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Heinz Brand und Parteikollegin Martullo-Blocher am 18. Oktober.<br data-editable="remove">
Heinz Brand und Parteikollegin Martullo-Blocher am 18. Oktober.
Bild: KEYSTONE

Begegnung mit dem aussichtsreichsten SVP-Kandidaten Heinz Brand: «Knüttelhart – nur ein Etikett»

Über die Begegnung mit Heinz Brand, dem aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge von Eveline Widmer-Schlumpf.
06.11.2015, 08:3102.12.2015, 14:56
Max Dohner, Parpan / Aargauer Zeitung

Haben wir am Mittwochabend in Parpan den neuen Bundesrat gesehen?

Mutmasslich. Entscheiden wird die Bundesversammlung, selbstverständlich; das lehrt der Staatskundeunterricht. Bis dahin mischen freilich noch einige «Strategen» das Spiel auf. Als Stratege gibt man sich dadurch zu erkennen, dass man sich «nicht in die Karten schauen lässt». Und vielsagend lächelt mit verschraubtem Mund.

Das ist in Parpan nicht anders, im Rahmen einer SVP-Parteiversammlung. Trotzdem spielen da auch unsichtbare Gestalten mit, politische Parzen sozusagen. Es geht national darum, für Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf einen Nachfolger zu finden. Dafür wurden lokal Schicksalsboten vor vierzig Jahren schon aktiv.

Parzen sind Jahre egal. Was sie einfädeln, folgt keiner Strategie, nur der Verspieltheit des Schicksals. Und nicht selten boshafter Ironie. Darauf müssen wir zurückkommen. Vorher aber mit jenem Mann reden, von dem wir annehmen, dass er Bundesrat wird – Heinz Brand (60).

«Wir wissen, wo dein Auto steht»

Die Nationalhymne wird ab PC-Beamer gesungen, dennoch eiert das Ende aus. Das Säli im «Stätzerhorn» ist gesteckt voll, Delegierte nehmen auch im Vorraum Platz. Dem fremden Reporter sagt jeder zweite, dass man sein Auto mit AG-Nummer gesehen habe.

Brand ist Parteipräsident; ihn kennen alle, wie auch seine Autos (BMW+Mini). Die Stimmung ist animiert; bei den Nationalratswahlen hat die neue SVP Graubünden mächtig aufgetrumpft. Noch süsser als der Sieg gegen die BDP, ist der Sieg gegen die Liberalen, die FDP. Jetzt sei die SVP klar Graubündens Wirtschaftspartei in Bern, sagt Brand.

«Ich halte ausdrücklich fest: Noch sind beide Optionen offen.»
Heinz Brand

«Die Lage ist gut, alle Möglichkeiten stehen offen.» Sagt der aussichtsreichste Kandidat auch. Sagt es unter vier Augen, ohne mit der Wimper zu zucken. «Herr Brand, Sie wollten zweimal in die Kantonsregierung, sind zweimal gescheitert. Bundesrat wäre doch der ultimative Traum.»

Brand wiederholt, leise abschätzig, den Ausdruck «ultimativer Traum». Eine törichte Anleihe aus «Glanz&Gloria», der Mann hat Recht. Er liest gerade Thomas Manns «Zauberberg»; da darf man empfindlich sein.

Geantwortet hat Brand deswegen noch immer nicht. «An den Bundesrat dachten wir nie», sagt er und zuckt erneut nicht mit der Wimper. Schaut während des Gesprächs, das drei Viertelstunden dauert, dem Frögli stets direkt in die Augen. Ein ausgezeichneter Kartenspieler.

Ein ausgezeichneter Kartenspieler: Brand wird fürs TV gepudert.<br data-editable="remove">
Ein ausgezeichneter Kartenspieler: Brand wird fürs TV gepudert.
Bild: KEYSTONE

«Er liebt die Presse», jubelt ein Besucher der Versammlung.

Dann sagt Brand auch drin im Säli: «Ich halte ausdrücklich fest: Noch sind beide Optionen offen.» Nämlich Brand auf den Schild zu heben oder nicht. Andrea Davaz, der Parteivize, grinst. Geschlossen sind die Münder, darum bleibt alles offen. «Man kann es doch mit Händen greifen», sagen wir, «Brand will, Brand ist nominiert.»

Wieder lächelt Davaz. «Ich habe intensive Gespräche mit der Familie geführt», sagt Brand. Solche Gespräche sind immer «intensiv». Brands Frau führt in Klosters eine Apotheke, die Tochter ist erwachsen. Was soll hinderlich sein an dieser Situation? «Hat man mit sechzig noch genug Drive?», sagt darauf Brand, habe er sich auch gefragt. Es gibt erheblich ältere Herren in der Politik, weniger sportlich als er.

«Ich habe in den letzten vier Jahren manches Paar Schuhe durchgetreten»
Heinz Brand

«Wenn ich mir vornehme, morgens um fünf joggen zu gehen, hänge ich nicht plötzlich den Weichen raus.» Es sei noch Zeit, jetzt brauche er erst mal einen «gehörigen Tapetenwechsel»; er gehe weg, gehe in sich. Der Ausschuss der Bündner Partei entscheidet in sechs Tagen.

Die Top 10 der möglichen Kandidaten für einen zweiten SVP-Bundesratssitz

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Die Top 10 der möglichen Kandidaten für einen zweiten SVP-Bundesratssitz
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Vier Jahre lang als Bub im Spital

«Ich habe in den letzten vier Jahren manches Paar Schuhe durchgetreten», sagt Brand. «Heinz ist immer im Wahlkampf», lächelt dazu Vize Davaz – also auch jetzt. «Gemessen am Gewicht der anderen», sagt Brand, «sind wir Bündner in Bern eine kleine Macht.»

Doch gerade in Bern ist das Terrain ausserordentlich günstig für Brand. Über die Parteigrenzen hinweg geniesst er einen respektablen Ruf als sachkundiger, an Sachlösungen interessierter, in der Sache indes auch harter Mann.

Glaubt er, dass ihn die «knüttelharte Linie» bei Asylfragen am Ende um die Meriten bringen oder ihn erst recht in den Bundesrat tragen könnte? Erneut wiederholt Brand ein Wort: «Knüttelhart – nur ein Etikett.»

Ein Vierteljahrhundert lang verantwortlich zu sein für den fremdenpolizeilichen Vollzug, zwischenzeitlich dabei das Amt des Chefs der Frepo-Chefs zu bekleiden, «bringt nun mal schwierige Entscheide mit sich», sagt Brand, «so wie man nicht über jeden Toten weinen kann, wenn man neben dem Friedhof wohnt.»

«Das kämpferische Naturell habe ich von meiner Mutter.»
Heinz Brand

Wie oft hat er geweint in der frühen Jugend, als er gewissermassen im Spital wohnte? Bis zwölf verbrachte er vier Jahre vornehmlich im Kinderspital Zürich, einer schweren Nierenkrankheit wegen. Brand erzählt, die Spitalleitung habe ihn mit zehn auch allein in die Stadt gehen lassen, um bei Jelmoli oder Franz Carl Weber die Autorennbahn und die Modellbahn-Loks anzuschauen.

Als Brand neun Monate alt war, verstarb sein Vater. Die Mutter stiess auf ein Geschäft, das sie in Klosters übernehmen konnte, und zog mit dem Einzelkind von Huttwil BE ins Prättigau: «Das kämpferische Naturell», sagt Brand, «habe ich von ihr.»

Mit neunzehn trat Brand der Bündner SVP bei und arbeitete, als Mitglied der Jungpartei, gelegentlich mit einer neuen Kollegin zusammen: Eveline Schlumpf.

Jetzt auf

Seither sind vierzig Jahre vergangen. Beider Wege könnten noch einmal überkreuzt werden, von den Politparzen.

Wenn die im Hintergrund die Fäden ziehen, hilft keine noch so gute Strategie eines Konkurrenten. (aargauerzeitung.ch)

Eveline Widmer-Schlumpf tritt ab: Ihre Karriere in Bildern

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quelle: keystone / arno balzarini
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