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Warum Erstgeborene erfolgreicher sind als ihre Geschwister

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Gemäss Studien sind erstgeborene Geschwister oft akademisch erfolgreicher und verdienen als Erwachsene mehr als ihre jüngeren Geschwister.Bild: imago images

Darum sind Erstgeborene oft erfolgreicher als ihre Geschwister

Jüngere Geschwister haben im Durchschnitt schlechtere Bildungs- und Einkommenschancen als Erstgeborene. Eine neue Studie liefert nun eine mögliche Erklärung dafür.
09.05.2026, 06:2609.05.2026, 06:26

Die Frage nach dem zukünftigen Erfolg eines Kindes und welche Faktoren darauf Einfluss nehmen, beschäftigt die Wissenschaft seit Jahrzehnten. Lange galt: je grösser die Familie, desto weniger erfolgreich die Kinder. Erfolg wird dabei grundsätzlich finanziell oder akademisch definiert.

2005 sorgte eine norwegische Studie aber für Aufsehen. Gemäss dieser sei der Hauptfaktor, um den Erfolg eines Kindes vorherzusagen, nicht die Anzahl der Geschwister, sondern die Position, an der ein Kind in einer Familie geboren wird.

Erstgeborene Kinder seien demnach konstant finanziell und akademisch erfolgreicher als ihre jüngeren Geschwister. Dabei spielt die Grösse der Familie nur eine untergeordnete Rolle. So ist zum Beispiel gemäss Studie selbst ein erstgeborenes Kind mit sechs jüngeren Geschwistern im Schnitt akademisch erfolgreicher als das zweitgeborene Kind von nur zwei Geschwistern.

Eltern haben mehr Zeit für Erstgeborene

Die Gründe dafür waren lange nicht wirklich wissenschaftlich erklärt. So wurden in der Studie von 2005 zwei Hypothesen aufgestellt: das Zeit-Investment der Eltern und die Funktion der älteren Geschwister als «Lehrer» der jüngeren Geschwister.

So zeigen Studien, dass Erstgeborene im Schnitt mehr Zeit mit ihren Eltern verbringen als ihre jüngeren Geschwister. Zwar verteilen Eltern ihre Aufmerksamkeit später möglichst gleich auf alle Kinder, doch das erste Kind profitiert bereits vorher von exklusiver Zuwendung und kommt so insgesamt auf mehr gemeinsame Zeit.

Die zweite Hypothese stützt sich auf den sogenannten «Learning-by-Teaching-Effekt». Dieser beschreibt, dass Wissen oft besser verarbeitet und erlernt werden kann, wenn dieses Wissen anderen Personen beigebracht wird.

Infektionskrankheiten und deren Auswirkung auf frühkindliche Entwicklung

Eine aktuelle Studie von Forschenden aus den USA, China und Dänemark bringt nun eine weitere Erklärung ins Spiel: Keime und Krankheiten.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysierten darin dänische Registerdaten und stellten fest, dass jüngere Geschwister im ersten Lebensjahr deutlich häufiger wegen schwerer Atemwegserkrankungen hospitalisiert werden als Erstgeborene. Laut der Studie ist das Risiko zwei- bis dreimal höher. Als Ursache vermuten die Forschenden, dass ältere Geschwister Krankheitserreger aus dem Kindergarten oder der Schule nach Hause bringen und jüngere Geschwister dadurch früher Infektionen ausgesetzt sind.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten, dass solche frühen Krankheiten langfristige Folgen haben können. Entzündungen und schwere Infektionen in den ersten Lebensmonaten könnten die Entwicklung des Gehirns beeinflussen und sich damit später auf Bildung und Einkommen auswirken.

Der Studie zufolge könnte die höhere Krankheitsbelastung ungefähr die Hälfte des späteren Einkommensunterschieds zwischen erst- und zweitgeborenen Kindern erklären. Die übrige Differenz führen die Autoren weiterhin auf Unterschiede bei der elterlichen Aufmerksamkeit zurück. (ear)

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