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Marine Le Pen beerdigt den Front National – und ihr Vater flippt aus

Marine Le Pen beerdigt den Front National – und ihr Vater flippt aus

Eine Ära geht zu Ende: Der Front National gibt seinen Namen auf und wird zum «Rassemblement National». Marine Le Pen will sich so salonfähig – und wählbar – machen.
04.06.2018, 11:2804.06.2018, 11:28
Stefan Brändle, Paris / Nordwestschweiz
French far right leader Marine Le Pen gestures as she delivers a speech to announce a name-change for her National Front party, in Bron, central France, Friday, June 1, 2018. The new name of the party ...
Marine Le Pen verpasste der Front National einen neuen Namen.Bild: AP/AP

Der «Front National», 1972 von Jean-Marie Le Pen gegründet, hat am Wochenende den neuen Namen «Rassemblement National» (nationale Sammlungsbewegung) angenommen. Gut 80 Prozent der Parteimitglieder stimmten für das Vorhaben von Marine Le Pen, die sich mit ihrem Vater schon 2011 überworfen hatte. Ein Triumph war das Votum aber mitnichten, beteiligten sich doch nur 53 Prozent der Frontisten an der internen Abstimmung.

Der 90-jährige Gründer sprach am Wochenende von «Verrat» und «Schande». Seine Tochter machte hingegen gleich klar, worum es ihr geht: Mit dem neutraleren, weniger belasteten Namen visiert die Parteileitung mehr Wähler an.

Erinnerungen an Chirac

«Rassemblement» ist ein häufiges Attribut französischer Parteien; es erinnert Franzosen wohl weniger an das nazifreundliche «Rassemblement national populaire» von 1941 als an das «Rassemblement pour la République» (RPR) des Gaullisten Jacques Chirac. Marine Le Pen würde sich politisch gerne ebenso breit aufstellen.

Ihr Problem bleibt aber eher der Familien-, nicht der Parteiname: Mit einem oder einer «Le Pen» wollen französische Politiker nicht ins gleiche Boot steigen. Der Rechtspolitiker Nicolas Dupont-Aignan erteilte der RN-Chefin am Sonntag eine glatte Abfuhr, nachdem sie ihn zu einem Bündnis bei den Europawahlen 2019 aufgefordert hatte. Für die konservativen Republikaner, die aus Chiracs Sammlungsbewegung hervorgegangen waren, bleibt Le Pen ebenfalls persona non grata, selbst wenn ihr neuer Chef Laurent Wauquiez einen ähnlich harten Kurs in der Migrationsfrage verfolgt.

Chancen aufs Präsidentenamt

Die «nationale Sammlungsbewegung» bleibt damit meilenweit entfernt von jeder politischen Sammlung. Und das ist entscheidend in Frankreich, denn ohne Allianzen schafft es in dem Mehrheitswahlrecht keine Formation an die Macht. Einzige Chance für die Le Pens ist die Präsidentschaftswahl, wo es mehr um Personen als Parteiprogramme geht. In der Kampagne 2017 blamierte sich aber Marine Le Pen im entscheidenden TV-Streitgespräch mit Emmanuel Macron und schnitt darauf an den Urnen schwach ab. Auch deshalb wollte die FN-Chefin mit einem Namenswechsel einen Neuanfang inszenieren.

Die angeschlagene und isolierte Parteichefin hofft natürlich auf den europäischen Trend, der die Rechtspopulisten schon in Österreich und Italien an die Regierung gebracht hat. Aber gerade diese Beispiele zeigen, dass es ohne Absprachen nicht geht. Le Pen führt zwar die bekannteste und beständigste Formation europäischer Nationalisten an. Doch ausgerechnet jetzt, wo ihr die politischen Winde günstig wären, wirkt Marine Le Pen von der Rolle.

FILE - In this file photo dated Monday May 1, 2017, former far-right National Front party leader Jean-Marie Le Pen clenches his fist at the statue of Joan of Arc in Paris. France's far-right Nati ...
Papan Le Pen.Bild: AP/AP

Dies gilt auch für ihren «nationalen Zusammenschluss», der alles ist ausser einem nationalen Zusammenschluss: Ihr früherer Chefideologe Florian Philippot hatte den FN schon vor einem halben Jahr verlassen und die Partei «Les Patriotes» gegen Le Pen gegründet; und deren Nichte Marion Maréchal-Le Pen hat am vergangenen Donnerstag eine Politakademie ins Leben gerufen, die ihr als Sprungbrett in die französische Spitzenpolitik dienen soll. Zuvor hatte Marion Maréchal publik gemacht, dass sie den Zusatz «Le Pen» aus ihrem Namen gestrichen hat. 

Le Pen und der Front National: Eine Erfolgsgeschichte

Video: srf
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