Zwischen Fakt und Fake: Gesundheitstipps auf Social Media
Ist Milch gesund? Helfen Vitamin-D-Präparate? Ist Kaffee schädlich? In vielen Gesundheitsfragen ist sich die Wissenschaft nicht einig. Es gibt viele Studien – und jeweils auch viele Gegenstudien.
In den sozialen Medien scheinen viele aber genau zu wissen, was gut für uns ist.
Zu ziemlich jedem Gesundheitsthema findet man auf Instagram, TikTok und Co. unzählige Beiträge. Sie propagieren Wundermittel gegen Krebs, Tipps gegen Stress und Depression oder schnelle Abnehmtricks. Die Ratschläge klingen oft simpel, sind aber meist falsch oder irreführend. Im schlimmsten Fall können sie sogar gefährlich sein.
Aber was davon ist wahr, was falsch? Die SRF-Gesundheitssendung «Puls» greift das Thema auf. Saskia De Gani, Leiterin des Zentrums für Gesundheitskompetenz der Careum Stiftung, nennt Zahlen aus Studien:
- Zum Thema Rauchen und Drogen seien bis zu 87 Prozent der Informationen entweder falsch, verharmlosend oder nicht evidenzbasiert.
- Bei Impfthemen liegt der Anteil falscher Informationen bei etwa 40 bis 50 Prozent
- Bei Krankheitsthemen wie Krebs bei rund 30 bis 40 Prozent.
Zudem verweist die Sendung auf eine kanadische Studie, welche 100 populäre TikTok-Videos zum Thema ADHS untersuchte. 21 Prozent davon wurden als nützlich eingestuft, 27 als persönliche Erfahrungen und 52 Prozent als irreführend – also mehr als die Hälfte.
Influencerinnen als die neuen Gesundheitsberater
Statt zum Arzt ins Netz. Warum tun wir das eigentlich? Die Expertin sagt: «Wir sind nicht mehr die klassischen Patienten, die geduldig sind und auf einen Termin warten. Stattdessen sind wir durch unseren gesamten Alltag so konditioniert, dass wir sofort eine Antwort erwarten.»
Problematisch ist das vor dem Hintergrund einer Studie im Auftrag des BAG: Viele Menschen tun sich schwer, Gesundheitsinformationen im Netz richtig einzuschätzen. Laut der Untersuchung haben 72 Prozent der Bevölkerung Schwierigkeiten, digitale Informationen einzuordnen. Dabei haben die meisten Mühe damit zu erkennen, wenn kommerzielle Interessen dahinterstecken.
Vermarktung, Unwissen, Reichweite – die Gründe für falsche Informationen sind vielfältig. Saskia De Gani nennt einen weiteren Faktor: die soziale Motivation. Viele Menschen teilen oder glauben Inhalte, um zu einer Gruppe zu gehören – ein Bedürfnis, das in Zeiten zunehmender Einsamkeit immer stärker werde. Der Algorithmus verschärft das Problem: Erschreckende oder emotional aufgeladene Inhalte werden häufig geteilt, ohne dass sie vorher überprüft werden. «Empfänglich für Falschinformationen sind Menschen vor allem, wenn sie angeschlagen, nicht Aufmerksam oder im Stress sind», so De Gani.
Unabhängig davon, ob wahr oder falsch: Die Flut an Informationen und Bildern beeinflusst, wie wir uns fühlen und verhalten. Influencerin Morena Diaz erzählt in der Sendung, wie sie durch Gesundheitstipps auf Instagram in eine Essstörung geriet. Schon als Kind wünschte sie sich einen schlanken Körper. Da kamen ihr die Abnehmtipps gerade recht. «Ich stiess mit ungefähr 20 auf eine Fitness-Influencerin, die viel Gewicht verloren hatte. Ich dachte: ‹Das kann ich auch›.» Danach ass sie nur noch 500 Kalorien pro Tag und betrieb exzessiv Sport. Heute nutzt Morena ihre Erfahrungen, um auf die Gefahren falscher Körperideale aufmerksam zu machen.
Bei Gesundheitstipps im Netz solltest du deshalb immer prüfen, woher die Informationen stammen. Verlässliche Infos findest du meist bei offiziellen Stellen. Inhalte, die Angst oder Misstrauen schüren, sind oft manipulativ – genauso wie Wundermittel oder Heilsversprechen. Ein grosses Warnsignal ist auch, wenn etwas verkauft werden will. Bei Unklarheiten sprich am besten mit einer Fachperson. Hier kannst du die «Puls»-Sendung nachschauen. (cst)
