Mehr Effizienz für SBB-Güterverkehr – Veränderungen für Angestellte
Für rund 200 Mitarbeitende in der ganzen Schweiz gebe es Veränderungen. Dabei handle es sich mehrheitlich um einen Arbeitsortswechsel beim operativen Personal, hiess es am Dienstag in einer Mitteilung. Kündigungen seien die Ausnahme.
130 Mitarbeitende in der Deutschschweiz, 40 im Tessin und 30 in der Westschweiz seien betroffen. Die SBB biete ihnen «eine Lösung» an: Entweder einen Wechsel an einen anderen Arbeitsort bei SBB Cargo Schweiz, innerhalb der SBB, zu einer Tochtergesellschaft, zu einer Partnerbahn oder eine begleitete berufliche Neuorientierung innerhalb der SBB. Dabei hielten sich die SBB strikt an den Gesamtarbeitsvertrag (GAV).
In gewissen Regionen hätten die SBB aktuell zu viele Fachkräfte, in anderen zu wenige. «Die SBB muss ihre Mitarbeitenden dort einsetzen, wo es Güter zu transportieren gibt», hiess es.
Deshalb wechsle das Lok- und Rangierpersonal von elf Standorten mit sehr geringem Verkehrsaufkommen oder wenigen Mitarbeitenden den Arbeitsort. Betroffen seien das Lokpersonal in Brig VS, Buchs SG und Chiasso TI sowie das Rangierpersonal in Thun BE, Rothenburg LU, Yverdon VD, Payerne VD, Freiburg, Delsberg JU, Martigny VS und Wil SG. Die Standorte Schaffhausen und Frauenfeld blieben voraussichtlich bis 2028 beziehungsweise 2029 bestehen.
Nebst dem Wechsel des Arbeitsortes rekrutierten die SBB laufend Mitarbeitende im Güterverkehr, um der Pensionierungswelle zu begegnen. Aufgrund dieser Welle erwarteten die SBB, dass sie im Güterverkehr in den nächsten Jahren rund 300 neue Mitarbeitende benötigten.
Beim Einzelwagenladungsverkehr (EWLV) werden einzelne Güterwagen aus Anschlussgleisen und Rampen von Kunden gesammelt, zu Zügen formiert und in Rangierbahnhöfe gebracht. Dort werden neue Züge nach Zielregion zusammengestellt. Am Bestimmungsbahnhof erfolgt die Feinverteilung. Typische Güter sind Stückgut auf Paletten, Briefsendungen und Konsumgüter.
Ziel ist Eigenwirtschaftlichkeit
Der Schienengüterverkehr der SBB kämpft seit Jahren mit Defiziten. Mit den geplanten Massnahmen soll er ab dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember «wesentlich effizienter» werden. Ziel sei ein Güterverkehr, der ab 2033 eigenwirtschaftlich unterwegs sei, wie es der Bund als Eigentümer der SBB vorgebe. Die Neuausrichtung solle im Weiteren das nationale Angebot sichern und Güter sollten dort transportiert werden, wo eine Nachfrage von Kunden bestehe.
Rund 50 von derzeit rund 280 Bedienpunkten mit einer zu geringen Nachfrage würden im EWLV künftig nicht mehr angefahren, jedoch «auf Kundenwunsch weiterhin im Ganzzugsverkehr bedient». Dennoch könnten die SBB nahezu gleich grosse Transportmengen transportieren wie bisher «und das deutlich wirtschaftlicher dank besser ausgelasteter Züge».
Auch künftig seien Anpassungen an Bedienpunkten und Standorten möglich. Zur Neuausrichtung leisten laut den SBB auch die Kunden mit kostendeckenden Preisen und langfristigen Verträgen eine Beitrag.
Gewerkschaft kritisiert Plan
Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) kritisiert das Vorhaben der SBB. Der SEV befürchtet, dass dadurch die Zukunft des EWLV sowie die Verkehrsverlagerung auf die Schiene gefährdet werden.
Aus Sicht der Gewerkschaft droht auch die vom Bund beschlossene Förderung von 260 Millionen Franken wirkungslos zu bleiben. Der EWLV könne unter den heutigen Marktbedingungen nicht eigenwirtschaftlich betrieben werden, da der Strassentransport weiterhin günstiger sei.
Der SEV fordert darum eine grundlegende Neuausrichtung des Güterverkehrs als Service public. Zudem verlangt die Gewerkschaft einen Stopp der laufenden Reform, um Stellenabbau und weitere Verlagerung auf die Strasse zu verhindern.
Verlust eingefahren
2025 war der Güterverkehr wegen der schlechteren Konjunktur rückläufig und fuhr einen Verlust von 126 Millionen Franken ein. Die Neuausrichtung des Güterverkehrs startete 2025.
Der Bund hatte den SBB den Leistungsauftrag für den sogenannten Einzelwagenladungsverkehr Ende 2025 erteilt. Der Bundesrat sieht konkret vor, den Einzelwagenladungsverkehr auf acht Jahre befristet finanziell zu fördern, mit der Option für eine Verlängerung um weitere vier Jahre. SBB Cargo erhält vom Bund dafür in den nächsten vier Jahren 260 Millionen Franken.
Unbefristet vorgesehen sind Umschlags- und Verladebeiträge und eine Abgeltung der ungedeckten Kosten des bestellten Gütertransportangebots für total 60 Millionen Franken pro Jahr.
Der Schienengüterverkehr ist laut den SBB zentral für die Landesversorgung, Sicherheit und Klimaziele der Schweiz. Ohne EWLV gebe es jährlich bis zu eine Million zusätzliche Lastwagenfahrten auf der Strasse. (sda)
