Studie: Die Natur fördert die Lebenszufriedenheit – aber indirekt
Der Aufenthalt in der Natur sorgt über ein positives Körpergefühl für eine höhere Zufriedenheit mit dem eigenen Leben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie auf der Basis einer Befragung von mehr als 50'000 Menschen in 58 Ländern.
«Wir wissen, dass der Aufenthalt in der Natur unserer psychischen und physischen Gesundheit zuträglich ist», sagte Erstautor Viren Swami von der Anglia Ruskin University in Cambridge (England). Mit Verweis auf aktuelle Studien schreibt sein Team, dass Menschen, die sich häufiger in natürlichen Umgebungen aufhalten, von einem grösseren Wohlbefinden berichten, dass sie ihr Leben als sinnstiftender empfinden und sich glücklicher fühlen. Der Zusammenhang zwischen Naturkontakt und geistiger Gesundheit sei allerdings komplex, betonen die Studienautoren. Einige neuere Studien zeigen eine Verknüpfung mit einem positiven Körperbild auf.
Das Team um Swami wollte es genauer wissen. Es wertete eine internationale Befragung, den «Body Image in Nature Survey», im Hinblick auf ein neues Modell aus. Die Daten wurden von November 2020 bis Februar 2022, also während der Corona-Pandemie, per Fragebogen in 65 Ländern erhoben. Wegen fehlender Daten bei einigen Befragungen wurden schliesslich die Antworten von 50'363 Menschen aus 58 Nationen ausgewertet. Die Personen waren zwischen 18 und 99 Jahre alt und zu knapp 60 Prozent weiblich. Die Datenerhebung fand in Ländern aus allen Weltregionen statt, allerdings sind Afrika, Zentralasien, die Karibik und Mittelamerika unterrepräsentiert.
Ergebnisse über Länder hinweg gleich
Die Gruppe überprüfte ein Modell, bei dem ein Naturerlebnis mit verschiedenen Aspekten verbunden ist, etwa Erholung, Selbstzuwendung und Lebenszufriedenheit. Dabei zeigte sich, dass die direkten Verknüpfungen zwischen dem Erleben der Natur und der Wertschätzung des eigenen Körpers oder der Lebenszufriedenheit eher schwach ausgeprägt sind, es aber eine starke indirekte Verbindung gibt. «Insbesondere zeigen unsere Ergebnisse auf, wie der Aufenthalt in der Natur mit einem gesteigerten Selbstmitgefühl und einem stärkeren Gefühl der Erholung verknüpft ist», erklärt Swami im Journal «Environment International». «Beide Faktoren stehen in Zusammenhang mit einem positiveren Körperbild und – letztlich – einer verbesserten Lebenszufriedenheit.»
«Auffällig ist, wie beständig diese Muster über Länder, Altersgruppen und Geschlechtsidentitäten hinweg sind; dies legt nahe, dass die Verbindung zur Natur Menschen dabei unterstützt, eine positive Beziehung zu ihrem Körper aufzubauen – und zwar auf eine Weise, die tief in der menschlichen Psychologie verwurzelt ist», sagt Swami.
Der Forscher ist überzeugt davon, dass die Studienergebnisse weltweit auch von der Politik genutzt werden sollten. «In einer Zeit, in der viele Länder nach kostengünstigen Wegen suchen, um das Wohlbefinden zu steigern, unterstreichen unsere Ergebnisse den Wert natürlicher Umgebungen als wichtige Ressource für die öffentliche Gesundheit.» (sda/dpa)
