Falls du dieses Wochenende draussen verbringst: 11 Fakten zu Sonnencremes und Sonnenbrand
Wer an die Sonne geht, cremt sich ein. So wird es uns bereits in der Kindheit eingebläut. Dennoch verzichten in der Schweiz rund 10 Prozent auf Sonnenschutz, wie eine Befragung von YouGov Schweiz im Auftrag von Galaxus von 2024 für mehrere Länder zeigt.
Die Gründe für den Verzicht auf Sonnencreme sind sehr divers. In der Schweiz wurde besonders häufig Ekel, die Umständlichkeit des Eincremens oder gesundheitliche Bedenken genannt. Tatsächlich ist bei billigen Sonnencremes Vorsicht geboten, wie ein Test von Kassensturz zu Temu-Bestellungen zeigt. Das Problem bei diesen Sonnencremes ist allerdings, dass sie einen sehr tiefen Lichtschutzfaktor besitzen, obwohl sie mit «SPF 50+» angeschrieben werden.
Der positive Effekt von Sonnenschutz ist allerdings unbestritten und sogar zweiteilig: «Das Hauptargument, wieso man sich vor UV-Strahlung schützen sollte, ist eigentlich die Prävention von Hautkrebs. Trotzdem scheint die Hautalterung als Folge von ungenügendem Schutz die Menschen mehr zu interessieren», sagt die Dermatologin Dr. Med. Marianne Meli FMH in einem Interview mit watson.
Damit du dieses Wochenende keine Schäden fürs Leben nimmst, hier 11 Sonnencreme-Mythen im Check:
Ein kleiner Sonnenbrand ist doch nicht so schlimm
Egal, wie leicht: Jeder Sonnenbrand erhöht das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Besondere Vorsicht ist bei Kindern und älteren Menschen geboten, da die Haut empfindlicher ist. Früh entstandene Schäden verbleiben über Jahrzehnte im Körper und können an weitere Hautzellen weitergegeben werden. Dies führt langfristig zu einem erhöhen Krebsrisiko.
Was ist der Lichtschutzfaktor?
In der Schweiz wird der SPF (Sun Protection Factor) LSF (Lichtschutzfaktor) genannt. Diese Zahl bezieht sich auf den relativen Schutz der Haut vor UV-Strahlung. Was mit relativ gemeint ist, erklärt die Expertin Dr. Med. Marianne Meli gegenüber watson anhand eines Beispiels: «Wenn Sie nach 10 Minuten Sonnenbaden rot werden, können Sie mit einem Lichtschutzfaktor 20 auf der Haut 20 Mal länger in der Sonne bleiben, bis der Sonnenbrand einsetzt.» Der Schutz lässt sich laut der Dermatologin jedoch nicht summieren – wer sich also zweimal mit 50 eincremt, kann sich nicht 100-mal länger der Sonnenstrahlung aussetzen. Das Nachcremen dient der Aufrechterhaltung des Schutzes.
Sonnencremes sind krebserregend
Eincremen lohnt sich also immer. Davon sind nicht alle überzeugt. Besonders in esoterischen Kreisen wird der Nutzen von Sonnencremes angezweifelt. Wissenschaftlich ist klar: Sonnencremes schützen vor UV-bedingten Hautschäden und verringern das Risiko für Hautkrebs. Allerdings stehen einzelne Inhaltsstoffe wie etwa Octocrylen unter Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein.
In der Schweiz werden Inhaltsstoffe von Sonnencremes streng geprüft – nur zugelassene UV-Filter dürfen verwendet werden. Wenn du eine Sonnencreme im Ausland kaufst, hilft ein Blick auf die Inhaltsstoffe. Der Öko-Test rät davon ab, auf Produkte mit chemisch-organischen Inhaltsstoffen zurückzugreifen. Besser seien Sonnenschutzsalben, die auf mineralischen UV-Schutz setzen.
Aufpassen sollte man bei alten oder abgelaufenen Sonnencremes. Mit der Zeit können sich die Inhaltsstoffe zersetzen und krebserregende Stoffe bilden.
Was macht eine gute Sonnencreme aus?
Gute Sonnenschutzmilch verfügt über einen UVA- und UVB-Filter. Grundsätzlich bezieht sich der Lichtschutzfaktor auf die UVB-Strahlung – die meisten Produkte, die hierzulande vertrieben werden, bieten laut der Expertin jedoch auch Schutz vor UVA.
Wenn auf der Verpackung ein umkreistes UVA-Symbol abgebildet ist, kann man davon ausgehen, dass mindestens ein Drittel des Schutzes zusätzlich auch für UVA-Strahlung gilt. Besonders bei Sonnenschutzprodukten mit tiefem Lichtschutzfaktor sollte der Konsument sicherheitshalber nachsehen, ob dieser auch vor UVA-Strahlung schützt.
Sonnencreme ist bei bewölktem Wetter überflüssig
Wolken bieten kaum Schutz. UV-Strahlen können auch an bewölkten Tagen die Haut erreichen, Wolken die Sonnenstrahlen nur teilweise filtern. Bestimmte Bewölkungssituationen könnten die UV-Belastung laut BAG sogar noch erhöhen als bei klarem Himmel.
Was ist UVA und UVB?
Sonnenlicht besteht unter anderem aus UVA- und UVB-Strahlen. Letzteres sorgt für den klassischen, roten Sonnenbrand, wie ihn alle kennen. UVB-Strahlen dringen weniger tief in die Haut ein und sind verantwortlich für Hautkrebs. UVA hingegen erreicht tiefere Hautschichten und beschleunigt die Hautalterung.
Dies macht sich ab einem gewissen Alter dann bemerkbar mit Falten und Altersflecken. Das Trügerische dabei: Durch Fenster und Autoscheiben beispielsweise gelangen UVA-Strahlen, die die Haut schädigen, ohne, dass sie dabei rot wird.
Sonnencreme verhindert die Vitamin-D-Aufnahme
Sonnencreme vermindert die Vitamin-D-Aufnahme. Je höher der Lichtschutzfaktor, desto weniger Vitamin D kann der Körper bilden. Schutzfaktor 50 blockiert die Aufnahme fast komplett. Doch: Selten tragen wir Sonnencreme perfekt auf, manchmal vergessen wir auch, uns regelmässig einzucremen. Wir nehmen also meistens trotz Sonnencreme noch genug Sonnenstrahlen auf, um Vitamin D zu bilden.
Höherer Lichtschutzfaktor ist wichtiger als regelmässiges Eincremen
Je höher der Lichtschutzfaktor, desto stärker der Schutz vor UV-Strahlen. Doch Sonnencreme verliert mit der Zeit ihre Schutzwirkung – vor allem durchs Schwimmen, Schwitzen oder Abtrocknen. Regelmässiges Eincremen ist für eine zuverlässige Wirkung also entscheidend.
Wie oft du nachcremen solltest, hängt vom verwendeten Sonnenschutzmittel ab. Generell gilt: Etwa alle zwei Stunden.
Mit Lichtschutzfaktor 50 wird man nicht braun
Deine Haut wird auch mit Lichtschutzfaktor 50 braun – einfach etwas langsamer.
Sonnencreme gehört nach einem Jahr in den Abfall
Die Inhaltsstoffe von Sonnencremes können mit der Zeit nachlassen. Vorsorglich sollte die Sonnencreme vom Vorjahr nicht mehr verwendet werden. Denn bestimmte Inhaltsstoffe können nach einer gewissen Zeit potenziell krebserregende Stoffe bilden.
Für vorgebräunte Haut ist keine Sonnencreme notwendig
Das ist leider ein Irrtum. Bräune bietet einen gewissen Schutz, doch der ist so gering, dass er keinesfalls ausreicht.
Kleidung schützt vor Sonne
Kleider schützen vor der Sonne. Wie hoch der Schutz ist, hängt vom Material ab. Dickere sowie dunkle Stoffe absorbieren UV-Strahlen mehr als lockere, helle Materialien. Auch die Feuchtigkeit spielt eine Rolle: Nasse Kleidung ist anfälliger für UV-Strahlen als trockene.
Wer Rüeblisaft trinkt, bekommt weniger Sonnenbrand
Einige Studien deuten darauf hin, dass eine regelmässige Aufnahme von Beta-Carotin, das in Rüebli enthalten ist, die Haut etwas widerstandsfähiger gegen UV-Schäden machen kann. Doch auch das Rüebli kann Sonnencreme nicht ersetzen.
Man kann die Haut trainieren, um Sonne besser zu vertragen
Es ist möglich, die Haut allmählich an die Sonne zu gewöhnen, sodass sie ein Schutzmechanismus aufbauen kann. Diese kann helfen, Sonnenbrände und UV-Schäden etwas zu reduzieren. Für sehr hellhäutige Menschen (mit Hauttyp 1) gilt das allerdings nicht. (leo/anb/cst)
