Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Begeisternd: Eine der ersten Nahaufnahmen von der Sonne, die die Esa-Sonde

Eine der ersten Nahaufnahmen von der Sonne, die die Esa-Sonde «Solar Orbiter» zur Erde geschickt hat. Bild: sda

So nah wie nie zuvor: «Solar Orbiter» fotografiert Sonne aus 77 Millionen Kilometern Nähe



Der «Solar Orbiter» hat Bilder von der Sonne zur Erde geschickt, die Forschende begeistern. Bis auf 77 Millionen Kilometer hat sich die Sonde der Sonne nähern können. Laut Experten hat nie zuvor eine Raumfahrtmission aus dieser Nähe von der Sonne Bilder machen können.

Für Laien ist es auf den ersten Blick rätselhaft, für Forscher ist es bereits jetzt eine kleine Sensation. Die ehrgeizige Raumfahrtmission «Solar Orbiter» hat kein halbes Jahr nach dem Start in Richtung Zentrum des Sonnensystems erste Bilder von der Sonne geschickt.

«Interessante neue Phänomene»

Am Donnerstag wurden sie bei einer virtuellen Präsentation gezeigt. Darauf zu sehen sind eine Art brodelnder Lagerfeuer, die auch einen Eindruck von den immensen Temperaturen vermitteln. Von der Erde aus kann dies den Wissenschaftlern zufolge nur millionen- oder milliardenfach kleiner beobachtet werden.

epa08549526 A handout composite picture of several images made 30 May 2020 and made available 16 July 2020 by the European Space Agency, ESA, showing Solar Orbiter's first view of the Sun. The Solar Orbiter mission is facing the Sun from within the orbit of Mercury at its closest approach. ESA issued a statement saying the Extreme Ultraviolet Imager (EUI) on ESA's Solar Orbiter spacecraft shows the 'Sun's appearance at a wavelength of 17 nanometers, which is in the extreme ultraviolet region of the electromagnetic spectrum'. ESA further said  'images at this wavelength reveal the upper atmosphere of the Sun, the corona, with a temperature of around 1 million degrees. EUI takes full disk images (top L) using the Full Sun Imager (FSI) telescope, as well as high resolution images using the HRIEUV telescope.'  EPA/ESA HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Einige Bilder, die an der Pressekonferenz zum «Solar Orbiter» gezeigt wurden; die Sonne, so nah wie noch nie zuvor. Bild: keystone

«Obwohl dies nur die ersten Bilder sind, können wir bereits interessante neue Phänomene sehen», sagte Daniel Müller, Projektwissenschaftler der europäischen Raumfahrtbehörde Esa. Gesteuert wird der Orbiter vom Esa-Satellitenkontrollzentrum (Esoc) im deutschen Darmstadt.

Einzigartig seien die Bilder auch, weil bislang keine Mission Aufnahmen von der Sonne aus derart geringer Entfernung gemacht habe, ergänzte Müller. Nur 77 Millionen Kilometer, quasi der halbe Weg zwischen Erde und Sonne, war der Orbiter beim Fotoshooting entfernt.

Erkenntnisse zu Sonnenwinden erwartet

Nach Angaben des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung gab es zwar andere Missionen zur Sonne. Doch die seien so nah an dem Stern blind gewesen. Jetzt sind zehn Instrumente an Bord des Raumschiffs, davon sechs Fernerkundungsinstrumente beziehungsweise Teleskope, die die Sonne und ihre Umgebung abbilden können.

Die Wissenschaftler erhoffen sich Erkenntnisse davon, wie Sonnenwinde produziert werden und wie das Magnetfeld der Sonne funktioniert. Eine Hoffnung sei auch, dass man künftig Vorhersagen über Sonnenaktivitäten machen könne, sagte der Direktor des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung, Sami Solanki.

This image, provided by the European Space Agency (ESA) on Thursday, July 16, 2020, shows the Sun. The Extreme Ultraviolet Imager (EUI) on ESA's Solar Orbiter spacecraft took this image on 30 May 2020. It show the Sun's appearance at a wavelength of 17 nanometers, which is in the extreme ultraviolet region of the electromagnetic spectrum. During an online press briefing with Solar Orbiter mission experts, the first images from ESA's new Sun-observing spacecraft were released on Thursday. (Solar Orbiter/EUI Team (ESA & NASA); CSL, IAS, MPS, PMOD/WRC, ROB, UCL/MSSL/ via AP)

Ein Bild der Sonne vom «Solar Orbiter», der im Bandbereich der extremen Ultravioletten Strahlung fotografiert. Bild: keystone

Diese Lagerfeuer, kleine Sonneneruptionen, seien für sich genommen unbedeutend, liess sich Frédéric Auchère vom Institut für Weltraumastrophysik in Frankreich in der Mitteilung zitieren. Auf die gesamte Sonne betrachtet könnten sie aber der Hauptbeitrag für die Aufheizung der Sonnenkorona, der äusseren, mehr als ein Million Grad heissen Schicht der Sonnenatmosphäre, sein. Die physikalischen Mechanismen seien auch nach jahrzehntelanger Forschung nicht vollständig bekannt. Sie zu identifizieren, sei aber der «heilige Gral» der Sonnenphysik.

Noch schärfere Bilder erwartet

Nach Angaben von David Berghmans vom Königlichen Observatorium von Belgien werden die künftigen Aufnahmen noch viel schärfer. «Die Instrumente sind noch nicht voll konfiguriert.»

«Wir freuen uns alle sehr über diese ersten Aufnahmen, aber sie sind erst der Anfang.»

Esa-Mitarbeiter

«Wir freuen uns alle sehr über diese ersten Aufnahmen, aber sie sind erst der Anfang», sagte Esa-Mitarbeiter Müller. Der Orbiter werde in weniger als zwei Jahren noch näher an die Sonne fliegen und den Stern dann aus 42 Millionen Kilometern erkunden.

Die ersten Daten zeigen nach Auffassung der Projektwissenschaftlerin der US-Raumfahrbehörde Nasa, Holly Gilbert, die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den beiden Raumfahrtbehörden Esa und Nasa sowie den Nutzen der vielfältigen Datensätze bei der Entschlüsselung der Geheimnisse der Sonne.

Die Raumsonde «Solar Orbiter» war im Februar vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida gestartet. Der Orbiter von Esa und Nasa soll auf seiner rund 1.5 Milliarden Euro teuren Mission neue Erkenntnisse zu unserem Heimatstern ermöglichen. Mit den Instrumenten soll ein Blick auch auf bislang weniger bekannte Regionen der Sonne wie die Pole geworfen werden.

Um bei seinem Flug um die Sonne vor den hohen Temperaturen geschützt zu sein, verfügt die Sonde über ein Hitzeschild aus Titan. Auf der Oberfläche der Sonne herrschen Temperaturen von rund 5500 Grad, im Inneren sind es 15 bis 16 Millionen Grad.

Instrumente aus zwölf Ländern

Zu den wissenschaftlichen Instrumenten an Bord trugen zwölf Mitgliedsstaaten der Esa bei, darunter die Schweiz. Aus Deutschland stammt das rund 100 Millionen Euro teure Doppelteleskop PHI (Polarimetric and Helioseismic Imager), dessen Aufnahmen Rückschlüsse auf das Magnetfeld der Sonnenoberfläche ermöglichen sollen. Dieses Magnetfeld treibt dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung zufolge alles andere an: Eruptionen, heisse Korona, Sonnenwinde.

Sonnenstürme können Satelliten ausser Gefecht setzen, die Energieversorgung, GPS-Navigation und den Handyempfang stören. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Sternstunde der Fotografie

So nah waren wir der Sonne noch nie

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

24
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
24Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Fizjak 18.07.2020 11:04
    Highlight Highlight Falls ihr euch fragt was aus der schweiz ist, das röntgen teleskop stix wurde an der fhnw entwickelt.
  • SeboZh 17.07.2020 19:23
    Highlight Highlight Als nächstes bitte solche Bilder von UY Scuti. Gibt ja noch andere Sterne als die Sonne 😉
    • REZ 18.07.2020 10:29
      Highlight Highlight UY SCUTI soll sich bloß nicht so aufblähen ! 🌞
  • SeboZh 17.07.2020 10:16
    Highlight Highlight Extrem eindrücklich nur schon wenn man versucht, diese Distanzen zu verstehen
    Play Icon
  • Nischi91 17.07.2020 00:13
    Highlight Highlight Was ich nicht ganz verstehe: "zum Zeitpunkt der Aufnahme 77mio km von der Sonne, so nah war noch nie eine Sonde"... Der Merkur ist durchschnittlich 58mio km von der Sonne entfernt und dort waren auch schon Sonden. Dann stimmt doch obige Aussage nicht?!
  • Pana 16.07.2020 23:14
    Highlight Highlight "Sonnenkorona"

    Was, dort auch? :)

    Spannende Bilder.
    • nicht_millenial 17.07.2020 02:56
      Highlight Highlight Ja gsehsch, drum nüt isch mit fertig corona im summer
  • Ueli_DeSchwert 16.07.2020 23:06
    Highlight Highlight Und für die Schweiz ist mit der FHNW und dem Instrument "STIX" das erste Mal in der Geschichte eine Schweizer Fachhochschule "Primary Investigator" für ein Instrument :)
    • Team Insomnia 17.07.2020 09:24
      Highlight Highlight Und jetzt? Haben sie mehr Legosteine in der Kiste??
    • Ueli_DeSchwert 17.07.2020 18:09
      Highlight Highlight Nee, nicht mehr Legosteine. Aber mehr erreicht als Team Insomnia :)
    • Team Insomnia 18.07.2020 14:45
      Highlight Highlight @Ueli: was de genau? 2 Goofe, 1 Hund und ein Haus auf Kredit? Oder wie?!
  • sansibar 16.07.2020 21:42
    Highlight Highlight Wow - und die Sonde, fliegt die immer weiter bis sie irgendwann verglüht? Wie heiss wird es dort im Weltall eigentlich? So je nach Vorhandensein von Materie? 🔥
    Benutzer Bild
  • azoui 16.07.2020 21:19
    Highlight Highlight "Nur 77 Millionen Kilometer"

    Mann, fühle ich mich klein.
    • -thomi- 17.07.2020 08:47
      Highlight Highlight Wart's ab. Die Astronomische Einheit (mittlere Distanz Erde-Sonne) ist normiert auf 149,weissnichtwievielaberviel Millionen km. Daher die Aussage, die Sonde ist auf halbem Weg.
      Um eine Veranschaulichung zu erhalten:

      http://www.isthatabignumber.com/itabn/compare?number=77000000km

      also wären das etwa 1900 Erdumrundungen oder 250000 britische Grand Prix Rennen ;-)

      Fun Fact: Voyager 1 ist ungefähr 149 Astronomische Einheiten von uns entfernt. Astronomie ist eine gute Schule für Demut :-)
  • Peter Vogel 16.07.2020 21:15
    Highlight Highlight Die Erde ist 150 mio Kilometer von der Sonne entfernt. Merkur ist 58 mio Kilometer von der Sonne entfernt. Die Sonne selbst hat einen Durchmesser von ca. 1.4 mio Kilometern.
  • 6030ebikon 16.07.2020 21:00
    Highlight Highlight Das ist echt faszinierend und man kann echt auf weitere Bilder gespannt sein...
  • Maria R. 16.07.2020 20:58
    Highlight Highlight Eine echt heisse Angelegenheit.

    😏
    • Töfflirocker1970 16.07.2020 21:04
      Highlight Highlight Den Glutofen kannst auch du nicht löschen, auch mit deiner ganzen Feuerwehr.
      😂😂😂
  • Füürtüfäli 16.07.2020 20:27
    Highlight Highlight Mega faszinierend...
    • Martin Blank 16.07.2020 23:30
      Highlight Highlight Findest du nicht?
    • ItsMee 16.07.2020 23:45
      Highlight Highlight ich glaube er/sie meinte es ernst ;)
  • Calvin Whatison 16.07.2020 20:21
    Highlight Highlight Was für ein wundervoller, schöner Stern.💛
  • lomit 16.07.2020 20:07
    Highlight Highlight Danke für den Artikel
  • Jo Kaj 16.07.2020 19:38
    Highlight Highlight Danke für den Artikel. Immer wieder schön, wenn man erfährt, was gerade in der Wissenschaft so getätigt wird. Gerne mehr von diesen Artikeln!

Diese Schäden kann das Coronavirus im Körper anrichten – und diese Langzeitfolgen drohen

SARS-CoV-2 befällt vornehmlich die Atemwege und die Lunge. Aber die Infektion kann auch andere Organe angreifen. Welche Spätfolgen sie haben kann, ist derzeit noch schwierig abzuschätzen.

Covid-19, die vom Coronavirus SARS-CoV-2 verursachte Lungenkrankheit, verläuft meistens mild – die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt den Anteil der milden Verläufe auf rund 80 Prozent aller Fälle. Bei schweren Verläufen befällt das Virus nach den oberen Atemwegen auch die Lunge. Und oft bleibt es nicht dabei: Mittlerweile weiss man, dass auch andere Organe – vornehmlich Nieren, Herz oder Blutgefässe – geschädigt werden können. Ärzte bezeichnen den Erreger deshalb auch als …

Artikel lesen
Link zum Artikel