SVP
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Le conseiller d'etat neuchatelois Yvan Perrin lors d'une conference de presse symbolisant la reprise de son activite politique suspendue le 6 mars dernier pour des raisons de maladie, photographie ce mardi 22 avril 2014 a La Montagne de Butte. La conference portait sur la planification des eoliennes dans le canton de Neuchatel. (KEYSTONE/Sandro Campardo)

Die Zuversicht hielt nicht lange: Yvan Perrin bei der Pressekonferenz am 22. April, als er in die Regierung zurückgekehrt ist. Bild: KEYSTONE

Burnout

Das Drama um SVP-Politiker Yvan Perrin

Wiederholt liess sich der Neuenburger Regierungsrat in eine Klinik einweisen – ein Niedergang in fünf Akten.

Daniel Fuchs / Aargauer Zeitung

Ein Artikel der

In der Westschweiz ist der 47-jährige SVP-Mann Yvan Perrin eine Ausnahmeerscheinung. Das betrifft sowohl den Beginn der Politkarriere des ehemaligen Drogenfahnders und Polizisten als auch das wegen Depressionen und Alkoholproblemen drohende Ende an der Spitze des Kantons Neuenburg. 

Akt 1 – Einzug in den Nationalrat 2003: Fast im Alleingang hat der bis dahin politisch heimatlose Yvan Perrin eine Neuenburger SVP-Sektion auf die Beine gestellt. Politisiert durch das grossmehrheitliche EWR-Ja seiner Mitbürger von 1992, hatte er im proeuropäischen Kanton nie eine politische Heimat gefunden. Bei den Wahlen von 2003 fügt die neu gegründete Partei den Liberalen und den Freisinnigen eine historische Niederlage zu. Perrin selber wird erster SVP-Nationalrat Neuenburgs. Später soll er als Vizepräsident der SVP Schweiz das Terrain für die Volkspartei in der Romandie beackern.

Perrin ist beliebt. Als Drogenfahnder bei der Neuenburger Polizei setzt er sich auch in der Politik für Recht und Ordnung ein. Seine Bodenständigkeit kommt bei den Wählern an. So etwa, als er sich mit einer Elektroschockpistole publikumswirksam «tasern» lässt. Perrin geht zu Boden, drei Sekunden später steht er wieder da, noch zittrig die Hand. Die Taser-Pistole setzt sich in mehreren Kantonen durch, Perrin erholt sich ganz vom Stromstoss – bis die Psyche ihn erneut zu Boden wirft. 

Akt 2 – Das Burnout von 2010: Im Januar diagnostiziert der Arzt bei Yvan Perrin ein Burnout. Zuvor hat er sich tagelang in seinem Haus in La Côte-aux-Fées, zuhinterst im Val de Travers, eingebunkert. Seine Assistentin schlug Alarm, Perrins Onkel fand ihn im Bett. Danach tritt Perrin kürzer. Er gibt seine Stelle als Drogenfahnder auf und auch vom Vizepräsidium der SVP zieht er sich zurück. Seine politische Zukunft sieht er sowieso im Neuenburger Staatsrat. Perrin bleibt populär, diverse Skandale in der Neuenburger Regierung versprechen der SVP und ihrem Aushängeschild Aussicht auf Erfolg. Yvan Perrin kandidiert trotz psychischer Probleme und einem in der Zwischenzeit eingeräumten Alkoholproblem für die Regierungswahlen 2013.

Akt 3 – Der Zusammenbruch an Weihnachten 2012: Nachdem ihn die Neuenburger SVP-Sektion im November 2012 zu ihrem Regierungskandidaten nominiert hat, erleidet Yvan Perrin im Dezember 2012 einen Zusammenbruch. Wiederum schliesst sich der SVP-Kandidat zu Hause ein, bis Notfallärzte einschreiten müssen und ihn ins Krankenhaus bringen. Perrin hat drei Promille intus, ist verwirrt und hat Mühe, sich auszudrücken. Zu Hause stehen leere Alkoholflaschen herum sowie Psychopharmaka, wie welsche Medien später schreiben.

Nach seinem Krankenhausaufenthalt und der Hilfe eines Psychiaters geht Perrin in die Offensive: Er gibt zu, wegen «beruflichem Stress» zur Flasche und zu den Medikamenten gegriffen zu haben. Weder er noch seine Partei ziehen aber die Notbremse. Das Neuenburger Stimmvolk ist von Perrins Ehrlichkeit sowie seinem Mut angetan und wählt ihn im April letzten Jahres zum ersten SVP-Regierungsmitglied des Kantons. 

Akt 4 – Der Rückfall: Nicht einmal ein Jahr im Amt, legt Perrin am Neuenburger «Premier Mars» dieses Jahres einen denkwürdigen Auftritt hin. Die Feier zu Ehren der Ausrufung der Neuenburger Republik von 1848 muss er frühzeitig verlassen. Er räumt ein, in der Nacht zuvor wiederholt zur Flasche gegriffen zu haben, lässt sich krank schreiben und begibt sich in eine Klinik. Seine Regierungskollegen übernehmen Perrins Amtsgeschäfte bis zum 22. April. 

Auch nach seiner Rückkehr reissen die Gerüchte und Anzeichen um Perrins schlechten Gesundheitszustand nicht ab. Am 31. Mai fehlt er unentschuldigt an der 200-Jahr-Feier zu Genfs Eintritt in die Eidgenossenschaft. 

Akt 5 – Ein Rücktritt steht zur Diskussion: Am Donnerstag dieser Woche erscheint Yvan Perrin nicht bei der Arbeit und lässt ausrichten, dass er sich erneut habe hospitalisieren lassen. Gestern nun verteilen seine vier Amtskollegen Perrins Amtsgeschäfte erneut. Eine Frist für die Rückkehr des SVP-Staatsrats wird nicht bekannt gegeben. In einer Mitteilung drückt die Regierung ihr Mitgefühl aus «für das menschliche Drama, das Perrin durchleben muss».



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    Alle Leser-Kommentare
  • Chamudi 14.06.2014 13:20
    Highlight Highlight Ein Burnout ist eine echt schlimme Sache. Damals, wenn einer meiner Kader-Angestellten von Work Life Balance gesprochen hat, oder von Burnout sprach, habe ich verständnisvoll genickt und dann sofort den Headhunter kontaktiert und Ersatz für diese Person gesucht. Bis es mich dann selbst erwischt hat! Vier Monate Klinik mit vielen Therapien (war super) und dann nach Hause. Jetzt, drei Jahre später sind meine kognitiven Fähigkeiten noch immer nicht wieder vollständig hergestellt. Es ist ein Teufelskreis.

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