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Was Skelette über das Leben nach Roms Fall verraten

Was Skelette über das Leben nach Roms Fall verraten

29.04.2026, 17:00

Eine Gen-Analyse von Skeletten aus Süddeutschland liefert neue Erkenntnisse über die Zeit nach dem Untergang des Weströmischen Reiches. Die Untersuchung widerlegt den Mythos einer grossen Völkerwanderung.

Für die am Mittwoch in der Fachzeitschrift «Nature» veröffentlichte Studie hat ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Freiburg (Unifr) 258 Genomen analysiert. Die Genome stammten von Skeletten aus Gräbern im heutigen Süddeutschland, die aus der Zeit zwischen 400 und 700 nach Christus stammen.

Die Ergebnisse zeigten, dass in der spätrömischen Zeit zwei genetisch unterschiedliche Gruppen in der Region lebten: Menschen mit nordeuropäischer Abstammung sowie die Bewohner römischer Siedlungen. Letztere seien genetisch sehr vielfältig gewesen und hätten Vorfahren aus ganz Europa und sogar aus Asien gehabt.

In der spätrömischen Zeit haben laut neusten Erkenntnissen zwei genetisch unterschiedliche Gruppen in der Region gelebt.
In der spätrömischen Zeit haben laut neusten Erkenntnissen zwei genetisch unterschiedliche Gruppen in der Region gelebt.Bild: Shutterstock

Nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches um 470 nach Christus hätten sich diese beiden Gruppen rasch vermischt. Hinweise auf gross angelegte Migrationen ganzer Völker fanden die Forschenden nicht. Stattdessen deuten die Daten daraufhin, dass Menschen infolge des Verlusts ihrer vertrauten römischen Ordnung von Städten ins Umland zogen, wo sie auf Gruppen mit nordeuropäischen Wurzeln trafen. Beide Gruppen bildeten rasch neue Gemeinschaften und bestatteten ihre Toten fortan gemeinsam.

Lebenserwartung um die 40 Jahre

Die Studie lieferte auch Erkenntnisse zum Alltagsleben. Die Lebenserwartung der Männer habe bei 43,3 Jahren gelegen, jene der Frauen bei 39,8 Jahren. Die Geburt eines Kindes sei für Frauen ein erhebliches Risiko für einen frühen Tod gewesen.

Die Gesellschaft war stark von Kernfamilien geprägt. Lebenslange Monogamie war offenbar die Norm, enge Verwandtenehen wurden vermieden. Die Forschenden sehen darin Kontinuitäten zu spätrömischen und frühchristlichen Vorstellungen.

Die Forschenden schlossen daraus, dass der Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter komplex gewesen sei. Er dürfe nicht nur als Konflikt zwischen dem Römischen Reich und Barbaren betrachtet werden. (hkl/sda)

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