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Archäologen in Aufruhr: Radar entdeckt in Tutanchamuns Grab zwei geheime Kammern

17.03.2016, 20:3401.04.2016, 14:22
Malereien in Tutanchamuns Grabkammer (oben: Wandgemälde, unten: Oberflächenstruktur): Der Archäologe Nicholas Reeves hat im August 2015 eine aufsehenerregende These präsentiert – möglicherweise war das Grab von Tutanchamun ursprünglich gar nicht für den Pharao gedacht, sondern für seine Vorgängerin Nofretete.<br data-editable="remove">
Malereien in Tutanchamuns Grabkammer (oben: Wandgemälde, unten: Oberflächenstruktur): Der Archäologe Nicholas Reeves hat im August 2015 eine aufsehenerregende These präsentiert – möglicherweise war das Grab von Tutanchamun ursprünglich gar nicht für den Pharao gedacht, sondern für seine Vorgängerin Nofretete.
bild: Factum Arte/ Ministry of State for Antiquities and Heritage, Egypt/ Nicholas Revees

Das Grabmal des Pharaos Tutanchamun birgt nach Angaben des ägyptischen Antikenministers Mamduh Eldamati wahrscheinlich ein Geheimnis in Form von zwei weiteren Grabkammern. Dafür bestehe eine «90-prozentige Chance», sagte Eldamati vor den Medien in Kairo.

Darstellung des Grabes: Hinter der Westwand vermutet Reeves eine Nebenkammer (x), hinter der Nordwand das Grab der Pharaonin (y). Reeves bekräftigte nach einem Aufenthalt im Tal der Könige seine Theorie, dass sich bislang unentdeckte Räume in der weltberühmten Grabkammer des Pharaos Tutanchamun befinden. Er plant nun Messungen mit Radarwellen.<br data-editable="remove">
Darstellung des Grabes: Hinter der Westwand vermutet Reeves eine Nebenkammer (x), hinter der Nordwand das Grab der Pharaonin (y). Reeves bekräftigte nach einem Aufenthalt im Tal der Könige seine Theorie, dass sich bislang unentdeckte Räume in der weltberühmten Grabkammer des Pharaos Tutanchamun befinden. Er plant nun Messungen mit Radarwellen.
Bild: Theban Mapping Project

Die jüngsten Befunde nähren den Verdacht mancher Wissenschaftler, in Tutanchamuns Grabmal könnte auch die berühmte Nofretete begraben sein. Die Radaranalysen zeigten laut vorläufiger Auswertung die Existenz von «zwei versteckten Räumen hinter der Grabkammer» von Tutanchamun, sagte Eldamati vor Journalisten in Kairo. Auf Nachfrage sagte der Minister, er sei zu «90 Prozent» sicher, dass diese zwei Kammern existierten.

Eldamati führte aus, es gebe hinter der nördlichen und der westlichen Mauer von Tutanchamuns Grabmal offenbar Hohlräume, die aber nicht gänzlich leer seien, sondern organisches und metallisches Material enthielten. Auf die Frage, ob es sich bei dem organischen Material um eine Mumie handeln könne, sagte der Minister: «Das kann ich nicht sagen.»

Der japanische Experte Hirokatsu Watanabe hatte im November zwei Tage lang mit hochleistungsfähigen Radargeräten und Infrarot-Wärmekameras die Nordwand des Grabs untersucht. Eldamati verkündete danach bereits, dass eine «90-prozentige Chance» bestehe, dass es eine «weitere Kammer, ein anderes Grab hinter dem Grabmal von Tutanchamun» gebe.

Malereien an der Nordwand: Nicht nur Reeves sind einige unstimmige Details der Figuren aufgefallen. Seiner These zufolge lassen sie sich damit erklären, dass die Zeichnungen ursprünglich für Nofretete (im Englischen Nefertiti genannt) angefertigt worden waren. Bei der «Mundöffnungszeremonie» steht demnach Thronerbe Tutanchamun der verstorbenen Herrscherin gegenüber. Anstatt, wie es bisher gedeutet wurde, der Nachfolger Eje II. dem toten Tutanchamun.<br data-editable="remove">
Malereien an der Nordwand: Nicht nur Reeves sind einige unstimmige Details der Figuren aufgefallen. Seiner These zufolge lassen sie sich damit erklären, dass die Zeichnungen ursprünglich für Nofretete (im Englischen Nefertiti genannt) angefertigt worden waren. Bei der «Mundöffnungszeremonie» steht demnach Thronerbe Tutanchamun der verstorbenen Herrscherin gegenüber. Anstatt, wie es bisher gedeutet wurde, der Nachfolger Eje II. dem toten Tutanchamun.
bild: Factum Arte/ Ministry of State for Antiquities and Heritage, Egypt/ Nicholas Revees

Vorab hatte der Antikenminister die «Entdeckung des 21. Jahrhunderts» in Aussicht gestellt. Der Fund eines unberührten Grabmals wäre für Ägyptens kriselnde Tourismusbranche ein Segen. Für den 31. März kündigte Eldamati nun weitere Untersuchungen in der Grabanlage mit einem verbesserten Radargerät an. Die Ergebnisse sollen demnach am 1. April in Luxor bekannt gegeben werden.

Nordwand der Grabkammer: Auf hochauflösenden Fotos hat Reeves Strukturen entdeckt, die darauf schliessen lassen, dass sich in der Wand eine Tür befunden hat. Dahinter könnte die Pharaonin bestattet worden sein. Jetzt stärken Radaranalysen den Verdacht.<br data-editable="remove">
Nordwand der Grabkammer: Auf hochauflösenden Fotos hat Reeves Strukturen entdeckt, die darauf schliessen lassen, dass sich in der Wand eine Tür befunden hat. Dahinter könnte die Pharaonin bestattet worden sein. Jetzt stärken Radaranalysen den Verdacht.
bild: Factum Arte/ Ministry of State for Antiquities and Heritage, Egypt/ Nicholas Revees

Grab seit 1922 bekannt

Tutanchamun war nach neunjähriger Herrschaft im Jahr 1324 vor Christus im Alter von 19 Jahren gestorben. Sein Grabmal befindet sich im Tal der Könige in der Nähe von Luxor im Süden Ägyptens. Es wurde 1922 vom britischen Archäologen Howard Carter entdeckt. Anders als viele andere Pharaonengräber war es nicht bereits ausgeplündert, sondern enthielt mehr als 5000 intakte Objekte, davon viele aus Gold.

Die neuen Analysen nähren Vermutungen in der Wissenschaft, dass Nofretete, die Gemahlin von Tutanchamuns Vater, Pharao Echnaton, in einer Grabkammer in Tutanchamuns Grabanlage beigesetzt wurde. Die These wird von dem renommierten britischen Archäologen Nicholas Reeves vertreten, der die Radaranalysen mit vorangetrieben hatte.

Archäologe im Glück: Dass Howard Carter, der das Grab Tutanchamuns 1922 öffnete, nach seinen spektakulären Funden nicht noch weitersuchte, wäre nachvollziehbar.<br data-editable="remove">
Archäologe im Glück: Dass Howard Carter, der das Grab Tutanchamuns 1922 öffnete, nach seinen spektakulären Funden nicht noch weitersuchte, wäre nachvollziehbar.
bild: ap
Malereien an der Westwand der Kammer: Auch hier fand Reeves Hinweise auf eine Tür. Dahinter vermutet er kein Grab, sondern eine Nebenkammer. Das würde dem Bauplan der Zeit entsprechen. Dass das Grab für eine Frau gedacht war, würde auch eine Besonderheit erklären: Korridor, Vorkammer und Hauptkammer winden sich in ihrer Abfolge nach rechts. Beim Grab eines Pharao müssten sie sich eigentlich nach links winden.<br data-editable="remove">
Malereien an der Westwand der Kammer: Auch hier fand Reeves Hinweise auf eine Tür. Dahinter vermutet er kein Grab, sondern eine Nebenkammer. Das würde dem Bauplan der Zeit entsprechen. Dass das Grab für eine Frau gedacht war, würde auch eine Besonderheit erklären: Korridor, Vorkammer und Hauptkammer winden sich in ihrer Abfolge nach rechts. Beim Grab eines Pharao müssten sie sich eigentlich nach links winden.
bild: Factum Arte/ Ministry of State for Antiquities and Heritage, Egypt/ Nicholas Revees

Der Wissenschaftler, der an der University of Arizona lehrt, hebt hervor, dass der 19-jährige Tutanchamun im Jahr 1324 vor Christus nach nur neun Jahren auf dem Thron unerwartet gestorben sei. Weil noch kein eigenes Grabmal für ihn fertig gewesen sei, sei Tutanchamun womöglich in einem Grabmal beigesetzt worden, das ursprünglich nicht für ihn gedacht gewesen sei.

Wo sind die Gebeine von Nofretete?

Womöglich hätten die mit der Bestattung betrauten Priester daher Nofretetes Grabmal zehn Jahre nach deren Tod geöffnet, vermutet Reeves. Eldamati vertritt hingegen die These, dass in Tutanchamuns Grabmal die Mumie von Kiya, einer anderen Frau von Echnaton, oder auch eine Tochter oder ein anderes Mitglied der Herrscherfamilie liegen könnte.

Die Gebeine der für ihre Schönheit gerühmten Königin Nofretete wurden nie gefunden. Ihre weltberühmte Büste ist im Ägyptischen Museum in Berlin ausgestellt. Nofretete spielte als Herrschergemahlin eine einflussreiche Rolle. Sie unterstützte ihren Mann Echnaton, als dieser Ägypten zeitweise zu einem monotheistischen Land machte, in dem der Sonnengott Aton angebetet wurde.

Neben Tutanchamuns Grabmal untersuchen Experten derzeit auch vier Pyramiden mit moderner Technik, um eventuelle Geheimkammern zu entdecken. Die Untersuchungen in der Cheops-Pyramide, der Chephren-Pyramide, der Knickpyramide und der Roten Pyramide sollen noch bis Ende des Jahres dauern.

(sda/dpa)

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