Platzt der Frieden wegen Israel? Was seit dem Waffenstillstand geschah
«Mit grösster Demut freue ich mich, bekannt geben zu dürfen, dass die Islamische Republik Iran und die Vereinigten Staaten von Amerika zusammen mit ihren Verbündeten einen sofortigen Waffenstillstand überall, einschliesslich im Libanon und anderswo, vereinbart haben, der SOFORT IN KRAFT tritt.»
Mit diesen Worten des pakistanischen Premierministers Shehbaz Sharif ging der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran in einen zweiwöchigen Waffenstillstand über. Seither ist viel geschehen. Von einem Frieden für die gesamte Region kann jedoch keine Rede sein.
Mittwoch, 8. April 2026
- In einem öffentlichen Statement vermeldet Donald Trump den Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran. Der Iran zieht mit. Die Ölpreise (WTI) fallen um 15 Prozent auf 91.44 Dollar. Das ist der grösste Preissturz seit dem Golfkrieg 1991.
- Kurz nach dem Statement des US-Präsidenten meldet Israel verschiedene Raketenangriffe auf Jerusalem und weitere Gebiete im Land. Im Dorf Tel Sheva werden dabei zwei 15-jährige und ein 14-jähriger Knabe verletzt.
- Drei Stunden nach dem Iran gibt Israel eine offizielle Stellungnahme ab. Das Land unterstütze den Waffenstillstand. Gleichzeitig widerspricht es der Formulierung des pakistanischen Präsidenten Sharif: Der Waffenstillstand umfasse den Krieg gegen die Hisbollah im Libanon nicht.
- Stunden nach der Waffenruhe wird der Iran bombardiert. Bei einem «feindlichen Angriff» wird eine Raffinerie auf der Insel Lavan getroffen. Hinter dem Angriff werden die Vereinigten Arabischen Emirate vermutet.
- Nun melden auch die Vereinigten Arabischen Emirate Aktivitäten ihrer Luftabwehr und präzisieren ihre Angaben zwei Stunden später. 17 iranische Raketen und 35 Drohnen seien in den Luftraum der VAE eingedrungen. Dabei seien drei Menschen leicht verletzt worden. Um 7:00 Uhr (Schweiz) meldet Kuwait iranische Drohnenangriffe auf Öllager und Kraftwerke. Auch Bahrain, Katar und Saudi-Arabien geben bekannt, mit ballistischen Raketen oder Drohnen aus dem Iran angegriffen worden zu sein. Der Iran erklärt die Attacken mit «vorprogrammierten Angriffen». Die Angriffswellen seien keine beabsichtigte Verletzung des Waffenstillstands.
- US-Präsident Donald Trump verkündet einen «grossen Tag für den Frieden auf Erden» und offeriert Iran Hilfe beim Wiederaufbau. Vizepräsident Vance nennt den Waffenstillstand indes «fragil». Man müsse zwischen jenen unterscheiden, die einen Deal wollen – und jenen, die «über den Waffenstillstand lügen».
- Sich auf drei libanesische Quellen berufend, meldet die Nachrichtenagentur Reuters, die Terrororganisation Hisbollah habe ihre Angriffe auf den Norden Israels und israelische Truppen im Libanon in den frühen Morgenstunden des Mittwochs eingestellt.
- Israel spricht eine Evakuationswarnung für eine Stadt im Südlibanon aus und führt danach in der «Operation Dunkelheit» die grössten Bombardierungen seit Beginn der Irankrise durch. Innerhalb von 10 Minuten werfen 50 Kampfflugzeuge 160 Bomben auf über 100 Ziele. Getroffen werden Gebiete im Südlibanon, in der Beqaa-Ebene und in Beirut. Die Bombardierung Beiruts kam laut «The Times of Israel» an gewissen Orten ohne Vorwarnung und traf vor allem Einrichtungen mitten in der Zivilbevölkerung. Diese würden, so schreibt das israelische Militär, «als Teil der zynischen Ausnutzung libanesischer Zivilisten durch die Hisbollah als menschliche Schutzschilde zur Absicherung ihrer Operationen» dienen. Je nach Quelle werden bei den Angriffen 250 bis 300 Menschen getötet.
- Nun widerspricht auch US-Präsident Trump der Formulierung von Shehbaz Sharif und erklärt, der Libanon sei kein Teil des Waffenstillstands. Es handle sich dabei um eine «separate Auseinandersetzung».
- Der Iran «schliesst» die Strasse von Hormus erneut mit Drohungen, Schiffe in der Meerenge zu versenken. Wie viele Schiffe bisher passierten, ist unklar. Die Spannweite reicht von nur zwei bis zu 20 Schiffen.
Szenen aus Beirut. Bagger räumen die Überbleibsel eines zerstörten Gebäudes in der Hauptstadt Libanons weg.Bild: keystone
Donnerstag, 9. April 2026
- Die Ölpreise (WTI) steigen erneut auf knapp 98 Dollar (Stand 11.16 Uhr). Die Euphorie an den Börsen ist wieder verflogen.
- Donald Trump droht allen Ländern, die den Iran mit Waffen beliefern, mit Zöllen in der Höhe von 50 Prozent.
- Kriegsminister Hegseth fordert den Iran auf, das angereicherte Uran den USA zu übergeben und erklärt, es «wenn nötig zu nehmen».
- Der britische Premierminister Keir Starmer spricht sich dafür aus, dass der Libanon im Waffenstillstand ebenfalls eingebunden wird. Ihm schliessen sich diverse andere Staatschefs an.
- Der Sprecher des iranischen Parlaments beschuldigt die USA, den Waffenstillstand in drei Punkten gebrochen zu haben und droht, die angekündigten Friedensverhandlungen in Islamabad von Freitag platzen zu lassen, sollte der Libanon nicht in den Waffenstillstand eingebunden werden.
Ein Mann sitzt neben einem zerstörten Gebäude in Beirut.Bild: keystone
NATO-Chef Rutte kuscht bei CNN vor Trump
Video: watson/Lucas Zollinger
