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Studie klärt: Rein männliche oder weibliche Gehirne gibt es nicht



Typisch Frau – typisch Mann: Zumindest auf der Ebene des Gehirns scheinen solche Kategorisierungen wenig Sinn zu machen, besagt eine Studie. Rein weibliche oder rein männliche Gehirne gebe es kaum.

Obwohl Unterschiede im Gehirn von Männern und Frauen bestehen, besitzen die meisten Menschen ein Mosaik aus weiblichen und männlichen Kennzeichen, wie Forscher um Daphna Joel von der Universität Tel Aviv berichten. Ihre Untersuchung sei auch interessant im Hinblick auf anhaltende soziale Debatten, etwa zum Nutzen von geschlechtsgetrennter Erziehung.

ADVANCE FOR USE MONDAY, JUNE 22, 2014 AND THEREAFTER - This image provided by the Laboratory of Neuro Imaging in June 2015 shows pathways of signals in the brain from the Connectome Scanner dataset. The fibers are color-coded by direction: red is left-right, green is front-back and blue is up-down. (Courtesy of the Laboratory of Neuro Imaging and Martinos Center for Biomedical Imaging, Consortium of the Human Connectome Project - www.humanconnectomeproject.org, www.loni.usc.edu via AP)

Signal-Bahnen im Gehirn
Bild: AP/Laboratory of Neuro Imaging and Martinos Center for Biomedical I

Die Frage, ob Männer und Frauen auch abseits der offensichtlich unterschiedlichen Genitalien verschiedene Kategorien bilden, habe Denker seit jeher beschäftigt, schreibt das internationale Team in den «Proceedings» der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften («Pnas»). Festgestellte Unterschiede im Gehirn von Probanden würden oft als Hinweis gewertet, dass es tatsächlich ein männliches und ein weibliches Gehirn gibt. Dies sei aber bisher nicht gut genug untersucht gewesen.

Kernspintomographie-Aufnahmen ausgewertet

Die Forscher werteten Kernspintomographie-Aufnahmen von 1400 Probanden aus. Sie untersuchten Unterschiede in der grauen und der weissen Substanz des Gehirns oder in der Stärke der Verknüpfungen zwischen verschiedenen Hirnbereichen.

Zunächst suchten die Forscher nach den Bereichen, in denen Unterschiede zwischen Männern und Frauen am stärksten ausgeprägt waren, in denen es also zwischen Männern und Frauen am wenigsten Überschneidungen gab. Dann bewerteten sie einzelne Gehirne danach, inwieweit sie in den betreffenden Bereichen rein weibliche oder rein männliche Merkmale besitzen. Das Ergebnis: Es gibt Merkmale, die eher bei Männern zu finden sind, und solche, die eher bei Frauen zu finden sind. Einige kommen in beiden Geschlechtern vor.

epa04783373 A visitor walks inside a tunnel depicting the firing neurons inside a brain during a preview of 'Brain: The Inside Story' a special exhibition at the Fernbank Museum of Natural History in Atlanta, Georgia, USA, 04 June 2015. The interactive exhibit, which features the latest research about the human brain, runs from 06 June through 23 August.  EPA/ERIK S. LESSER

Nachempfundene Nervenbahnen des Gehirns in einer Ausstellung.
Bild: ERIK S. LESSER/EPA/KEYSTONE

Die meisten Gehirne besitzen Merkmale aus allen Kategorien; Gehirne mit rein männlichen und rein weiblichen Kennzeichen sind deutlich in der Minderheit. Im Bezug auf die graue Substanz besassen zum Beispiel nur 6 Prozent der betrachteten Probanden durchgängig weiblich oder durchgängig männliche Kennzeichen.

Diese Erkenntnis decke sich gut mit denen von Studien, in denen Verhaltens- oder Persönlichkeitsunterschiede zwischen Männern und Frauen untersucht worden waren. Auch in diesen Studien lasse sich die Mehrheit der Probanden nicht eindeutig aufgrund von bestimmten Merkmalen oder Vorlieben einem Geschlecht zuordnen.

Ältere Studien kam zu anderem Ergebnis

Zu einem anderen Ergebnis kamen 2013 US-Forscher um Madhura Ingalhalikar von der University of Pennsylvania in Philadelphia. Sie hatten die Verdrahtung des Gehirns bei Männern und Frauen genauer untersucht und festgestellt, dass es durchaus deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt.

So besässen Frauen in weiten Teilen des Gehirns besonders viele Kontakte zwischen den beiden Hirnhälften, während die Männer mehr Verknüpfungen innerhalb der Gehirnhälften hätten, berichteten sie damals, ebenfalls in «Pnas».

Diese anatomischen Unterschiede könnten die oft beschriebenen unterschiedlichen Eigenschaften von Männern und Frauen erklären, folgerten die Wissenschaftler. So könnten Männer dank ihrer Hirnarchitektur ihre Wahrnehmungen besser in koordinierte Handlungen umsetzen; Frauen hingegen besser analytische und intuitive Informationen miteinander verbinden.

(sda/dpa)

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