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«Wir waren schockiert»: Forscher finden grosse Mengen Plastikpartikel in US-Nationalparks

Ob von synthetischer Kleidung, vom Autoreifenabrieb oder von PET-Flaschen: Mikroplastik verschmutzt die Umwelt und belastet die Gewässer. Sogar in die entlegenen Naturschutzgebiete der USA gelangen die Partikel.



In Nationalparks und Naturschutzgebieten im Westen der USA wie Grand Canyon, Rocky Mountain und Joshua Tree haben Forscher deutlich mehr Mikroplastik entdeckt als zuvor vermutet.

This 2008 photo provided by NOAA Pacific Islands Fisheries Science Center shows debris in Hanauma Bay, Hawaii. A study released by the Proceedings of the National Academy of Sciences on Monday, June 30, 2014, estimated the total amount of floating plastic debris in open ocean at 7,000 to 35,000 tons. The results of the study showed fewer very small pieces than expected. (AP Photo/NOAA Pacific Islands Fisheries Science Center)

Luft, Wasser und die Sonneneinstrahlung zersetzen unseren Plastikabfall in kleinste Teilchen, doch verrotten kann er nicht. Bild: AP/NOAA Pacific Islands Fisheries Science Center

Mehr als 1000 Tonnen solcher Partikel setzten sich schätzungsweise jedes Jahr allein dort ab, berichten die Wissenschaftler um Janice Brahney von der Utah State University im Fachmagazin «Science». Das entspreche etwa 123 Millionen Plastikwasserflaschen.

«Wir waren schockiert von den geschätzten Absetzungsraten und haben immer wieder versucht herauszufinden, wo wir uns verrechnet hatten», sagte Brahney. Alle Überprüfungen hätten die Schätzungen aber bestätigt. Auf die Gesamtfläche der Gebiete von 496'350 Quadratkilometern gerechnet bedeute das im Mittel 132 eingetragene Partikel pro Quadratmeter am Tag.

Als Mikroplastik gelten Teilchen mit einem Durchmesser unter fünf Millimetern. Solche winzigen Partikel wurden unter anderem bereits in Schnee, Lebensmitteln und Trinkwasser nachgewiesen – auch in Schweizer Seen.

340 Gramm Plastikmüll pro Person und Tag

Alleine in den USA verursache jeder der rund 330 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner jeden Tag rund 340 Gramm Plastikmüll, schreiben die Wissenschaftler. Dieser landet teilweise in der Natur und zerfällt dort langsam in immer kleinere Bestandteile. Die Mikroplastik-Partikel gelangen in Flüsse und Seen, das Meer, die Böden und auch die Atmosphäre.

Brahney und ihr Team hatten über 14 Monate an elf Stellen in Nationalparks und Naturschutzgebieten im Westen der USA regelmässig Proben gesammelt und die Herkunft und Zusammensetzung der Partikel untersucht.

Sie stammen ursprünglich aus Städten oder besiedelten Gebieten und wurden etwa über Gewässer weiterverteilt. Ein Teil der Partikel sei über die Atmosphäre bei Regen eingetragen worden – sie seien so klein, dass sie selbst über Kontinente hinweg transportiert würden.

Einkaufssäckli noch nicht einmal mitgezählt

Das meiste Mikroplastik ging auf Kleidungsstücke und Industriematerialien zurück. Ein Drittel stamme wahrscheinlich von Industriefarben und Glasuren, so die Forscher. Weil weisse und durchsichtige Partikel gar nicht gezählt worden seien, könnten die tatsächlich eingetragenen Mengen sogar noch über den Schätzwerten liegen.

Forscher hatten bei einer Analyse im vergangenen Jahr geschätzt, dass Menschen allein über die Ernährung jährlich 40'000 bis 50'000 Plastikpartikel konsumieren. Die Aufnahme durch Inhalation ist darin nicht enthalten. Ob dies mit Gesundheitsrisiken einhergeht, ist bislang wissenschaftlich noch nicht abschliessend geklärt.

Experten halten beispielsweise Entzündungsreaktionen in den Zellen für möglich. Kritisch sind demnach auch die mit den Partikeln aufgenommenen chemischen Substanzen wie Herbizide, Insektizide oder Weichmacher zu sehen. (sda)

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