Dieses (wortgemässe) Zitat, das in Platons «Apologie des Sokrates» auftaucht, kam mir heute in den Sinn, als mir nach der täglichen watson-Morgensitzung der Auftrag zugeschanzt worden war, ich soll doch was über Kaffee schreiben.
Der Anlass war wieder einmal eine Studie über die gesundheitlichen Auswirkungen des Wachmachers schlechthin. Die heisse, legale und geile Bürodroge namens Kaffee.
Die Studie besagt, dass übermässiger Kaffeekonsum Anlass zur Sorge geben muss. Etliche Symptome können auftreten, die die Gesundheit ernsthaft gefährden können: Herz-Kreislauf-Probleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Ausgetrocknetheit (ist das ein Wort?) bis hin zu Panikattacken.
Gemäss der Untersuchung sollen fünf Tassen am Tag reichen, um «die Wahrscheinlichkeit einer Panikattacke bei Menschen mit Angststörungen deutlich zu erhöhen.» Oha!
Mittlerweile bin ich übrigens bei meiner dritten Tasse Kaffee. Die vierte folgt, vielleicht auch noch die fünfte. Aller guten Dinge sind fünf. Oder verwechsle ich hier was? Könnte es sein, dass meine Konzentration nachlässt, ich abschweife? Weil ja Symptome und so?
Aber zurück zur Studie. Die besagt nämlich im Fazit, dass nicht abschliessend geklärt werden kann, ab wann und bei wem der Konsum schädlich ist. Jänei.
Und die Aussage, «Kaffee-Konsum kann Panikattacken auslösen» trifft auch nur auf Menschen zu, die mit Angststörungen zu kämpfen haben.
Die Auswirkungen des täglichen Koffeinkonsums sind individuell, das weiss man. Wie eigentlich so fast alles im Leben. Aber – und da redet mir der gute alte Johann Wolfgang von Goethe aus der Seele – es ist so eine Sache mit dem Wissen. Denn:
Preach, Brudi.
Gefühlt alle zwei Wochen taucht aus den Tiefen der Wissenschaft eine neue Studie zum Kaffee-Konsum auf. Und am Ende weiss man nicht mehr, wo hinten und wo vorne ist. Geschweige denn oben und unten. Der Zweifel an Kaffee-Wissensstudien wächst mit jeder neuen Untersuchung. Zumindest bei mir. Warum?
Hier ein paar Studien-Beispiele, die ich mit einer kurzen Google-Suche gefunden habe:
Ja, was jetzt?
Fassen wir zusammen: Kaffee kann also gegen Depressionen helfen, verschlechtert allerdings die Performance von Berufseinsteigern. Kaffee kann Panikattacken auslösen und verursacht bei Gesunden keine Rhythmusstörung. Kaffee senkt das Risiko für Nierenerkrankung, erhöht aber das Sterberisiko. Tschäggsch?
Da kommt mir gleich das Falsifikations-Prinzip in den Sinn. Dieses besagt nämlich, dass eine Hypothese niemals bewiesen, aber gegebenenfalls widerlegt werden kann.
Das scheint mir passend für Kaffee-Studien. Wird man also nur potent von Kaffee, bis eine weitere Studie dies widerlegt? Oder so was in der Art? Vielleicht bleibt man einfach beim Viagra?
Mittlerweile habe ich meine fünfte Tasse Kaffee getrunken. Und mir gehts gut.
Aber auch für mich ist dann mal Schluss. Denn ein Mantra habe ich: Nach dem Mittagessen gibts keine Bürodroge mehr für mich. Und das passt so. Auch ohne Erkenntnis aus einer Studie, was auch immer das Resultat sein mag. Weil: individuell.
Und nach 12 Uhr ist ja dann eh Zeit für ein Bier. Oder zwei. Je nach Studie.