Neue Studie warnt: «Auch zwei Grad Erwärmung können zu Klimaextremen führen»
Die Klimawissenschaft kommuniziert Szenarien für den schlimmsten Fall traditionell anhand von Erwärmungsniveaus: Wie sieht die Welt bei 3 oder 4 Grad über dem vorindustriellen Niveau aus? Also dem Temperaturdurchschnitt der Jahre 1850–1900. Der dient als Nullpunkt, um das Ausmass der Erderwärmung seit dem Beginn des Verfeuerns fossiler Brennstoffe zu messen.
Eine Studie, die am Mittwoch im Fachjournal «Nature» erschien, stellt diese Sichtweise infrage. Sie zeigt, dass extreme klimatische Konsequenzen auch schon bei einer geringeren Erwärmung von zwei Grad eintreten können — dem Wert, der nach dem Pariser Klimaabkommen nicht überschritten werden darf.
Das Problem mit dem Modellmittelwert
Bisher wurde das sogenannte Worst-Case-Klima meistens mit einem Durchschnitt mehrerer Klimamodell-Simulationen bei einem hohen Erwärmungsniveau – etwa drei oder vier Grad – beschrieben. Diese Praxis sei gefährlich irreführend, findet das Forschungsteam um Dr. Emanuele Bevacqua vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig und Dr. Jakob Zscheischler von der Universität Bern.
Statt nur den globalen Durchschnitt zu betrachten, analysiert ihre Methode Worst-Case-Szenarien für kritische Regionen wie wichtige Anbaugebiete oder dicht besiedelte Städte. Damit zeigt sie, dass bereits bei einer Erwärmung von zwei Grad Folgen eintreten könnten, wie sie bisher für vier Grad angenommen wurden.
Dürren, Überschwemmungen und Waldbrandgefahr
So prognostizieren einige Modelle für tiefe Temperatursteigerungen bereits Dürren in wichtigen Anbauregionen, Überschwemmungen in dichten Städten durch Starkregen und eine höhere Waldbrandgefahr, als die Forschung bislang selbst bei deutlich stärkerem Temperaturanstieg erwartete – eine alarmierende Erkenntnis angesichts der Tatsache, dass die Emissionen durch Waldbrände in den letzten zwanzig Jahren bereits um 60 Prozent gestiegen sind.
Die Unsicherheiten zwischen den Klimamodellen – und nicht etwa die Frage, ob die Erde zwei oder vier Grad wärmer wird – seien der entscheidende Faktor für das tatsächliche Risikoniveau. Selbst wenn die internationale Gemeinschaft die Pariser Klimaziele erreicht, sei das keine Garantie gegen extreme Klimaauswirkungen. Die Studie plädiert deswegen dafür, neben dem wahrscheinlichsten Szenario auch Extremszenarien in die Risikoplanung einzubeziehen.
