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Expansion im Uhrzeigersinn: So würde der Anschluss von Gebieten, die einst im Machtbereich der Eidgenossen lagen, die Gestalt der Schweiz verändern.  GIF: watson

Eidgenossen auf Expansionskurs

Die Schweiz, das kleine Russland: So gross könnte die Eidgenossenschaft wirklich sein

Die Schweiz soll grösser werden, Sardinien als 27. Kanton dazukommen. Dass unser Land wächst, ist geschichtlich gesehen nichts Neues. Uneinigkeit und unterschiedliche Interessen führten jedoch dazu, dass manche Gebiete wieder verloren gingen. 



Ein Sarde will seine Insel als 27. Kanton der Schweiz anschliessen, jeder zweite Voralberger möchte laut einer Umfrage lieber Schweizer sein und in der französischen Region Savoyen gibt es eine Bewegung, die vom Anschluss ihrer Heimat an die Schweiz träumt: Unser Land scheint derzeit äusserst attraktiv zu sein. 

Die Voralberger führten tatsächlich schon einmal eine Volksabstimmung über den Beitritt zur Eidgenossenschaft durch: Nach dem Ersten Weltkrieg sprachen sich sogar 82 Prozent dafür aus. Aus dem Anschluss wurde, wie wir wissen, jedoch nichts.

Den einen oder anderen Gebietszuwachs könnte die kleine Schweiz durchaus vertragen, wird sich manch einer denken. Für den Anschluss Sardiniens zum Beispiel spricht so einiges. Und auch in unserer näheren Nachbarschaft gibt es durchaus reizvolle Gegenden – die erst noch einst zum Machtbereich der Alten Eidgenossenschaft gehörten. 

Gebietszuwachs dank militärischer Macht

Gross-Schweiz

Vor vier Jahren reichte der jurassische Nationalrat Dominique Bättig eine Motion ein, die den Bundesrat aufforderte, die «erleichterte Integration grenznaher Regionen als neue Schweizer Kantone» voranzutreiben. Der SVP-Politiker hatte dabei eine beeindruckende Liste von möglichen Beitrittskandidaten im Sinn: «Elsass (F); Aosta (I); Bozen (I); Jura (F); Vorarlberg (A); Ain (F); Savoyen (F); Baden-Württemberg (BRD); Varese (I); Como (I) und andere (die Liste ist nicht abschliessend!).» Würden sich all die genannten Gebiete tatsächlich unserem Land anschliessen, wäre die heutige Schweizer Bevölkerung nur noch eine Minderheit in einem Staatsgebilde von rund 25 Millionen Einwohnern. 

Mit ihrer Gefechtsformation des «Gewalthaufens» lehrten die Eidgenossen im Spätmittelalter ihre Gegner auf den Schlachtfeldern Europas das Fürchten. Aufgrund ihrer militärischen Dominanz konnten sie sich namhafte Gebiete einverleiben; so entrissen sie 1415 den Habsburgern den Aargau und 1536 den Savoyern die Waadt. 

Unter den eidgenössischen Orten herrschte indes keine Einigkeit in der Frage, welche Richtung die Expansion nehmen sollte. Während die Innerschweizer nach Oberitalien vorstossen wollten, richteten die Berner ihr Augenmerk nach Westen. 

Die unterschiedlichen Interessen, zu denen seit der Reformation noch der konfessionelle Antagonismus kam, führten beispielsweise dazu, dass die Eidgenossenschaft den glänzenden militärischen Sieg in den Burgunderkriegen kaum in territoriale Gewinne umzumünzen vermochte. Auf die wirtschaftlich wichtige Franche-Comté – die dann habsburgisch wurde – verzichteten die Schweizer und liessen sich mit einer stattlichen Geldsumme abspeisen.

Was wäre, wenn ...?

Wie gross wäre die Schweiz heute, wenn die Grossmächte den Beitritt Vorarlbergs nicht verhindert hätten und wenn die Eidgenossen und Zugewandten Orte alle Territorien hätten behalten können, die sie jemals kontrollierten? Solche Gedankenspielereien auf dem glitschigen Terrain der Alternativgeschichte sind selbstredend müssig, aber durchaus unterhaltsam – sofern man sie nicht allzu ernst nimmt.  

Die niemals Wirklichkeit gewordene Expansion der Eidgenossenschaft zeigen wir hier mit einem Rundgang im Uhrzeigersinn rund um die heutige Schweizer Grenze:

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Blick aufs Veltlin. Bild: vaol.it

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Das Eschental. Bild: Wikipedia/Alessandro Vecchi

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Der Hafen von Thonon-les-Bains. Bild: Wikipeda/historicair 

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Landschaft in der Franche-Comté. Bild: Wikipedia/Serge Nueffer

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Das Schloss von Montbéliard. Bild: Wikipedia

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Blick auf Rottweil: Die schwäbische Stadt war ein Zugewandter Ort der Eidgenossenschaft. Das Bündnis wurde nie gekündigt; damit ist Rottweil ein kleines bisschen schweizerisch.  Bild: Wikipedia/Christoph Probst

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Vorarlberg: Das Rheintal bei Bregenz. Bild: Wikipedia/Edda Praefcke

Damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt angekommen; hier endet unser Rundgang.  

Animiertes GIF GIF abspielen

Nochmals ein Blick auf die Animation: Sie zeigt, wie ein Anschluss der erwähnten Gebiete in dieser Reihenfolge die Gestalt der Schweiz verändern würde. Nur wenige Abschnitte der heutigen Grenze blieben unberührt. Wenn auch die Schweiz in dieser Form beträchtlich grösser wäre, müssten doch zumindest ästhetische Gründe gegen dieses unförmige Gebilde auf der Landkarte sprechen: Die uns vertraute Gestalt des «Stachelschweins» sieht einfach besser aus...  GIF: watson

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28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Markus Hofstetter 27.07.2017 15:06
    Highlight Highlight Dann hätte die Schweiz aber ihre schöne Säuli-Form nicht mehr. Wäre auch wieder schade.
  • Halimasch 26.07.2017 15:40
    Highlight Highlight Dazu zu zählen wären noch die Lombardei (Herzogtum Mailand - vor der Schlacht von Marignano eine kurze Zeit im Einflussbereich der Eidgenossenschaft) und Strassburg (hatte ein Bündnis mit Zürich).
  • Ninahinze 02.07.2016 14:55
    Highlight Highlight Kurze Frage: welcher Teil sprach denn Latein??
    • Daniel Huber 03.11.2016 23:47
      Highlight Highlight Wegen «Lateinische Schweiz»?
      Dieser Begriff hat nichts mit Latein direkt zu tun. Er bezeichnet jene Teile der Schweiz, in denen eine Tochtersprache des Lateinischen gesprochen wird, also die Romandie (französische Schweiz), das Tessin und die italienischsprachigen und rätoromanischen Teile Graubündens.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Lateinische_Schweiz
  • thompson 15.08.2015 20:34
    Highlight Highlight Wunderbares Bild. Mit den EU Versagern in Brüssel bald wieder möglich...
  • MediaEye 15.08.2015 11:48
    Highlight Highlight ......und der Kanton Bern in seinen alten Grenzen ; vom Genfersee bis in den Aargau !!
  • ovatta 15.08.2015 11:29
    Highlight Highlight Läuft das dann ungefähr so wie auf der Krim?
  • MediaEye 30.07.2015 22:26
    Highlight Highlight Und wie wärs jetzt noch mit #Griechenland ??
  • Sandokan 30.07.2015 22:04
    Highlight Highlight Dann wäre ja die Schweiz kein Schwein mehr.
  • a rabbit called beast 18.06.2015 17:40
    Highlight Highlight genau, und ich will das Deutsche Reich zurück, aber in den Grenzen von 1789. Was ein Quatsch...
    • J.D. Berner 15.08.2015 21:37
      Highlight Highlight Niemand hat irgendetwas gefordert, wie der Autor selbst schreibt ist es nichts weiter als ein Gedankenspiel. geh woanders rumhaten
  • Toni K. 16.02.2015 23:11
    Highlight Highlight Mein Gott - wann hört dieser Unsinn einmal auf? "Ein Sarde" will also Sardinien an die Schweiz anschliessen. EIN Sarde! Und wir Schweizer machen daraus schon eine Medienstory.
    Solch selbstgefällige Expansionsgeschichten tauchen immer mal wieder auf - und hängen jedem vernünftigen Zeitgenossen langsam zum Hals heraus.
    Nichts gegen den historisch informativen Artikel. Aber leider unterstützt er in seiner Zuspitzung den dümmlichen Grössenwahn, der so manche Eidgenossen befallen hat.
    • Majoras Maske 26.07.2017 18:17
      Highlight Highlight Das ist doch keine grosse Medienstory sondern ein Sommerloch-Klassiker ;-)
  • MediaEye 03.07.2014 21:29
    Highlight Highlight Also ich wäre absolut für diese Erweiterung! Sie dürfte allerdings auch gerne noch etwas grösser ausfallen, so etwa im Südosten bis ins Trentino Triest; Im Nordosten Bayern, Bregenzerwald und Tirol; Der ganze Süden von BaWü (Teile des Schwarzwaldes waren im Besitz des Klosters Einsiedeln)im Westen Lyon, Dijon und das Burgund, Hoch-Savoyen und das Aostatal, sowie die Leventina, evtl. Bergamo und Brescia.
    Dies wäre maö eine Arrondierung, welche gross genug wäre und den Regionen gegen die EU-Dominanz helfen würde !!!
    • a rabbit called beast 18.06.2015 17:42
      Highlight Highlight die Bayern könnt ihr gerne haben, sind eh DIE Querulanten in Deutschland
  • Maya Eldorado 30.03.2014 13:00
    Highlight Highlight Die Geschichte zeigt, dass Europa früher sehr in Bewegung war, was Gebietszuteilungen betrifft, das mehr oder weniger seinen Abschluss im Osten, im ehemaligen Jugoslawien fand und seine letzten Nachwehen in der heutigen Ukraine.
    In letzter Zeit kommt aber wieder sehr viel in Bewegung, was offenbar mit der Unzufriedenheit vieler Bürger mit der EU seinen Grund hat. Kein Staat wird sehr wahrscheinlich freiwillig auf eines seiner Gebiete verzichten. Bis jetzt scheint das in Stein gemeisselt, was entstanden ist.
    Die Zukunft wird zeigen, wie es weitergehen wird.
  • Zeit_Genosse 29.03.2014 21:12
    Highlight Highlight Das Gebiet der Schweiz war früher inexistent und anderen Mächten zugehörig. Ich denke, dass man nicht in Gebieten denken sollte, sondern nach Ressourcen und Ergänzungen zum heute Bestehenden. Da fällt das sympathische Sardinien weg, weil wir auch so ans Meer fahren können ohne uns für diese Insel zu überschulden. Doch der Gedanke an eine Föderation scheint trotzdem spannend zu sein. Aber die Schweiz will ja niemandem zugehörig sein (EU), gleichzeitig aber, dass andere ihr zugehörig sein wollen (die auch nicht wollen und schon gar nicht können). Dass sich einige einen Anschluss an den Schweizerischen Wohlstand vorstellen können, zeigen die Einwanderungen wegen wirtschaftlicher (nicht kultureller) Vorteile. Kurz, nicht die Freundschaft, sondern das Geld ist das Ziel.
    • Riccardo 30.06.2014 14:49
      Highlight Highlight Auch wenn das Geld der Grund ist. Die Schweiz wurde grundsätzlich wegen ihrem politischen (einmaligen) System reich. Warum soll dieses Erfolgsmodel von anderen Staaten nicht übernommen werden?
    • Zeit_Genosse 30.06.2014 21:53
      Highlight Highlight @Riccardo
      Das politische System hat für Stabilität gesorgt und eine Neutralität ermöglicht, die über zwei Weltkriege hinweg Fluchtgelder anzogen, Handel in jede Richtung und mit allen Akteuren zuliess und Kriege vermied. Das können nicht alle Staaten, da es Gewinner und Verlierer gibt.
  • karl_e 29.03.2014 16:31
    Highlight Highlight Mailand war doch mal kurzfristig eine Art Protektorat der Eidgenossen. Allerding beendete Marignano diese Grossmachtpolitik abrupt.
  • Oberon 28.03.2014 21:51
    Highlight Highlight Danke für den Beitrag und für den Update des angestaubten Wissens.

    Aus meiner Sicht wäre ein Anschluss an das Meer zu begrüssen.
    Da eh alle am durchdrehen sind last es uns anpacken. ;)
    • qumquatsch 30.06.2014 10:36
      Highlight Highlight warte noch ein paar jahre und tonnen co2 und schon wird der meeranschluss tatsache sein ;)
    • J.D. Berner 15.08.2015 21:42
      Highlight Highlight so schnell geht das nicht. selsbt wenn das gesamte eis des planeten schmilzt haben wir noch keinen meerzugang. hauptsächlich im norden europas würde sich eine gebietsveränderung bemerkbar machen, viel mehr als im süden, wo das meer näher wäre
  • fatalswitzerland 28.03.2014 19:55
    Highlight Highlight vergesst nicht dass der Schweiz eins ein Teil von Californien gehört hat...

    http://www.digibern.ch/bjb/pdf/1998/BJB_1998_05_Gold%20in%20Kalifornien.pdf

  • Chaose 28.03.2014 19:31
    Highlight Highlight Nein, danke. Der Grund? Die Umrisse der "Gross-Schweiz" wären grüselig.
  • Celtico 28.03.2014 17:11
    Highlight Highlight So wie es heute ist, ist es perfekt.
  • Caturix 28.03.2014 16:04
    Highlight Highlight Nur die Form ist so wie sie ist gut. Wenn die CH grösser wäre hätte sie nicht die richtige Form. Auf Shirts würde es nicht gut aussehen.
  • Oki 28.03.2014 15:20
    Highlight Highlight Das gäbe ja heitere Abstimmungsresultate. Aber die Küche wäre sicher interessanter.

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