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Ein Mann gegen vier Panzer: Ein Foto, das zur Ikone wurde. Bild: AP

25 Jahre nach dem Armee-Einsatz in Peking

Wer war der «Tank Man»? Fragen und Antworten zum Tiananmen-Massaker

Die Hoffnung vieler Chinesen auf mehr Demokratie endete vor 25 Jahren mit dem blutigen Einsatz der Streitkräfte in Peking. Heute versucht die Regierung die «Ereignisse» totzuschweigen.



Auf dem Tiananmen, dem Platz des Himmlischen Friedens im Zentrum von Peking, sind Polizisten und Soldaten omnipräsent. Grund ist nicht nur die Angst vor Anschlägen wie jenem vom letzten Oktober, als ein Geländewagen in die Menschenmenge raste und fünf Menschen ums Leben kamen. Die Regierung will um jeden Preis Proteste wie jene vor 25 Jahren verhindern. Fast zwei Monate hatten Studenten den Platz besetzt, ehe die Armee einschritt. Am 4. Juni, dem Jahrestag des Massakers, dürfte die Bewachung deshalb noch schärfer sein.

Was war der Auslöser der Proteste?

Bereits 1976 war es nach dem Tod des populären Ministerpräsidenten Zhou Enlai auf dem Tiananmen zu «Zwischenfällen» gekommen. Im gleichen Jahr starb Mao Zedong, der Führer der kommunistischen Revolution. Aus den Machtkämpfen um seine Nachfolge ging Deng Xiaoping als Sieger hervor. Er erkannte, dass die Vorherrschaft der Kommunistischen Partei nur durch eine wirtschaftliche Öffnung gesichert werden konnte. Bei vielen Chinesen, vor allem Studenten, weckten die Reformen die Hoffnung auf eine demokratischere Gesellschaft.

Dressed in People's Liberation Army uniform, Deng Xiaoping, left, chairman of Chinese Military Commission, salutes as he reviews military parade with General-Secretary Hu Yaobang in this photo taken in September 1981. Deng, China's paramount leader, died Wednesday, February 19, 1997, the Chinese government announced. He was 92. (AP Photo/Xinhua News Agency)

Deng Xiaoping (l.) mit dem später abgesetzten Parteichef Hu Yaobang. Bild: AP

Am 15. April 1989 starb der frühere Parteichef Hu Yaobang. Er galt als vergleichsweise liberal und war zwei Jahre zuvor nach ersten Studentenprotesten seines Amtes enthoben worden. Am 18. April versammelten sich Tausende Studenten auf dem Tiananmen zu einer Trauerkundgebung. Daraus entwickelte sich eine Massenbewegung. Viele Studenten campierten auf dem Platz, fast täglich kam es zu Demonstrationen mit teilweise mehr als 100'000 Teilnehmern.

Wie reagierte die KP?

An der Spitze der Kommunistischen Partei entbrannte ein Richtungskampf. Auf der einen Seite stand der reformfreudige Parteichef Zhao Ziyang, auf der anderen Deng Xiaoping, der offiziell kein Spitzenamt bekleidete, aber immer noch der starke Mann Chinas war. Mitte Mai reiste der sowjetische Parteichef Michail Gorbatschow nach Peking. Es war ein historischer Besuch, denn die beiden kommunistischen Grossmächte waren jahrzehntelang verfeindet gewesen. Wegen der anhaltenden Proteste auf dem Tiananmen musste Gorbatschow die «Grosse Halle des Volkes» durch einen Seiteneingang betreten – ein Gesichtsverlust für die Pekinger Führung.

Zhao Ziyang beschwört die Studenten, ihren Protest aufzugeben. Bild: AP

Der Besuch hatte auch zahlreiche ausländische Journalisten nach Peking geführt, sie wurden Zeugen der Proteste. Am 19. Mai sprach Zhao Ziyang auf dem Tiananmen zu den Studenten und flehte sie erfolglos an, den Platz zu räumen. Es war sein letzter öffentlicher Auftritt: Tags darauf wurde Zhao abgesetzt, bis zu seinem Tod 2005 stand er unter Hausarrest. Die Hardliner um Deng Xiaoping und Ministerpräsident Li Peng setzten nun auf eine gewaltsame Lösung.

Was geschah am 4. Juni?

Bereits in der Nacht zum 3. Juni versuchten Armee und Polizei, auf den Platz vorzudringen. Doch zahlreiche «gewöhnliche» Einwohner Pekings stellten sich ihnen in den Weg und errichteten Barrikaden. Am folgenden Abend kehrten die Sicherheitskräfte mit Panzern zurück. Es kam zu blutigen Gefechten, vor allem im Westen der Stadt. Auf dem Tiananmen verhandelten Anführer der Proteste mit der Volksbefreiungsarmee. Sie stellte den Studenten ein Ultimatum, bis 7 Uhr morgens abzuziehen, was auch geschah. Obwohl heute allgemein vom «Tiananmen-Massaker» die Rede ist, kam auf dem Platz des Himmlischen Friedens niemand ums Leben. Unter den Opfern waren auch vergleichsweise wenige Studenten. Gemäss neu veröffentlichen US-Dokumenten sollen die Soldaten gelacht haben, während sie wahllos auf Demonstranten geschossen haben.

Wie viele Menschen starben?

Angehörige versuchen, die Toten zu identifizieren. Bild: AP

Die genaue Opferzahl ist unbekannt. In einem offiziellen Bericht der Volksbefreiungsarmee war von rund 200 getöteten Soldaten und Zivilisten die Rede. Diese Zahl gilt als deutlich zu tief. Menschenrechtsorganisationen gehen von bis zu 3000 Toten aus. Die Tiananmen-Proteste hätten damit etwa gleich viele Opfer gefordert wie die Terroranschläge vom 11. September 2001.

Wer war der «Tank Man»?

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Die ganze Geschichte des Tank Man. Video: YouTube/CNN

Am 5. Juni, einen Tag nach der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste, entstand eines der berühmtesten Fotos der Geschichte. Fünf Fotografen und zwei Fernsehteams nahmen einen Mann mit Einkaufstaschen auf, der sich mehreren Panzern in den Weg stellte. Seine Identität ist bis heute unbekannt, deswegen kursieren zahlreiche Gerüchte. Einmal hiess es, er wurde hingerichtet, dann wieder, er sei ins Ausland geflüchtet. In diesem Fall hätte er sich wohl geoutet.

Der «Tank Man» (hinten links) stellt sich den Panzern entgegen, während andere Menschen die Flucht ergreifen. Bild: AP

Eine Menschenrechtsorganisation in Hongkong erklärte vor einigen Jahren, sie habe Einblick in Dokumente der Pekinger Regierung erhalten. Diese weiss demnach selber nicht, um wen es sich beim «Tank Man» handelte. Vor fünf Jahren veröffentlichte der AP-Fotograf Terril Jones ausserdem eine neue Aufnahme aus einem ganz anderen Blickwinkel. Sie lässt den «Tank Man» noch mutiger erscheinen als auf dem bekannten Foto.

Wie beurteilt das heutige China den 4. Juni 1989?

Die USA und die EU verhängten ein Waffenembargo gegen China, das noch heute in Kraft ist. Ansonsten normalisierten sich die Beziehungen mit der aufstrebenden Wirtschaftsmacht rasch. Die chinesische Führung schloss mit dem Volk einen «faustischen» Pakt: Wir geben euch Wohlstand, ihr haltet den Mund. Gegenüber dem Ausland spricht sie von «Ereignissen», die nötig gewesen seien, um das «Chaos» zu beenden und die Stabilität wieder herzustellen. Im Inland wird das Massaker totgeschwiegen, viele Menschen wissen kaum etwas darüber.

Bild

Im digitalen Zeitalter lässt sich diese Informationsblockade nicht immer durchsetzen, trotz massiver Zensur. Mit Codewörtern wie «35. Mai» oder «64» versuchen die User von Plattformen wie Weibo – dem chinesischen Twitter – den Zensoren ein Schnippchen zu schlagen. Für Aufsehen sorgte letztes Jahr eine Fotomontage, die das «Tank Man»-Foto mit gelben Gummienten nachstellte – eine Anspielung auf eine Kunstaktion im Hafen von Hongkong. Worauf der Ausdruck «gelbe Ente» der Zensur unterstellt wurde.

Ist das Massaker in ganz China ein Tabu?

Das Museum in Hongkong mit einer Replika der «Freiheitsstatue» vom Tiananmen. Bild: Reuters

Ein Ort leistet Widerstand gegen das Vergessen: Die Sonderwirtschaftszone Hongkong. Sie ist seit 1997 unter chinesischer Kontrolle, die Einwohner aber geniessen noch immer einen relativ grossen Freiraum. Am Jahrestag des Massakers kommt es jeweils zu einer Grosskundgebung mit mehreren tausend Teilnehmern, und seit kurzem gibt es in einem Bürogebäude sogar ein Museum zum Gedenken an die Tiananmen-Bewegung. Wie lange es sich halten kann, ist unklar. Andere Mieter wollen laut Daily Beast die Schliessung erzwingen. Noch aber ist es offen und zieht auch Besucher aus dem chinesischen Festland an.

Mehr zum Thema

Zum 25. Jahrestag des Tiananmen-Massakers hat die Zeitung «South China Morning Post» aus Hongkong auf ihrer Website eine beeindruckende Multimedia-Reportage veröffentlicht.

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Was ein Statistik-Professor über lügnerische Zahlen und falsche Ängste zu sagen hat

Walter Krämer erzählt, wie mit fragwürdigen Studien Panik gemacht wird, während wir uns eigentlich vor ganz anderen Dingen fürchten sollten.

Herr Krämer, Sie sind Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik und entlarven als solcher gern zwielichtige Datenanalysen. Haben Sie derzeit eine Lieblingsstatistik? Walter Krämer: Ja. Das ist die Tabelle der Fussball-Bundesliga. Ich wohne direkt neben dem BVB-Stadion und bin seit mehr als einem Dutzend Jahren BVB-Aktionär.

Sie haben die Deutschen mal als «Volk von Innummeraten» (Zahlen-Analphabeten) bezeichnet und ihre bedauerliche Schwäche Goethe, dem dichtenden …

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