Wirtschaft
Schweiz

Kommission will «Maulkorb»-Artikel im Bankengesetz beibehalten

Kommission will «Maulkorb»-Artikel im Bankengesetz beibehalten

06.05.2022, 17:5006.05.2022, 18:03

Nach den Enthüllungen von «Suisse Secrets» bei der Grossbank Credit Suisse sieht die Wirtschaftskommission des Nationalrats (WAK-N) keinen gesetzgeberischen Handlungsbedarf. Die Pressefreiheit in Finanzplatzfragen werde genügend geschützt, lautet der Tenor.

ARCHIV - DIE CREDIT SUISSE LEGT MEHR GELD FUER RECHTSSTREITIGKEITEN ZUR SEITE, DIE UEBER EIN JAHRZEHNT ZUR
Bild: keystone

Zu diesem Schluss kam die Kommission nach Anhörungen von Vertreterinnen und Vertretern der Schweizerischen Bankiervereinigung und Experten für Wirtschaftskriminalistik und Medienrecht, wie die Parlamentsdienste am Freitag mitteilten. Die Mehrheit argumentiert demnach, dass sich die Schweizer Banken über die vergangenen Jahre in Bezug auf die Prävention von Geldwäscherei und anderen wirtschaftskriminellen Aktivitäten stark weiterentwickelt hätten und den internationalen Standards entsprächen.

Mit einer Anpassung des Bankengesetzes bestehe das Risiko, dass öffentlichen Vorverurteilungen von Privatpersonen Vorschub geleistet würde, hiess es weiter. In der Praxis seien bis anhin noch nie Medienschaffende aufgrund einer Verletzung von Artikel 47 des Bankengesetzes gerichtlich verurteilt worden.

Recherche verhindert

Linke Parteien und auch die Uno-Berichterstatterin für Meinungsfreiheit hatten in den vergangenen Monaten den «Maulkorb»-Artikel im Bankengesetz scharf kritisiert. Wegen dieses Artikels konnten etwa die Tamedia-Zeitungen nicht im internationalen Recherchenetzwerk mitarbeiten, das die «Suisse Secrets» aufdeckte.

Schweizer Journalistinnen und Journalisten müssen nämlich Sanktionen befürchten, wenn sie über Enthüllungen aufgrund gestohlener oder geleakter Daten berichten. Das Strafmass für Zuwiderhandlungen beläuft sich auf bis zu drei Jahre Haft.

Recherchen der «Süddeutschen Zeitung» (SZ) und weiterer Medien hatten Daten aus der Credit Suisse enthüllt, die den Zeitungen nach eigenen Angaben von einer anonymen Quelle zugespielt wurden. In einer Stellungnahme wies die Credit Suisse die Vorwürfe und Unterstellungen über «angebliche Geschäftspraktiken der Bank entschieden zurück». (saw/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die CS-Chefs
1 / 14
Die CS-Chefs
Am Anfang war der Eisenbahn- und Gotthard-Pionier: Am 16. Juli 1856 nimmt die von Alfred Escher gegründete Schweizerische Kreditanstalt (SKA), Vorgängerin der heutigen Credit Suisse, ihre Geschäftstätigkeit auf. Der Politiker und Wirtschaftsführer leitete die SKA als erster Verwaltungsratspräsident von 1856-1877 und von 1880-1882.
quelle: alfred-escher-stiftung / alfred-escher-stiftung
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
3 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3
Russlands Wirtschaft steckt in der «Todeszone»
Nach einem anfänglichen Schock hat sich die russische Wirtschaft während der mittlerweile vier Kriegsjahre als erstaunlich resilient erwiesen. Doch die positiven Faktoren, die sie bisher gestützt haben, sind nun weitgehend verschwunden.
Nach dem Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 verschärften die westlichen Staaten ihre Sanktionen gegen Russland massiv. Obwohl die Massnahmen nicht wie erhofft zu einer sofortigen Lähmung der russischen Wirtschaft führten, wirkten sie zunächst tatsächlich dämpfend: Im ersten Kriegsjahr schrumpfte das russische Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,2 Prozent. Das war jedoch weniger als der Rückgang um 2 Prozent nach den Sanktionen aufgrund der Annexion der Krim im Jahr 2015. Auch der Rückgang um 2,7 Prozent aufgrund der Covid-19-Pandemie 2020 war deutlich stärker.
Zur Story