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Die Zürcher Stadtpolizei: Ein Verein lustiger und sarkastischer Labertaschen?   Bild: Kafi Freitag

FRAGFRAUFREITAG

FragFrauFreitag

Liebe Frau Freitag. Bei meiner Arbeit bin ich ein komplett anderer Mensch, als ich es sonst bin …  

Ein eingeschüchtertes kleines Mäuschen, das null schlagfertig ist und alles mit sich machen lässt. Eigentlich bin ich lustig, sarkastisch und eine totale Labertasche. Wie schaffe ich es, auch auf der Arbeit so zu sein? Sobald ich den Arbeitsplatz betrete, fühle ich regelrecht, dass ich in eine andere Persönlichkeit schlüpfe. Ich möchte aber so sein, wie ich eigentlich bin. So mag ich mich viel lieber. Wie schaffe ich dies? Sibylla, 20



Liebe Sibylla 

Die meisten Menschen sind an ihrem Arbeitsplatz anders, als sie es zu Hause sind. Und wenn sie ihre Eltern besuchen nochmals anders, als wenn sie sich mit einem Date treffen. Das ist vollkommen normal und auch richtig. Das können Sie selber gedanklich überprüfen, indem Sie sich vorstellen, wie es wäre, wenn Sie IMMER so wären, wie wenn Sie auf ein Date gehen, oder aber IMMER so, wie wenn Sie sich gerade von einem unbeliebten Freund trennen.

Jeder Bereich unseres Lebens fordert uns andere Eigenschaften ab. Und ich weiss ehrlich nicht, ob es Ihrem Job dienlich wäre, wenn Sie dort dieselbe Labertasche wären, wie Sie es unter Freunden sind. (Also wenn Sie Ihren Arbeitsplatz neben meinem hätten, würde diese «Qualität» Ihre Lebenserwartung drastisch senken.) Und auch Sarkasmus ist nicht überall gefragt.

Überlegen Sie sich darum gut, welcher Wesenszug von Ihnen auch wirklich zu Ihrer Arbeit passt. Ich liebe Menschen, die ironisch sind. Bei meinem Frauenarzt würde ich diesen Charakterzug aber weniger schätzen. Auch ich springe für meine verschiedenen Jobs in vollkommen unterschiedliche Rollen. Wenn ich hier als Briefkastentante Tipps gebe, dann erhebe ich manchmal den moralischen Finger und beziehe ganz klar Stellung. Wenn ich aber als Coach mit einem Klienten arbeite, dann behalte ich meine persönliche Meinung für mich und begleite diesen durch seinen eigenen Prozess. Auf Facebook und auf Partys bin ich manchmal laut, direkt, outgoing. Als Coach hingegen verschwiegen und diskret. Stellen Sie sich einmal vor, was passieren würde, wenn ich überall gleich wäre? Es ist enorm wichtig, dass man sich der verschiedenen Rollen bewusst ist und diese willentlich wechseln kann.

Ich denke, dass es mehr darum geht herauszufinden, wie Sie von Ihrem Umfeld wahrgenommen werden möchten. Nämlich nicht als eingeschüchtertes kleines Mäuschen. Fragen Sie sich darum einmal, als was denn stattdessen. Und schreiben Sie die Eigenschaften auf, die Ihnen dabei wichtig sind. Das kann zum Beispiel eine gewisse Ernsthaftigkeit, Durchsetzungsvermögen oder Gelassenheit sein. Oder etwas komplett anderes. Wenn Sie mindestens drei solcher Qualitäten aufgeschrieben haben, gehen Sie mal auf die Suche, WO in Ihrem Leben Sie diese Fähigkeiten bereits haben. Kann gut sein, dass Sie einen Gruppensport machen, wo Sie sich verdammt gut durchsetzen können. Oder Sie sind in Ihrem Freundeskreis als die bekannt, die immer ruhig bleibt und eine Lösung findet? Was auch immer auf Ihrer Liste steht, IRGENDWO in Ihrem Leben haben Sie diese Qualität bereits. Die Kunst ist jetzt, diesen Bereich zu finden. Meistens ist der Kontext ein vollkommen anderer. Aber das spielt überhaupt keine Rolle.

Sobald Sie den Bereich gefunden haben, nehmen Sie sich etwas Zeit und setzen sich mal in Ruhe hin, um der Erinnerung an diesen Moment etwas nachzuhängen. Stellen Sie sich alles wieder bildlich vor. WIE war es ganz genau, als Sie die Fähigkeit X bei sich wahrnehmen konnten? Waren Sie dabei alleine oder von anderen Menschen umgeben? Können Sie die Geräusche hören, die währenddessen um Sie geherrscht haben? Vielleicht Stimmengewirr oder ­Strassenverkehr, Geräusche der Natur? Und wo in Ihrem Körper haben Sie dieses Gefühl X wahrgenommen? In Ihrer Brust, im Bauch, im linken grossen Zeh? Gehen Sie der Erfahrung so detailliert wie möglich nach. Und wenn Sie das Gefühl haben, diese Qualität wieder eingefangen zu haben, dann speichern Sie sie ab. Das geht ganz einfach, indem Sie zum Beispiel mit einem Finger auf den Handrücken der anderen Hand tippen.

Genau DORT ist nun diese Eigenschaft abgespeichert und kann, wann immer Sie sie brauchen, wieder abgerufen werden. Machen Sie diesen Ablauf mit jeder Qualität auf Ihrer Liste. Und drücken Sie am nächsten Arbeitstag, wenn Sie Ihren Arbeitsplatz erreichen, genau den gleichen Punkt wieder. Sie werden sehen, dass es so viel einfacher ist, die Eigenschaften an den Tag zu legen, die Sie dafür vorbereitet haben. Wie alles andere auch, braucht auch diese Übung etwas Geduld und Ausdauer. Wenn Sie aber immer wieder daran arbeiten, führt sie Sie aber genau dorthin, wo Sie sein möchten.

Mit liebem Gruss, Ihre Kafi.

Fragen an Frau Freitag? 

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines neunjährigen Sohnes.

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Sälber tschuld! 

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Bild: Kafi Freitag

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FragFrauFreitag

Liebe Kafi. Schön, dass es Ihren Blog gibt! Ihre Antworten bringen mich regelmässig zum Schmunzeln und Nachdenken. 

Nun habe ich selber eine Frage: Wie geht man am besten mit verpassten Gelegenheiten um, ohne sich tagelang zu ärgern? Herzliche Grüsse. Mia, 29

Liebe Mia

Danke für Ihre lieben Worte, die mich schampar freuen!

Es ist schon ein paar Jährchen her, seit ich in New York in der U-Bahn sass. Neben einem attraktiven jungen Mann (ich war damals ebenfalls attraktiv und jung. Also praktisch so wie heute, nur noch jünger), der mich in ein Gespräch verwickelte. Er erzählte mir, dass er Schauspieler sei und am Abend eine Premierenfeier seiner ersten TV-Serie habe, in welcher er der Hauptdarsteller sei.

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