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Spielerberater Jorge Mendes zusammen mit seinem prominentesten «Kunden» Cristiano Ronaldo. Bild: EPA LUSA

Diese zwei Berater beherrschen den Weltfussball

Die Transferzeit ist ihre Zeit. Momentan laufen die Drähte bei Jorge Mendes und Mino Raiola wieder heiss. Die beiden Spielerberater haben quasi aus dem Nichts Imperien aufgebaut und ziehen im Weltfussball hinter den Kulissen die Fäden.

21.07.16, 20:02 17.10.16, 11:47
Donat Roduner
Donat Roduner

Jorge Mendes, der Portugiese, und Mino Raiola, der Italiener, sind zwei der mächtigsten Männer im Fussball. Die beiden beherrschen mit ihren Klienten den europäischen Transfermarkt und nehmen mehr und mehr Einfluss. Und erstaunlicherweise sind sich die beiden ähnlicher, als sie es wohl gerne hätten.

Mino Raiola (r.) mit seinem Schützling Mario Balotelli. Bild: Getty Images Europe

Beide waren von klein auf fussballbegeistert und gelangten eher zufällig ins grosse Geschäft. Der 50-jährige Mendes stammt aus bescheidenen Verhältnissen und verdiente sein Geld mit Videotheken und Nachtklubs, ehe er per Zufall den Guimaraes-Goalie Nuno traf und ihn auf eigene Faust an Deportivo La Coruña weitervermittelte. Dieser Transfer diente ihm als Türöffner ins Fussballgeschäft.

Altruist vs. Egoist?

Mino Raiola wuchs als Sohn von italienischen Restaurantbesitzern in den Niederlanden auf. Die Legende vom Pizzabäcker, der es nach ganz oben geschafft hat, ist allerdings nicht zutreffend. «Ich habe im Restaurant so ziemlich alles gemacht – gespült, gekellnert, nur eines nie: Pizza gebacken», gab der 48-Jährige einst in einem Interview mit «11 Freunde» zu Protokoll.

Die Geschicke des jungen Mino kamen als Berater seines Vaters früh zum tragen. Zum Fussball kam er, weil er dem Präsidenten des lokalen HFC Haarlem Tipps gab und sich dann im Fussball-Business schrittweise nach oben arbeitete.

Unterdessen sind sowohl Raiola wie auch Mendes Hauptdarsteller auf der grossen Fussballbühne und Vermittler diverser Superstars. Der Italiener behauptet, völlig anders zu sein als sein portugiesischer Kontrahent: «Ich bin Altruist, er ist Egoist. Ich kümmere mich um meine Spieler, Mendes kümmert sich um sich selbst.»

Die Top-Klienten

Jorge Mendes

bild: transfermarkt.ch

Mino Raiola

bild: transfermarkt.ch

Kampf um Manchester

In der Essenz sind sich die beiden erbitterten Rivalen aber ziemlich ähnlich. Mendes und Raiola sind sehr einfühlsame und geschickte Verhandlungskünstler, die äusserst viel von Fussball verstehen und darum überaus geeignet sind für ihren Job. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr.

Aber die beiden sind auch Opportunisten, die ihre erlangte Macht geniessen. Darum kommt es hinter den Kulissen immer wieder zu Scharmützeln. Mendes und Raiola haben sich Imperien aufgebaut, mit denen sie mehr und mehr Einfluss nehmen auf den europäischen Klubfussball.

Aktueller «Hot Spot» ist Manchester United, wo sich der Italiener eine Festung aufgebaut hat. Die beiden letzten prominenten Zuzüge des englischen Rekordmeisters, Zlatan Ibrahimovic und Henrich Mchitarjan, stehen beide bei Raiola unter Vertrag. Trainer José Mourinho dagegen wird von Mendes beraten.

Nach seiner Zeit beim PSG setzt Zlatan Ibrahimovic seine Karriere bei Manchester United fort. Bild: GONZALO FUENTES/REUTERS

Auch Pogba zu ManU?

Und obwohl «Mou» am portugiesischen Jungstar Renato Sanches interessiert gewesen war, hat es Mendes – mutmasslich wegen Raiolas Einfluss – vorgezogen, seinen Schützling bei Bayern München unterzubringen.

Umgekehrt wäre es keine Überraschung, würde sich auch Paul Pogba, wertvollster Spieler in Raiolas Portfolio und aktuell bei Juventus Turin unter Vertrag, den «Red Devils» anschliessen.

Noch verneint Raiola einen Pogba-Wechsel.

Die Machenschaften von Mendes und Raiola sind umstritten, unumstritten ist ihr Erfolg. Und das Gute daran? Kein Transferfenster bleibt ohne Fussball-Mafiageschichte.

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  • unejamardiani 22.07.2016 08:36
    Highlight Ich bin so dankbar dafür das Arsene Wenger keine Raiola spieler verpflichtet. Mendes hat wenigstens Stil und Anstand aber Raiola ist ein Halsabschneider wie es im Buche steht. Bestes Beispiel dafür sind die beiden Wechsel von Mchitarjan zu Dortmund und zu ManUnited
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    • Ketsch 22.07.2016 09:48
      Highlight Vielleicht ist das einer der Hauptgründe, dass Arsenal mit Abstand die lächerlichste Transferpolitik aufweist von allen PL Mannschaften in den letzten Jahren. ;-)
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    • unejamardiani 22.07.2016 10:18
      Highlight Alle Transfers der letzten Jahre haben eingeschlagen, welche andere PL-Verein kann das von sich behaupten? Lächerlich ist nur einen Spieler wie DiMaria, Benteke, Pedro etc. für >40Millionen zu kaufen und in der nächsten Transferperiode zu verkaufen weil sie nicht eingeschlagen haben. Einige "Fussballfans" haben mitlerweile ein krass verzehrtes Bild den Sinn von Transfers anbelangt.
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    • Ketsch 22.07.2016 11:00
      Highlight Als Tottenham Fan kann ich sagen: Harry Kane :-)
      Oder noch ferner ein Gareth Bale, welcher für 8 Mio. zu uns kam und für 95 Mio. wieder ging ;-)
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    • elmono 22.07.2016 11:11
      Highlight @unejamardiani: Brutal eingeschlagen haben die Transfers. Arsenal hat richtig viel gewonnen in den letzten Jahren. Giga-Fail!
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    • unejamardiani 22.07.2016 12:53
      Highlight @elmondo damit mein ich eher es ist kein einziger gefloppt. Sogar Gabriel bringt bessere Leistungen als z.B. ein Mangala ich will damit nur sagen das Knetsch's erste Aussage Müll ist. Ja Tottenham hatte jetzt einige Treffer aber was haben sie mit den Bale Millionen gemacht? Soldado, Chiriches, Capoue, Chadli, Paulinho? Waren zwar auch einige dabei die mittlerweile eingeschlagen haben aber sooo toll wart ihr mit Transfers in den letzten Jahren auch wieder nicht.
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    • elmono 22.07.2016 15:09
      Highlight @ unejamardiani: bin kein Tottenham-Fan. Für mich arbeiten die Sportdirektoren/Manager in der Premier League sowieso unter aller Sau. Insbesondere in Liverpool arbeitet eine unglaubliche Pfeife. Was da an Money für Mittelware rausgeballert wird, ist wirklich unglaublich. Die Transferpolitik Arsenals ist im grossen und ganzen ziemlich gut, aber für Titel wird zu sehr auf die Jugend gesetzt. Der entscheidende Mix zwischen Jung und Alt fehlt. Wenn man in einer Saison wie der letzten nicht Meister wird, wird das nie was.
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    • unejamardiani 22.07.2016 16:02
      Highlight Ich bin einverstanden mit dem was du sagst aber es sind noch 6 Wochen bis der Transfermarkt schliesst, warten wir doch mal ab was noch alles passiert :)
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  • NichtswissenderBesserwisser 22.07.2016 06:52
    Highlight Bitte mehr davon!👍
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  • Bluetooth 22.07.2016 00:15
    Highlight Naja von umstrittene Machenschaften und Mafiageschichten zu reden, finde ich etwas übertrieben. Schliesslich ist Fussballbusiness kaum anders als jegliche andere Art von Business.
    Vitamin B ist einfach das wichtigste. Schaut doch mal Shaqiris Bruder und gleichzeitiger Berater an. Man kann seine Kompetenz und Erfahrung hinterfragen, wie man will, mit Embolo hat er bereits sein zweiter grosser Transfers gelandet.
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  • Sloping 21.07.2016 22:55
    Highlight Rein ökonomisch betrachtet handelt es sich bei diesen Beratern um nichts anderes als Intermediäre, also Zwischenhändler. Wenn ein Produkt über x Intermediäre in die Schweizer Geschäfte gelangt, verteuert sich deren Preis massiv, ohne dass der Endkonsument einen Zusatznutzen generiert. In anderen Worten: Diese Berater kassieren Millionen, ohne dass der abnehmende Verein davon einen Mehrwert hat. Im Gegenteil: Die immer höheren Transfersummen sind auch darauf zurück zu führen, dass noch x Millionen den Beratern überwiesen werden müssen. Eine bedenkliche Entwicklung.
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