei den übrigen Kandidaten. Laut NZZ war die Offerte von SIG Sauer sogar «20 Prozent günstiger».
Jedoch ist anzumerken, dass Angaben zu den Gesamtkosten auf Annahmen und Schätzungen beruhen, die wiederum auf Herstellerangaben basieren.
Die Gesamtkosten bestehen aus:
- Beschaffungskosten: Diese umfassen das Material (Waffe, Magazine, Holster, Ersatzteile, Spezialwerkzeuge) sowie Dienstleistungen für die Instandhaltung der Waffen. Für die erste Tranche von 50'000 Pistolen inkl. Zubehör wurden im Evaluationsbericht von Armasuisse 60 Millionen Franken genannt. Laut Armeebotschaft sind 50 Millionen Franken budgetiert.
- Lebenswegkosten: Das ist eine Schätzung der Material- und Dienstleistungskosten über die vom Bund geplante Nutzungsdauer von 30 Jahren.
- Der vollständige Ersatz der Pistolenbestände soll voraussichtlich Kosten im Bereich von 180 Millionen verursachen, wie der Evaluationsbericht zeigt.
Der Evaluationsbericht belegt, dass Urs Loher bei den Armee-Kurzwaffen voll auf SIG Sauer (Schweiz) setzt. Demnach sollen auch alle bereits von der Truppe verwendeten Glocks abgelöst werden.
Aus Fairnessgründen ist zudem zu erwähnen, dass selbstverständlich auch Glock mit seiner Offerte die Förderung der Schweizer Waffenindustrie berücksichtigte. Der österreichische Hersteller ist durch die Schild Waffen AG vertreten. Das Aargauer Unternehmen betreibt bereits ein Armee-Materialkompetenzzentrum und hat auch den Zusammenbau der neuen Armee-Glocks in der Schweiz angeboten.
Ist der Armeechef für den P320-Entscheid mitverantwortlich?
Bekanntlich folgte auf den offiziellen Rücktritt von Armeechef Thomas Süssli per Ende 2026 sein Nachfolger, Korpskommandant Benedikt Roos. Beide waren in das Pistolen-Auswahlverfahren involviert.
Roos war 2025 Kommandant Heer und gab in dieser Funktion den Evaluationsbericht in Auftrag, wie auch davor schon den Bericht zum Truppenversuch. Von 2022 bis Ende 2023 war er Chef Armeeplanung gewesen. Er zeichnete damals also für die militärischen Vorgaben an die neue Schweizer Armeepistole verantwortlich.
watson hat bei Armasuisse nachgefragt, ob es zutreffe, dass der Entscheid für die P320 und gegen die Modelle von Glock und HK vom Schweizer Rüstungschef Urs Loher und dem Armeechef «in gemeinsamer Verantwortung» getroffen worden seien. Die Antwort von Armasuisse-Kommunikationschef Kaj-Gunnar Sievert:
Im Vorfeld der Firmen-/Typenwahl zur [neuen] Pistole der Schweizer Armee haben sich der Rüstungschef und der Chef der Armee, sowie der designierte Chef der Armee darüber ausgetauscht.»
Thomas Süssli und Benedikt Roos waren also vorab informiert. Entschieden hat Urs Loher.
Kann sich Glock auf juristischem Weg wehren?
Laut Armasuisse-Kommunikationschef stehen den unterlegenen Herstellern kein Rechtsmittel zur Verfügung, die P320-Entscheidung anzufechten.
Insider-Informationen?
Quellen
- Interner Armasuisse-Vorevaluationsbericht inklusive Antrag Shortlist, geschwärzt (nach BGÖ-Gesuch im März 2025 ausgehändigt)
- Interner Armasuisse-Evaluationsbericht zur neuen Armeepistole und der Firmenwahl, in grösseren Teilen geschwärzt (nach BGÖ-Antrag von watson am 22. März 2026 per E-Mail zugestellt)
- ar.admin.ch: SIG Sauer P320: Neue Pistole für die Schweizer Armee aus inländischer Produktion (Medienmitteilung von Armasuisse, 4. Dez. 2025)
- Journalistisches Hintergrundgespräch mit Rüstungschef Urs Loher (Februar 2026)
- saldo.ch: Armee: Rüstungschef setzt sich für umstrittene Waffe ein (Oktober 2025, für Abonnenten)
- Verwendung von KI: Die Auswertung der internen Dokumente erfolgte in einem frühen Recherche-Schritt mithilfe von Google Gemini (Ultra). Sämtliche KI-Angaben wurden manuell nachgeprüft.
