DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
An der Madison Avenue hat die Credit Suisse den Sitz in New York City.
An der Madison Avenue hat die Credit Suisse den Sitz in New York City.Bild: MARTIN RUETSCHI

CS verkaufte «kompletten Mist»

Zehn Jahre nach Ausbruch der Immobilienkrise bahnt sich bereits die nächste an – was tun CS und UBS? 
22.01.2017, 13:0622.01.2017, 16:04
Beat Schmid und Niklaus Vontobel / schweiz am Sonntag
Ein Artikel von Schweiz am Sonntag
Schweiz am Sonntag

Die Summe von 5,3 Milliarden Dollar muss die Grossbank Credit Suisse für Geschäfte zahlen, die über 10 Jahre zurückliegen. Die Verfehlungen sind gravierend und stammen aus einer Zeit, als die beiden Schweizer Grossbanken die grossen Nummern im amerikanischen Investmentbanking waren. In den Unterlagen, die das US-Justizministerium diese Woche veröffentlichte, erhält man einen guten Einblick, welche verkommene Unternehmens-Kultur damals in der amerikanischen Niederlassung der Credit Suisse geherrscht haben musste. 

Die CS hat kleineren Banken grössere Tranchen von Hypotheken abgekauft und sie zu sogenannten Residential Mortgage-backed Securities (RMBS) weiterverarbeitet. Diese verkaufte sie dann an Drittinvestoren weiter. Dabei schaute die Bank nicht so genau auf das, was sie einkaufte, und griff auch dann zu, wenn selbst Stichproben ergaben, dass der Inhalt wenig werthaltig war. In internen Mails wurden die Papiere zum Teil als «kompletter Mist» bezeichnet, Hauptsache man mache einen «Mordsgewinn». 

Die Folgen der Rekordbusse sind noch nicht abschätzbar. Auf Anfrage will ein Banksprecher keine Angaben machen, ob die Bank noch eine Dividende auszahlen wird und den Bonus für hohe Kader streicht. Das werde mit dem Vergütungsbericht beziehungsweise mit der Einladung zur Generalversammlung bekannt, sagte ein Sprecher. Es ist davon auszugehen, dass die CS trotz Miliardenverlust aber weder auf die Ausschüttung von Boni noch auf eine Dividende verzichten will. Der Bonuspool könnte um 10 bis 20 Prozent reduziert werden. Das ist alles. Als Dividende dürfte die CS ihren Aktionären auch dieses Jahr wieder Aktien anbieten. Das hilft, um das Eigenkapitalpolster zu schonen. 

7,9 Milliarden Dollar
Diesen Betrag muss die CS nach
Amerika überweisen,
5,3 Milliarden
wegen fauler Hypotheken
und 2,6
Milliarden wegen
Beihilfe zur Steuerhinterziehung
im Jahr 2014. Das
ist einsamer Rekord
– noch nie
musste ein Schweizer
Unternehmen
höhere Bussgelder
bezahlen.

Bussenkönig Urs Rohner

Wie immer stellt sich bei der CS die Frage nach der Verantwortung. CEO Tidjane Thiam trifft keine Schuld, da er erst 2015 antrat. VR-Präsident Urs Rohner ist seit 2004 dabei. Zunächst als oberster Rechtschef, ab 2009 im Verwaltungsrat. Zumindest eine gewisse Mitschuld könnte man ihm anhängen. Seit Rohner im CS-Verwaltungsrat sitzt, summieren sich die beiden grössten Bussen auf total über 7,88 Milliarden Dollar – pro Amtsjahr macht das mehr als 1 Milliarde Dollar. Wenn er auch nicht als grosser Banker in die Geschichte der CS eingehen wird, so ist ihm immerhin der Titel des Bussenkönigs sicher. 

Die Deutsche Bank, die ebenfalls hart für ihre Verfehlungen mit RMBS-Produkten büssen musste, hat bereits bekannt gegeben, dass die höchsten Manager auf ihre Boni verzichten werden. Ebenso gab die Bank bekannt, dass sie auf die Ausschüttung einer Dividende verzichten werde. 

Während also die CS und andere Banken (bei der UBS zieht sich ein Abschluss des Verfahrens noch hin) die Aufarbeitung der Altlasten sehr viel Geld kostet, geht in den USA die Post bereits wieder ab. Just zehn Jahre nach der Kreditkrise mehren sich die Zeichen, dass alles von vorne beginnt. Mit der Trump-Regierung hofft der Finanzsektor auf ein Eldorado der Deregulierung. Die Aktien und die Häuserpreise steigen wieder. Und mit ihnen auch die Gier. 

Regionale Märkte überhitzen

Selbst im US-Immobilienmarkt ist es wieder zu hören: das hässliche Wort von der Finanzblase. Der Case-Shiller-Preis-Index ist bereits wieder dem Niveau vom Höhepunkt der Finanzblase gefährlich nahe gekommen. Insbesondere einige regionale Märkte an der Westküste scheinen bereits wieder zu überhitzen. Lokale Zeitungen haben die Blasen-Symptome längst aufgegriffen. 

In der San Francisco Bay Area beispielsweise reissen sich die Hypothekar-Verleiher um neue Kunden. Die First Republic Bank etwa eröffnet eigens Filialen in den Hauptquartieren von Facebook und Twitter. Und wiederum werfen die Banken alle Vorsicht über Bord. Die San Francisco Federal Credit Union verlangt, wie Bloomberg berichtet, für Hypotheken bis zu zwei Millionen Dollar keinerlei eigenes Kapital vom Kunden, null. 

Immerhin gibt es warnende Stimmen. «Die Verleiher sind derart damit beschäftigt, dem Markt einen Schritt voraus zu sein – ihre Gier überwältigt gewissermassen ihren gesunden Menschenverstand», stellt ein Hypotheken-Berater fest. Der CEO eines anderen Verleihers klingt schon fast verzweifelt: «Es ist geradezu selbstmörderisch für unser Land, wenn nun Kunden wiederum Hypotheken erhalten, ohne jegliches Eigenkapital zu haben.» Und der US-Starökonom Robert Shiller sagt zur «Schweiz am Sonntag»: «Ja, es kann wieder zu einem Crash kommen – wenn auch nicht sofort.» 

Robert Shiller: «Ja, es kann wieder zu einem Crash kommen»

Der Preisboom in Kalifornien schwappt bereits auf benachbarte Märkte über, wie etwa in Oregon. Dort finden Familien, die sich in Kalifornien schon kein Eigenheim mehr leisten können, noch bezahlbare Häuser. Lisa Frey, eine Immobilien-Vermittlerin in der Stadt Eugene in Oregon, sagte einer Lokalzeitung: «In den letzten sechs Monaten fing der Hype wirklich an, um sich zu greifen.» Gerade habe sie wieder mit einer Familie gesprochen, die aus Kalifornien wegwollte. «Die sagten bloss noch: ‹Wir hassen Kalifornien, wir wollen weg.›» 

Tröstlich für die Schweizer Steuerzahlen ist, dass die beiden Grossbanken – so viel bekannt – dieses Mal nicht mitmachen.

[dhr, 22.01.2017] Geld, Banken, Weltwirtschaft

Alle Storys anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Schweizer Züge als Bestseller: Das sind 8 Tops und Flops von Spuhlers Stadler Rail
Stadler Rail kann bis 504 Tramzüge nach Deutschland und Österreich liefern. Ein weiteres Highlight für Patron Peter Spuhler. Bei Stadler Rail gibt es jedoch auch ein Sorgenkind. Die Übersicht.

Es ist der grösste Auftrag, den sich der Ostschweizer Zug-Hersteller Stadler Rail je gekrallt hat: Bis zu 504 «Citylink»-Fahrzeuge liefert die Firma an sechs deutsche und österreichische Verkehrsbetriebe, etwa nach Karlsruhe oder Salzburg.

Zur Story