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SIG Sauer P320: Schlechtes Test-Urteil zu neuer Schweizer Armeepistole

Bundesrat Martin Pfister, Mitte, diskutiert mit Ruestungschef Urs Loher, links, neben Korpskommandant Benedikt Roos, Chef der Armee (Cda), rechts, am Ende einer Medienkonferenz zum Bundesbeschluss ueb ...
Verantwortlich für die Pistolenbeschaffung: Rüstungschef Urs Loher, Verteidigungsminister Martin Pfister und Armeechef Benedikt Roos (von links).Bild: keystone
Analyse

watson-Recherche zeigt: So schlecht schnitt die neue Armeepistole in den Tests ab

Von watson ausgewertete Unterlagen zeigen im Detail, warum das SIG-Sauer-Modell von den Armee-Testern und den beim Bund involvierten Fachstellen klar abgelehnt wurde. Hingegen überzeugte Konkurrent Glock – und wurde trotzdem vom Rüstungschef übergangen.
24.03.2026, 11:5424.03.2026, 15:53

Gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz (BGÖ) hat watson von Armasuisse und der Schweizer Armee die Herausgabe interner Dokumente verlangt. Diese enthalten brisante Details zum Beschaffungsverfahren für die neue Schweizer Armeepistole – «Pist 26» genannt.

Am Schluss waren zwei europäische und ein amerikanisches Modell in der Endauswahl. Mit einem absolut klaren Sieger: Glock aus Österreich. Doch der Schweizer Rüstungschef ignorierte die Testergebnisse und entschied sich mit einer rüstungspolitischen Begründung gegen die Empfehlung der Fachleute.

Dieser Artikel dreht sich um bislang nicht öffentlich bekannte Details zum militärischen Truppenversuch. Da erhielt die Glock 45 die Gesamtnote 7 (auf einer Skala bis 10), und die SIG Sauer P320 die Tiefstnote 1.

Warum ist das wichtig?

Geplante neue Pistole der Schweizer Armee («Pistole 26») vom Typ SIG Sauer 320.
So sieht die neue Schweizer Armeepistole aus – sofern sie tatsächlich beschafft wird.Bild: VBS/DDPS

Der Chef des Bundesamtes für Rüstung (Armasuisse) und die Schweizer Armeeführung wollen als neue Armee-Dienstpistole ausgerechnet das Modell beschaffen, das bei den eigenen Fachleuten komplett durchfiel.

Gemeint ist die SIG Sauer P320, eine umstrittene Pistole des amerikanischen Waffenherstellers SIG Sauer Inc., die von mehreren US-Polizeibehörden wegen ungewollter Schussabgaben nicht mehr eingesetzt wird und im Herstellerland für Tote und Verwundete sorgte.

SIG Sauer bestreitet technische Mängel oder Designfehler bei seiner ersten Schlagbolzenpistole.

Sicher ist: Der Entscheid von Rüstungschef Urs Loher zugunsten einer «eingeschweizerten» P320 erfolgte gegen die ausdrückliche Empfehlung der eigenen technischen, logistischen und militärischen Fachstellen.

Der Armasuisse-Direktor begründet dies primär mit der rüstungspolitischen Strategie des Bundesrates. Demnach war die technische Tauglichkeit der neuen militärischen Dienstwaffe weniger wichtig als das Versprechen von SIG Sauer, in der Schweiz zu produzieren.

Gemäss der am Freitag veröffentlichten Armeebotschaft will der Bund in einer ersten Budget-Tranche 50 Millionen Franken für 50'000 neue Armeepistolen ausgeben. Weitere 90'000 Pistolen sollen später folgen.

Korrektur: In einer früheren Artikel-Version war fälschlicherweise von 60 Millionen Franken die Rede.

Aber: Der umstrittene Entscheid des Armasuisse-Chefs zugunsten von SIG Sauer kommt im Rahmen der Armee-Budget-Debatte ins eidgenössische Parlament. National- und Ständerat haben das vorläufig letzte Wort.

Dass die P320 im militärischen Truppenversuch und bei der Evaluation durch die Armasuisse-Fachleute durchfiel, war bereits bekannt. Das nun erstmals öffentlich verfügbare Dokument zu den technischen Details der drei getesteten «Bewerber» dokumentiert das Ausmass der festgestellten Probleme und Schwächen.

Evaluationsbericht zur neuen Schweizer Armeepistole SIG Sauer P320 (2026)
War lange unter Verschluss: Bericht über den Truppenversuch zur neuen Armeepistole («9mm Pist CH A NG») vom 16. Juni 2025.Screenshot: watson

Die Unterlagen belegen klar, wie der österreichische Waffenhersteller Glock, der sich ebenfalls um den Armeeauftrag bewarb, mit der Glock 45 (G45) das mit Abstand beste und zuverlässigste Modell anbot. Die Konkurrenten SIG Sauer und HK fielen durch.

Wie die watson-Recherchen zeigen, könnte Glock die erforderliche Menge an neuen Armeepistolen innert weniger Monate produzieren und liefern. Hingegen gibt SIG Sauer die Lieferzeit für die Initialbeschaffung mit 40 Wochen an. Zuerst muss der Hersteller bis spätestens im Herbst 2026 technische Nachbesserungen bei der P320 vornehmen. Und zur angekündigten Produktion der modifizierten Pistole in der Schweiz sind viele Fragen offen – diese gehen wir in einem Folgeartikel an.

Welche Fachstellen waren gegen die P320 als neue Armeepistole?

Ausgehend von den internen Berichten gab es eine geschlossene «Front» der technischen und operativen Fachinstanzen gegen die SIG Sauer P320.

Alle direkt mit der Prüfung und der Beschaffung befassten Bundesstellen favorisierten die Glock 45, da die P320 wesentliche Anforderungen nicht erfüllte und sich bei den Praxistests diverse Mängel zeigten.

  • Kommando Ausbildung / Ausbildungszentrum der Armee (AZA): Die für die Truppenversuche zuständige Organisation stufte die SIG Sauer P320 explizit als «nicht truppentauglich» ein. In der zusammenfassenden Beurteilung wurde festgehalten, dass die Waffe bei allen Schiesstests am schlechtesten abschnitt und unzuverlässige Trefferleistungen über alle Ausbildungs-Stufen hinweg zeigte.
  • Projektteam «9mm Pist CH A NG»: Das gesamte Projektteam, das beim Bund die Evaluation koordinierte, sprach sich klar für Glock aus. Die Begründung war eindeutig: Die P320 konnte ein technisches Eignungskriterium (MUSS-Anforderung) nicht erfüllen. Dabei handelt es sich um die technische Störrate. Es traten bei der Nutzung zu viele Störungen auf.
  • Armasuisse W+T (Wissenschaft und Technologie): Der technische Fachbereich des Bundesamts für Rüstung stellte bei den Laborprüfungen fest, dass nur die Pistole von Glock alle technischen MUSS-Kriterien erfüllen konnte. Bei der SIG Sauer P320 wurden hingegen Defizite in der Komponentenrobustheit und bei der Ergonomie nachgewiesen.
  • Logistikbasis der Armee (LBA): Die für die militärische Ausrüstung zuständige Organisation prüfte die infrage kommenden drei Pistolen hinsichtlich der Instandhaltung und Bewirtschaftung. Und sie bevorzugte ausdrücklich die Waffe von Glock. Der LBA missfiel bei der P320 besonders, dass die Truppe die Magazin-Arretierung selbst wechseln müsste, was einen erhöhten logistischen Aufwand bedeute.
  • Armeestab (A Stab): Das zentrale Führungsorgan des Chefs der Armee folgte zunächst den Ergebnissen der praktischen Militärtests und sprach die Truppentauglichkeit nur für die Pistole von Glock aus.
  • Relevante Militärverbände: Vertreter der meisten wichtigen Verbände der Schweizer Armee waren am Truppenversuch (mit vernichtendem Urteil) beteiligt, darunter das Kommando Spezialkräfte (KSK), die Militärpolizei (MP), die Luftwaffe (LW), die Lehrverbände Infanterie, Logistik sowie Panzer/Artillerie.

Welche Probleme traten bei den praktischen Tests mit der P320 auf?

Zunächst ist anzumerken, dass bei dem hier thematisierten Truppenversuch das Modell SIG Sauer P320 Carry (Kaliber 9 Millimeter) getestet wurde, das vom amerikanischen Hersteller SIG Sauer Inc. hergestellt wurde.

Bericht Truppenversuch neue Schweizer Armeepistole (2026). Es wurden zwei Varianten der SIG Sauer P320 Carry getestet.
Es wurden zwei P320-Modelle mit geradem und gebogenem Abzug getestet.Screenshot: watson

Mangelhafte Schiessleistung und Ergonomie

Die SIG Sauer P320 zeigte gemäss Bericht zum Truppenversuch über alle Ausbildungsstufen hinweg eine schwache Präzision und lieferte beim Schnellfeuer sowie unter Stress unzureichende Ergebnisse.

Hingegen bot die Glock 45 über alle Ausbildungsstufen hinweg eine hervorragende Präzision und stabile Trefferbilder, selbst bei schnellen Schussfolgen.

Das Abzugsverhalten der P320 wurde als «schwer kontrollierbar und fehleranfällig» bewertet.

Beim Schiessen unter Belastung und Zeitdruck zeigten sich weitere Mängel der P320. Der Trigger-Reset (Rückstellweg des Abzugs) wurde als nur schwach spürbar beschrieben. Dies führe unter Stress zu Fehlern.

Das Hochschlagen der Waffe nach der Schussabgabe wurde als so extrem empfunden, dass die erneute (schnelle) Zielerfassung massiv erschwert wurde. Dies führte insbesondere bei Schützinnen ohne starke Muskulatur sogar zu medizinischen Problemen (Handgelenkschmerzen), die Bandagen erforderten.

Bericht Truppenversuche neue Schweizer Armeepistole (März 2026), Screenshot: watson
screenshot: watson

Visiersystem: Bei der P320 wurde weiter bemängelt, dass der überdimensionierte Punkt auf dem Korn zu viel vom Zielbild abdecke, was das präzise Visieren ab einer Distanz von 20 Metern erheblich erschwere.

Bericht Truppenversuch neue Schweizer Armeepistole, SIG Sauer P320. Screenshot: watson
screenshot: watson

Ergonomische Mängel: Das Griffstück (selbst in Grösse S) wurde als zu gross für kleine Hände beurteilt.

Probleme mit Weisslicht: Das Standard-Weisslicht des Herstellers SureFire sass bei der P320 nicht bündig am Abzugsbügel. Dies erschwerte die Bedienung für Personen mit durchschnittlichen Handgrössen massiv.

Technische Unzuverlässigkeit

Verschlussprobleme: Bei der sogenannten Funktionskontrolle (PSK) und der Ladekontrolle schloss sich der Verschluss der P320 oft nicht selbstständig. Er musste vom Schützen manuell «nachgestossen» werden, was im Gefecht zu fatalen Fehlern führen könnte.

Bericht Truppenversuch neue Armeepistole (2026), Screenshot: watson
Screenshot: watson

Hoher Verschleiss: Bereits nach kurzer Versuchszeit zeigten sich laut Bericht deutliche Abnutzungserscheinungen – an der Öse für die Fangschnur, der Picatinny-Schiene und im Inneren des Griffmoduls.

Komplexe Wartung und Logistik

Die Reinigung sei «aufwendig und erschwert», heisst es im Bericht. Das Waffensystem weise «eine erhöhte Systemkomplexität» auf, insbesondere im Bereich Montage. Dies könne zu Anwendungsfehlern führen.

«Im Vergleich zu allen anderen getesteten Pistolen weist dieses System [P320] die umständlichste und aufwendigste Reinigung auf. (...) Der Schmutz haftet stärker an den Bauteilen, was die Reinigung zusätzlich erschwert.»
Bericht Truppenversuch neue Schweizer Armeepistole, auffällige Verschmutzung der SIG Sauer P320. Screenshot: watson
Screenshot: watson

«Gewürge» bei Fehlmontage: Laut Bericht ist es wegen der Konstruktionsweise der P320 möglich, die Schliessfeder in einer schrägen Stellung einzusetzen. Dies könne zu einer massiven Verklemmung führen und das Problem lasse sich nur mit «sehr grossem Kraftaufwand» und «Gewürge» lösen.

Bericht Truppenversuch neue Schweizer Armeepistole, Risiko von Fehlmontagen bei SIG Sauer P320.
Bild: Screenshot: watson

Das Schlagbolzen-Dilemma: Die offizielle Bedienungsanleitung von SIG Sauer zur P320 verbietet ausdrücklich das Ölen des Schlagbolzenkanals (wegen der Gefahr von Zündversagern). Die Armee-Tester stellten allerdings fest, dass sie diese Vorgabe mit dem Ordonnanz-Putzzeug gar nicht erfüllen können. Ein technisches Risiko, das im Feld zu Versagern führen könnte.

Umständlicher Modulwechsel: Der Wechsel des Griffstücks bei der Pistole erfordert laut Bericht den Ausbau der «Fire Control Unit» (FCU). Dies bewerten die Tester als umständlich und für die Truppe ungeeignet.

Das Problem mit dem «Herzstück»
Die SIG Sauer P320 wurde in der Vergangenheit als revolutionär «modular» beworben. Das Herzstück der Schlagbolzenschlosspistole ist die Fire Control Unit (FCU) – eine herausnehmbare Abzugseinheit.

Das Versprechen: Um die Waffe an verschiedene Handgrössen anzupassen, wechselt man einfach das kostengünstige Kunststoff-Griffmodul. Dafür muss die FCU zwingend ausgebaut werden.

Der Widerspruch: Zunächst behauptete SIG Sauer laut Bericht, die Schweizer Soldaten könnten diesen Wechsel selbst vornehmen. In einer späteren logistischen Abklärung folgte die Kehrtwende: Gemäss Instandhaltungskonzept werde ein Ausbau der FCU durch die Truppe selbst ausdrücklich nicht empfohlen.

Die Folge: Da das kleinste Griffmodul (Grösse S) im Test für manche Schützen bereits zu gross war, müsste die Truppe die Waffe eigentlich anpassen – darf es laut Hersteller aber gar nicht selbst tun.
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Die «Fire Control Unit» (FCU) einer zerlegten P320.Screenshot: YouTube
Screenshot aus dem Bericht Truppenversuch neue Schweizer Armeepistole (2026), Bemerkungen zu den Griffstücken
Screenshot: watson

Spezialwerkzeug-Zwang: Für Anpassungen und die Justierung der Visierung sei Spezialwerkzeug nötig, das im Versuch teilweise beschädigt wurde oder gar nicht erst funktionierte, heisst es weiter im Bericht.

Und den Logistik-Fachleuten der Schweizer Armee (LBA) missfiel bei der P320 besonders, dass die Truppe die Magazin-Arretierung selbst wechseln müsste, was einen erhöhten logistischen Aufwand bedeute.

«Die Wartungs- und Reinigungsvorschriften können mit dem standardisierten Ordonnanz-Putzzeug der Truppe nur eingeschränkt umgesetzt werden.»

Fehlendes Sicherheitsmerkmal

Keine Abzugssicherung: Im Gegensatz zur Glock hat die P320 keine Lasche vor dem Abzugzüngel, um das Risiko ungewollter Schussabgaben zu verringern. Das bewerteten die Tester als klaren Sicherheitsnachteil.

Was unterscheidet Schlagbolzenpistolen von Glock und SIG Sauer?

Schlagbolzenpistolen, auf Englisch «Striker-Fired», sind moderne Faustfeuerwaffen, die ohne Schlaghammer (Hahn) funktionieren. Die Zündung der Patrone übernimmt ein interner Schlagbolzen. Dieses System ermöglicht ein konstantes Abzugsgewicht vom ersten bis zum letzten Schuss und funktioniert ohne manuellen Sicherungshebel, was die Bedienung unter Stress vereinfachen soll.

Alle drei Modelle von Glock, H&H und SIG Sauer, die es in die Endauswahl für die neue Armeepistole schafften, funktionieren nach diesem Prinzip, das innere Design und die Sicherheitsmechanismen unterscheiden sich hingegen beträchtlich.

Die P320 ist die erste von SIG Sauer entwickelte Schlagbolzenpistole. Sie funktioniert nach dem Auslöseprinzip «Single Action Only» (SAO). Nach der Ladebewegung ist der Schlagbolzen automatisch vorgespannt, sodass sofort ein Schuss abgegeben werden kann.

Eine externe Abzugssicherung gibt es nicht ab Werk. Interne Sicherheitsmechanismen sollen verhindern, dass sich bei einem Sturz oder anderer mechanischer Einwirkung ungewollt ein Schuss löst.

Bei Glock-Schlagbolzenpistolen hingegen ist der Schlagbolzen nach einer Ladebewegung nur «teilgespannt». Erst durch das Durchziehen des Abzugs wird er vollständig gespannt und löst am Ende des Abzugswegs die Schussabgabe aus.

Das von Glock entwickelte «Safe Action»-Prinzip ist ein vollautomatisches Sicherheitssystem, das aus drei unabhängig voneinander arbeitenden mechanischen Sicherungen (intern und extern) besteht:

1. Die Abzugssicherung («Trigger Safety»): Um ein ungewolltes Durchziehen des Abzugs zu verhindern, befindet sich vor dem Abzugszüngel eine Lasche, die zuerst hineingedrückt werden muss. Erst dann lässt sich das Abzugszüngel nach hinten bewegen.
2. Die Schlagbolzensicherung («Firing Pin Safety»): Ein vertikaler Sicherungsbolzen im Verschluss mit einer robusten Druckfeder blockiert den Kanal des Schlagbolzens mechanisch.
3. Fallsicherung («Drop Safety»): Eine Sicherheitsrampe im Schlitten hält die Abzugsstange so in Position, dass der Schlagbolzen unter Teilspannung fixiert bleibt und sich nicht von selbst lösen kann.

Das Sicherheitssystem der SIG Sauer P320 unterscheidet sich grundlegend von anderen Schlagbolzenpistolen und wird oft als weniger konventionell kritisiert. Hingegen weist das Nachfolgemodell P365 ein Sicherheits-Design auf, das dem von Glock ähnlicher ist. Es gilt in der Industrie als besonders zuverlässig und weniger anfällig für interne Verschmutzungen und Teileverschleiss, insbesondere Federermüdung.

Die Abbildung zeigt die Glock-Abzugssicherung mit der vor dem Abzugszüngel positionierten Lasche (rot markiert)

Editorial Bild
bild: screenshot: keith slatowski et al. vs. sig sauer

Problematisch für Miliztruppen

Laut Bericht ist bei den Soldaten ein hoher Trainingsaufwand erforderlich, um die P320 sicher und effizient zu nutzen. Ein effizienter Lernverlauf sei nicht ersichtlich.

Eine Effizienzsteigerung – im Vergleich zur bisherigen Armee-Dienstpistole, kurz «Pist 75» – sei im Rahmen der Ausbildung nicht erkennbar gewesen. Hingegen sei ein zusätzlicher Munitionsaufwand klar feststellbar.

Das ernüchternde Zwischenfazit:

«Die SIG P320 ist nicht geeignet für eine breite Ausbildung im Rahmen einer Milizarmee, dazu komplex in der Anwendung und Ausbildung.»
Bericht über den Truppenversuch

Was war bei der Pistole von Heckler & Koch?

Wir gehen hier nicht im Detail darauf ein. Kurzfassung: Die HK SFP9-SF wurde wie die P320 als «nicht truppentauglich» eingestuft, unter anderem wegen massivem Hochschlagen der Pistole nach der Schussabgabe und wegen auftretender sicherheitsrelevanter Defekte (an der Abzugssicherung löste sich ein Bolzen).

Vorläufiges Fazit

Der Truppversuch schloss gemäss Bericht mit einem für SIG Sauer niederschmetternden Resultat. Die P320 erhielt die Tiefstnote 1 in den Bereichen Bedienung, Schiessen und Ausbildung (auf einer Skala mit der Maximalnote 10, wobei 7 «erfüllt» bedeutet).

Bericht Truppenversuch neue Schweizer Armeepistole, Gesamtübersicht Benotung der Kriterien. Screenshot: watson
Screenshot: watson

Der Bericht hält fest, dass die Glock 45 bereits aus dem Trockentraining heraus eine Spitzenleistung lieferte, während die P320 einen massiv höheren Trainingsaufwand und Munitionsverbrauch verursachen würde, ohne jemals die Stabilität der Glock zu erreichen.

Trotz der massiven technischen Überlegenheit der getesteten Glock-Pistole entschied sich Urs Loher für SIG Sauer. Dies tat er in Absprache mit dem Chef der Armee. Und zwar mit dem alten Armeechef Thomas Süssli als auch mit dem neuen Armeechef Benedikt Roos.

Korpskommandant Roos – damals noch Divisionär – hatte auch den Evaluationsbericht für die neue Armeepistole in Auftrag gegeben. Ein Bericht, den watson nun dank BGÖ ebenfalls erhalten hat, wenn auch in Teilen geschwärzt.

Evaluationsbericht von Armasuisse zur neuen Armeepistole P320 (März 2026).
Screenshot: watson

Tatsächlich hatte Glock auch bei der von Armasuisse-Experten erstellen «Nutzwertanalyse» den höchsten Nutzwert erhalten. Glock lag im Bereich Technik/Taktik/Logistik bei 3.45, während SIG Sauer nur 1.17 Punkte erreichte. Dass SIG Sauer dennoch gewann, liegt allein an der massiven Gewichtung rüstungspolitischer Faktoren.

Für Glock sprach die bewährte Zuverlässigkeit und bestehende gute Partnerschaft mit den Schweizer Spezialkräften – für den Rüstungschef wogen die versprochene industrielle Souveränität und die preislich viel tiefere Offerte offensichtlich schwerer. Und dies, obwohl Glock direkt in unserem Nachbarland produziert.

Der Rüstungschef stützt sich bei seinem inhaltlich umstrittenen Entscheid zugunsten von SIG Sauer formell auf die Materialverordnung des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Diese erlaubt die Wahl eines ungenügenden Produkts, wenn die Mängel bis zur Abnahme «erfüllbar» erscheinen.

Was aufhorchen lässt: Armasuisse-Kommunikationschef Kaj-Gunnar Sievert erklärte Mitte März gegenüber watson, dass sich die Anpassungen bei der geplanten Schweizer P320-Version «auf ein Minimum beschränken» sollen, sodass es sich «nicht um eine Sonderanfertigung» handeln werde.

Anzumerken ist, dass der Vertragspartner für den Bund die SIG Sauer AG in Neuhausen SH ist, und nicht etwa der bisherige Produzent in den USA. Die Überprüfung der von Armasuisse verlangten Nachbesserungen bei der P320 soll laut Zeitplan im 2. und 3. Quartal 2026 stattfinden. Die Akteure stehen also unter Druck.

Letztlich kann die Massenproduktion der neuen Schweizer Armeepistole erst beginnen, wenn Ständerat und Nationalrat der Armeebotschaft im laufenden Jahr zustimmen. Die erste Tranche der P320 mit kleinem «Swiss Finish» würde dann ab 2028 ausgeliefert.

Insider-Informationen?
watson-Redaktor Daniel Schurter ist über die verschlüsselte Messenger-App Threema auch anonym zu erreichen. Seine «Threema ID» lautet: ACYMFHZX. Oder du schreibst an daniel.schurter [at] protonmail.com. Wer sich beim Schweizer Secure-Mail-Anbieter (kostenlos) registriert, kann verschlüsselte E-Mails verschicken.

Quellen

  • Schweizer Armee: Interner Bericht zu Truppenversuch, in Teilen geschwärzt (nach BGÖ-Antrag von watson am 22. März 2026 per E-Mail zugestellt)
  • Armasuisse: Interner Evaluationsbericht zur neuen Armeepistole und der Firmenwahl, in grösseren Teilen geschwärzt (nach BGÖ-Antrag von watson am 22. März 2026 per E-Mail zugestellt)
  • Eigene Online- und Offline-Recherche.

Die P320-Recherche (frühere Artikel)

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Die beliebtesten Kommentare
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Bauerschweingruber
24.03.2026 12:03registriert August 2015
Ist eine solche Beschaffung noch Inkompetenz oder sogar aktive Sabotage?
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Donny Drumpf
24.03.2026 12:09registriert November 2019
Kann man da schon von Korruption sprechen?
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Pragmatiker17
24.03.2026 12:04registriert Juli 2025
Nach diesem Bericht sollte auch den letzten Skeptikern klar sein, dass nicht die Armee zuweilen ein Kompetenzproblem hat, sondern dass der Fisch viel weiter oben am Kopf stinkt.
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