Wirtschaft
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Schweizer Uhrenindustrie durchlebt unsichere Zeiten



Die geopolitischen Unsicherheiten namentlich im wichtigen Markt Hongkong stellen die Schweizer Uhrenindustrie vor grosse Herausforderungen. Der Ausblick auf 2020 ist von Vorsicht, aber auch von Vertrauen in die eigenen Stärken geprägt.

Une artiste travaille lors de la 9eme Biennale du patrimoine Horloger, ce vendredi 1 novembre 2019, dans la manufacture Jaquet Droz, a La Chaux-de-Fonds. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Die Schweizer Uhrenindustrie blickt dank des Booms bei teuren Uhren auf ein gutes Jahr zurück. Im Bild eine Mitarbeiterin der Manufaktur Jaquet Droz in La Chaux-de-Fonds. Bild: KEYSTONE

Im laufenden Jahr dürften die Schweizer Uhrenexporte einen Wert von rund 21.5 Milliarden Franken erreichen, sagte Jean-Daniel Pasche, Präsident des Schweizerischen Uhrenverbandes (FH), in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Das sei zwar weit entfernt von jenen 22.2 Milliarden Franken, die die Branche im Rekordjahr 2014 wertmässig exportiert habe. Die Branche sei dennoch mit dem Ergebnis im laufenden Jahr zufrieden.

Schere geht auseinander

Mit aufmerksamen Augen verfolgt die Branche derzeit, wie sich die Schere zwischen Uhren des mittleren und des hochpreisigen Segmentes öffnet. Während das Geschäft mit teuren Uhren floriert, ist der Preisdruck beim mittleren Segment deutlich spürbar.

Das mittlere Segment, das Uhren zum Preis von 500 und 600 Franken umfasst, leide unter der starken Konkurrenz, nicht zuletzt durch die Smartwatches. Auch der Trend zu «fashion brands» mache der Branche zu schaffen. Sie würden zu Tiefpreisen made in China angeboten.

Einzelne Hersteller, die dem Label «swiss made» nicht folgen wollten oder konnten, hätten sich zurückgezogen. Der Preisdruck bei den tiefpreisigen Einstiegsmodellen sei enorm und drücke seit August 2018 sehr negativ auf die Verkaufsvolumen.

Starker Mengenrückgang

Nach elf Monaten des laufenden Geschäftsjahres beträgt der Rückgang 13.4 Prozent bei einer Stückzahl von rund 18.9 Millionen Uhren. Rückläufige Volumina bedeuteten immer auch weniger Beschäftigung, sagte Pasche in dem Gespräch weiter.

Die Probleme seien jedoch lösbar. Die Marken investierten weiter in die Innovation (Technik/Design), in die Infrastruktur und in die Ausbildung. Es gebe auch bei den Einstiegsmodellen eine Zukunft. Die Bedingungen im neuen Jahr blieben trotz allem positiv.

Lage in Hongkong belastet

Er schaue dem nächsten Jahr gelassen entgegen. Die Unsicherheiten blieben jedoch bestehen. Schwer zu schaffen macht der Uhrenindustrie die ungeklärte Lage in Hongkong, dem wichtigsten Absatzmarkt. Allein im November gingen die Verkäufe in die ehemalige britische Kolonie um 26.7 Prozent zurück. Das sei der zweite aufeinander folgende Rückgang.

Ein Ende der Unsicherheiten sei nicht absehbar. Die Spannungen zwischen den USA und China, beides sehr wichtige Märkte für die Schweizer Uhrenindustrie, hielten an. Es bleibe abzuwarten, wie sich die Lage weiter entwickeln werde.

Weiter müsse die Branche mit dem starken Franken leben. In unsicheren Zeiten übernimmt die Schweizer Währung traditionell die Rolle des sicheren Hafens.

Kaum Spuren des Brexit

In Europa verlaufe die Entwicklung für die Schweizer Uhrenindustrie unterschiedlich. In Grossbritannien hätten die Verkäufe trotz der Wirren um den Brexit in den ersten elf Monaten des laufenden Jahres um 12.1 Prozent zugelegt. In den grossen Märkten - Deutschland, Frankreich und Italien - seien die Zahlen rückläufig. Die Streiks in Frankreich seien wenig hilfreich.

Gemessen an der Weltuhrenproduktion haben die Schweizer Uhren nur einen Anteil von 2 bis 3 Prozent, so Pasche weiter. Weltweit werden rund eine Milliarde Uhren jährlich hergestellt. China bleibt mit 600 bis 700 Millionen produzierten Uhren die Nummer 1 im Markt, wobei die Chinesen insbesondere Billiguhren produzieren. (sda)

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