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Opus-Dei-Kritiker darf beim Papst vorsprechen – das ist die Organisation

The Torreciudad Sanctuary, dedicated to the Virgin Mary, specifically to the title of Our Lady of the Angels of Torreciudad. Although in common language it is called a sanctuary, the temple has not be ...
Ein Marienheiligtum in Aragon, Spanien, welches sich im Eigentum des Opus Dei befindet.Bild: iStockphoto

Schwere Vorwürfe gegen Opus Dei – nun wurde der Journalist vom Papst eingeladen

Ein Investigativ-Reporter macht in einem Buch der römisch-katholischen Organisation schwere Vorwürfe. Nun erzählt er von einem Treffen mit dem Papst, zu dem dieser ihn überraschend eingeladen hatte.
08.04.2026, 17:2708.04.2026, 17:27

Gareth Gore hat jahrelang zu Opus Dei recherchiert. Der britische Journalist erhebt dabei schwere Vorwürfe gegen die römisch-katholische Organisation. Im Frühjahr 2026 wurde Gore überraschend vom Vatikan kontaktiert. Er sollte eine private Audienz bei Papst Leo erhalten, um ihm sein Buch und seine Recherchen zu Opus Dei persönlich vorzustellen.

Wie Gore in einem Interview im The Guardian erzählte, dauerte das Treffen deutlich länger als geplant und der Vatikan dokumentierte die Begegnung öffentlich mit zwei Kameras – auf persönlichen Wunsch des Papstes.

Gore interpretierte dieses öffentliche Treffen als bewusstes Signal des Papstes an Opus Dei: Die Organisation sollte davon erfahren – als Zeichen, dass von der obersten kirchlichen Instanz die Vorwürfe ihr gegenüber ernst genommen werden.

Darum geht es in der Sache:

Das ist Opus Dei

Opus Dei (lateinisch «Werk Gottes») ist eine römisch-katholische Organisation, die 1928 von Josemaría Escrivá in Spanien gegründet wurde. Sie entstand aus seiner Vision, dass Gott die Gläubigen im Alltag zur Heiligkeit ruft. Ursprünglich Männern vorbehalten, wurde die Vereinigung 1930 auch für Frauen geöffnet.

Die Philosophie von Opus Dei beruht darauf, dass Heiligkeit nicht nur in kirchlichen Ämtern oder Klöstern zu finden ist, sondern durch alltägliche Tätigkeiten, Beruf und familiäres Leben erreicht werden kann. Arbeit wird als Mittel gesehen, Gott zu dienen, und der Glaube wird durch praktische Handlungen, ethisches Verhalten und Dienst am Nächsten gelebt.

Der spanische Priester Josemaria Escriva de Balaguer an einer Rede vor Jugendlichen in Pozoalbero, Spanien, undatierte Aufnahme. (KEYSTONE/Str)
Der spanische Priester Josemaría Escrivá in einer undatierten Aufnahme.Bild: KEYSTONE

Das offizielle Ziel der Organisation ist es, Menschen zu helfen, Glauben und Alltag zu verbinden, christliche Werte in allen Lebensbereichen zu fördern und durch Arbeit und gelebte Nächstenliebe Heiligkeit zu erreichen.

Die Kontroversen

Trotz seiner religiösen Zielsetzung ist Opus Dei immer wieder Gegenstand von Kontroversen. Kritiker werfen der Organisation vor, in Teilen sehr konservative Positionen innerhalb der katholischen Kirche zu vertreten und einen starken Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Bildung auszuüben. Zudem wird Opus Dei mangelnde Transparenz vorgeworfen, insbesondere im Umgang mit internen Strukturen und Entscheidungsprozessen.

Gareth Gore hat diese und weitere Kritikpunkte in seinem 2024 erschienenen Buch «Opus» aufgegriffen. Darin fasst er umfangreiche Recherchen zusammen, wonach Opus Dei im Zentrum eines Systems stehen soll, das in Kindesmissbrauch, Menschenhandel und Ausbeutung involviert sei sowie seine Mitglieder mit enormem psychischem Druck unter Kontrolle halte.

Unter anderem in Argentinien ermitteln Bundesstaatsanwälte gegen führende Mitglieder von Opus Dei. Sie werfen ihnen vor, die Ausbeutung von und den Menschenhandel mit Frauen und Mädchen organisiert zu haben. Opus Dei in Argentinien hat daraufhin eine eigene Stelle zur «Aufarbeitung und Klärung» eingerichtet, bei der Betroffene ihre Beschwerden einreichen können. Bereits 2024 erklärte die Organisation zudem, Vorwürfe, wonach Mädchen mit Bildungsversprechen zum Beitritt bewegt worden seien, seien «falsch und irreführend».

Gemäss Gore sei der Alltag durch Escivás Schriften genau vorgegeben, Kontakte und Entscheidungen werden teilweise kontrolliert. Langes Fasten, Selbstkasteiung oder das Behandeln von psychischen Problemen mit «Medikamenten-Cocktails» sei auch üblich.

Wie ist Opus Dei organisiert?

Die Organisation hat ungefähr 95'000 Mitglieder, darunter auch etwas mehr als 2000 Priester und andere Kleriker.

Die Organisation unterscheidet zwischen drei verschiedenen Mitgliedsgruppen: Numerarier, Assoziierte und Supernumerarier.

  • Numerarier sind zölibatär lebende Frauen und Männer, die meist in Opus-Dei-Einrichtungen leben und ein zweijähriges Philosophie- und ein vierjähriges Theologiestudium absolvieren müssen, wie es an päpstlichen Universitäten üblich ist. Sie können Kleriker oder Laien sein, können also auch bürgerlichen Berufen nachgehen. Beim Eintritt wird das Erbe testamentarisch an Opus Dei überschrieben, allfällige Löhne gehen bis auf ein Taschengeld auch direkt an Opus Dei.
  • Numerariae Auxiliares oder sogenannte Hilfsnumerarierinnen sind weibliche Numerarier, die von der Regelung bezüglich der zu absolvierenden Studien ausgenommen sind. Ihre Leistungen innerhalb der Organisation beschränken sich auf rein haushälterische Aufgaben wie Putzen und Kochen.
  • Assoziierte sind ausschliesslich Laien, die nicht in Opus-Dei-Einrichtungen leben, aber dennoch zölibatär leben und dieselben Verpflichtungen wie Numerarier wahrnehmen. Sie haben meist keine akademische Ausbildung.
  • Supernumerarier leben in eigenen Haushalten und nicht zölibatär, können also Familien haben. Um ein Numerarier oder Assoziierter zu werden, muss man zuerst ein Supernumerarier werden.

Eine Besonderheit ist zudem die innerkirchliche institutionelle Stellung: Opus Dei ist eine sogenannte Personalprälatur, also ein Verband von Klerikern, der direkt dem Papst unterstellt ist und nicht den lokalen Bischöfen. Diese Sonderstellung machte es Opus Dei möglich, weitgehend autonom zu agieren.

Durch eine Anpassung von Papst Franziskus von 2022 können Personalprälaturen aber nicht mehr ohne Zustimmung des lokalen Bischofs in einer Diözese aktiv werden. Opus Dei ist die einzige Personalprälatur der katholischen Kirche und wurde 1982 von Papst Johannes Paul II. dazu erhoben.

Rolle des Vatikans

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Papst Johannes Paul II. sprach den Gründer von Opus Dei heilig.Bild: keystone

Kritik an der besonderen Stellung von Opus Dei innerhalb der katholischen Kirche formulierte auch Gareth Gore: Da die Organisation direkt dem Papst untersteht, konnte sie lange Zeit weitgehend unabhängig von den örtlichen kirchlichen Kontrollmechanismen agieren. Infolgedessen seien Missbrauchsvorwürfe nicht immer über die üblichen kirchlichen Strukturen untersucht worden.

Gore sieht zudem eine Mitverantwortung des Vatikans für die Entwicklung der Organisation. Insbesondere unter Johannes Paul II. habe Opus Dei an Einfluss gewonnen. Er beschreibt die Organisation als enge Verbündete konservativer Kräfte innerhalb der Kirche, die gezielt eingesetzt worden sei, um gegen progressive Strömungen vorzugehen.

Gore bemängelt ausserdem die Heiligsprechung von Gründer Josemaría Escrivá im Jahr 2002. Dadurch habe Opus Dei eine Art «Vatikansiegel» erhalten, das der Organisation Legitimität verschaffte, obwohl zu dem Zeitpunkt bereits zahlreiche Vorwürfe über Missbrauch, Manipulation und politische Einflussnahme bestanden.

Die Heiligsprechung von Escrivá wurde schon in zeitgenössischen Berichten heftig kritisiert. Unter anderem aufgrund der engen Kontakte von Opus Dei und Josemariá Escrivá zur faschistischen Regierung von Francisco Franco in Spanien. Ab 1957 waren mehrere Opus-Dei-Mitglieder als Minister in Francos Regierungen beteiligt.

Einfluss auf Eliten

Gore wirft Opus Dei zudem vor, gezielt einflussreiche Personen zu rekrutieren. Die Organisation richte sich insbesondere an Eliten aus Politik, Justiz, Wirtschaft und Medien. Ziel sei es laut Kritikern, gesellschaftlichen und politischen Einfluss auszubauen. Auch die politische Rolle von Opus Dei steht bei Gore in der Kritik. Er beschreibt Verbindungen zu konservativen Netzwerken, insbesondere in den USA, wo einzelne Mitglieder oder Unterstützer Einfluss auf politische Entwicklungen nehmen sollen. Opus Dei selbst weist zurück, als Organisation politisch zu handeln.

Ein weiterer Punkt betrifft die internationale Dimension der Vorwürfe. Nach Bekanntwerden der Ermittlungen in Argentinien hätten sich laut Gore auch in anderen Ländern wie Irland, Mexiko, Frankreich und Spanien weitere Betroffene gemeldet. Kritiker sehen darin Hinweise auf strukturelle Probleme innerhalb der Organisation.

Schliesslich spielt die Rolle von Gründer Josemaría Escrivá eine zentrale Rolle. Seine Schriften legen detaillierte Regeln für Alltag, Arbeit, Gebet, Selbstdisziplin und Gehorsam fest. Gore betont, dass viele umstrittene Praktiken der Organisation direkt darauf zurückgehen. Solange diese Lehren als göttlich inspiriert gelten, sei eine grundlegende Reform von Opus Dei sehr schwer durchzusetzen.

Das sagt Opus Dei

Opus Dei bestreitet die schwersten Vorwürfe und betont, dass die Organisation sich für den Schutz von Minderjährigen und die Einhaltung von Gesetzen engagiert. Sie bezeichnet viele der in Gores Buch enthaltenen Aussagen als Fehler, Verzerrungen oder unbegründete Anschuldigungen.

Die offizielle Opus‑Dei‑Webseite hat zudem eine ausführliche Replik zu Recherchen und Behauptungen veröffentlicht, in der sie den Kontext vieler Aussagen ihres Kritikers darlegt.

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