Wahlen 2019
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Gerhard Pfister, Nationalrat und Parteipraesident CVP, spricht mit Journalisten nach einem Informationsgespraech der CVP Schweiz zur umstrittenen Online-Negativ-Kampagne ueber Kandidaten anderer Parteien, am Freitag, 20. September 2019, im Bundeshaus in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

CVP-Präsident Gerhard Pfister verteidigt die Kampagne der Partei an einem Hintergrundgespräch. Bild: KEYSTONE

CVP zieht umstrittene Kampagne weiter – und startet am Wochenende Phase zwei

Negativkampagne, Schmutzkampagne, Hetzkampagne: Die CVP musste sich in den letzten Tagen viel anhören zu ihrer Google-Kampagne. An einem Hintergrundgespräch verteidigte sie die Kampagne. Schon am Wochenende wird sie Phase zwei einläuten.

Othmar von Matt / ch media



Sie sei - wie Präsident Gerhard Pfister auch - «völlig überrascht» worden vom Ausmass und der Heftigkeit der Empörung, welche die Google-Kampagne ausgelöst habe, sagt Nationalrätin Andrea Gmür, die im Kanton Luzern für den Ständerat kandidiert.

Dabei war sie im Vorfeld regelmässig über die Kampagne informiert worden. Wie alle Fraktionsmitglieder und auch alle Kantonalparteien. Sie wurden darüber auf dem laufenden gehalten, was die Partei genau plante. In Zusammenarbeit mit der Agentur Enigma, bei der auch Ex-Generalsekretärin Béatrice Wertli arbeitet. Sie hatte die Kampagne aufgegleist, als sie noch CVP-Generalsekretärin war. Bei Enigma tritt sie aber für die CVP-Kampagne in den Ausstand.

«Wir wurden im Vorfeld regelmässig und korrekt über diese Kampagne informiert.»

CVP-Nationalrätin Andrea Gmür

Andrea Gmuer, Nationalraetin CVP, spricht mit Journalisten nach einem Informationsgespraech der CVP Schweiz zur umstrittenen Online-Negativ-Kampagne ueber Kandidaten anderer Parteien, am Freitag, 20. September 2019, im Bundeshaus in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Andrea Gmür: «Es ist eine neuartige Kampagne.» Bild: KEYSTONE

Das bestätigt Nationalrätin Gmür im Anschluss an das Hintergrundgespräch der CVP. «Es ist eine neuartige Kampagne, an die man sich zuerst gewöhnen muss.» Schaue man sie sich «in aller Ruhe» an, stünden da nur zwei Dinge: «Kandidat X kandidiert für Partei Y. Und die Partei vertritt Position Z.» Für sie sei es wichtig, dass die Positionen der Partei mit jener der Person übereinstimmt.

Das sagt Gerhard Pfister zur umstrittenen Kampagne am Freitag. Video: © sda-Video

Das ist der Trick der Kampagne

Ziel der Online-Kampagne ist es, die Positionen der CVP einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen, mit einem provokativen Vergleich der Positionen anderer Parteien. Dafür bereitete die Agentur Hintergrundseiten aller Parlamentsmitglieder vor, die 2019 erneut für den National- oder Ständerat kandidieren.

Wer auf Google zum Beispiel nach «Ruedi Noser» sucht, erhält auf Position eins eine «Anzeige» der Seite www.kandidaten2019.ch. Wer sie anklickt, kommt auf eine Homepage im hell- und dunkelblauen FDP-Design. Erst auf den zweiten Blick - der orange Datenschutzbalken ist ein erster Hinweis - wird klar, dass es sich um eine CVP-Seite handelt.

Bild

Die CVP-Seite zu FDP-Ständerat Ruedi Noser.

«Wie sicher sind unsere Renten in Zukunft», lautet die Frage auf der Seite. Dann kommt der Zürcher Ständerat ins Spiel: «Ruedi Noser kandidiert für die FDP», heisst es weiter. Und: «Die FDP macht sich stark für das Rentenalter 67 für Mann und Frau. Die FDP stellt die individuelle Selbstverantwortung über alles.» In orange steht darunter: «Zeig mir echte Lösungen.» Sie tauchen auf der zweiten Hälfte der Seite auf, mit dem CVP-Logo.

Nachdem Andrea Gmür von ihrer Kantonalpartei auf die Kampagne hingewiesen worden war, hatte sie reagiert. «Ich fand, es gehe gar nicht, dass der Name von Ständerat Damian Müller im Zusammenhang mit der Verwässerung des CO2-Gesetzes erscheint», sagt sie. «Das ist die Position der FDP im Nationalrat. Inzwischen hat die FDP ihre Position nämlich korrigiert. Und Ständerat Müller als Vorreiter beim CO2-Gesetz war massgeblich an dieser Korrektur beteiligt.» Gmür, die mit Müller eine gemeinsame Ständerats-Kampagne macht, erreichte in der Partei eine Korrektur.

So sehen Phasen zwei und drei aus

Schon am Wochenende will die CVP die zweite Phase der Kampagne zünden. Die Suchbegriffe werden ausgeweitet. Nebst den Namen von bekannten Politikern kommen auch Begriffe wie «Gesundheitskosten», «eidgenössische Wahlen» und Parteinamen dazu.

In einer dritten Phase unmittelbar vor den Wahlen vom 20. Oktober will die CVP ihre Inhalte via Facebook potenziellen Wählern zeigen. Wer auf Facebook ist, sich bei der Google-Kampagne für die CVP interessierte und ihre Homepage besuchte, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Facebook CVP-Werbung erhalten. Die CVP selbst sammle aber mit der Kampagne keine Daten, betont man in der Partei. (bzbasel.ch)

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24Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 21.09.2019 06:35
    Highlight Highlight Kritik an anderen Parteien ist normaler Wahlkampf. Die Google-Links zu den anderen Kandidat*innen sind aber höchst unfair.
  • Grobo 21.09.2019 01:38
    Highlight Highlight Manipulation pur.
    Die Wähler sind immer die Dummen, denn sie haben von von den machtpolitilischen Spielchen keine Ahnung.
  • irairata 20.09.2019 23:41
    Highlight Highlight Erstaunlich, dass keine andere Partei Wahlkampf 2.0 zu machen scheint und sie sogar so entsetzt sind, dass man es Ihnen erklären und die weiteren Phasen ankündigen muss... 🤔
  • Cas 20.09.2019 22:41
    Highlight Highlight Online Marketing clever eingesetzt!
    Mag die CVP trotzdem nicht ;-)
    • Scaros_2 21.09.2019 00:54
      Highlight Highlight Welches Marketing? Diese Anzeigen übersehe ich stets weil ich nicht auf Links reagiere die mit "Anzeige" deklariert sind. Insofern nichts erreicht bei mir. Und vermutlich vielen anderen IT affinen Menschen.
  • jackhammer 20.09.2019 22:03
    Highlight Highlight
    Play Icon
  • In vino veritas 20.09.2019 21:38
    Highlight Highlight Gerade als Mittepartei müsste man doch den potenziellen Wählen einhämern, dass man mit ihr einen guten Kompromiss wählt. Die SVP steht für die "Schweiz", die FDP für die Wirtschaft, die SP für den Sozialismus und die Grünen für den Umweltschutz! Jeder weiss wofür sie stehen. Die CVP hat diesen Luxus nicht. Wie auch, wenn man keine klare Linie verfolgt. Das einzige was ich von der CVP weiss ist, dass sie die Partei der christlichen Bubenschänder ist und die Trennung von Staat und Kirche bekämpft. Das reicht mir, um sie nicht zu wählen!
    • michiOW 21.09.2019 19:26
      Highlight Highlight Wow, Sie haben wirklich keine Ahnung von der CVP.
  • sa5 20.09.2019 20:50
    Highlight Highlight Damian Müller betreibt Windfahnen-Politik. Letztes Jahr schrieb er im Hitzkirchertaler das er sich primär für die zeitnahe Ausschaffung abgewiesener AsylbewerberInnen einsetzen würde. Dieses Jahr will er den Umweltschutz erfunden haben.

    Egal ob CVP oder FDP, beide haben keine klare Linie. Im Kanton Luzern wird man bei CVP oder FDP Mitglied um leichter an Aufträge und Posten zu kommen. Wer keinen Platz im Arbeitsmarkt hat, der versucht es mit dem Parteibuch. Klappt meistens und die Steuerzahler dürfen dann die Mehrkosten durch Inkompetenz berappen.
    • Ziasper 20.09.2019 22:14
      Highlight Highlight Die Zeiten ändern sich fortlaufend, nur schlechte Politiker beharren auf ihre Ideologien und weigern sich ihre Linie anzupassen.
    • sa5 21.09.2019 11:07
      Highlight Highlight @Ziasper
      Ändern aus Erfahrung und reichlicher Überlegung ist was anders als fortlaufend die eigenen Positionen und Überzeugungen zeitnah den Umfragewerte und dem Zeitgeist anpassen.
      Jahrzehntelang das hohe Lied des Marktradikalus singen, den Umweltschutz als Hemmnis bekämpfen und dann als strahlender Klimaretter dastehen wollen, kann als dreist empfunden werden.
      Einmal "Fuck the Planet Partei" immer " Fuck the Planet Partei" oder zumindest sehr lange.
  • hämpii 20.09.2019 20:34
    Highlight Highlight Naja, wer selbst keine wichtigen Positionen zu vertreten hat, versuchts halt mit Wurm-Plakaten, oder klaut die Ideen bei anderen Parteien...
  • Optimistic Goose 20.09.2019 19:14
    Highlight Highlight Nachdem Andrea Gmür schon parteiintern umstritten ist, vergrault sie damit eigene WählerInnen und FDPler. Für sie ists wohl gelaufen.
  • Pointer 20.09.2019 19:05
    Highlight Highlight Wichtiger als das Wie und das Warum wäre jetzt zu wissen, ob denn die Versprechen der CVP auch etwas nützen: Sind sie handfest oder auch nur wischiwaschi, sind sie sinnvoll und umsetzbar usw?
    Liebe Medien, macht den Faktencheck und holt die CVP mit nachfragen aus der Reserve!
  • trio 20.09.2019 18:52
    Highlight Highlight Die Kampagne ist ziemlich gut, wählbar wird die CVP für mich trotzdem nicht.
    • Pointer 20.09.2019 19:29
      Highlight Highlight In meinem Wohnkanton spielt die CVP eine so kleine Rolle, da kann man sie gar nicht durch Nichtwählen abstrafen.
    • Pafeld 20.09.2019 20:26
      Highlight Highlight Glückspilz. In meinem ehemaligen Wohnkanton ist die CVP Nr.1 und dermassem mafiös verfilzt, dass noch nicht einmal der Satan persönlich uns von der CVP befreien könnte. Selbst wenn er die Erde auftut und die kantonale Parteifiliale mit Stumpf und Stiel verschliengen würde.

      Heute ist ans Licht gekommen, dass die CVP mit Nationalrat Ida Glanzmann die staatlich finanzierte Pro Senectute als Gratiswahlkampfvehikel für sich und ihre Partei missbraucht. Huntertausende Rentner haben das gefällige Interview direkt nach Hause geschickt bekommen. Das ist mal ein Skandal.
  • D-licious 20.09.2019 18:48
    Highlight Highlight Ich finde die Kampagne nicht mal sooo tragisch. Viel schlimmer ist für mich, dass wir dank der CVP mit grösster Wahrscheinlichkeit nochmals über die unsägliche Ehedefinition abstimmen müssen. Dies ging letzte Woche vor lauter Empörung über die Kampagne völlig unter.
  • Clife 20.09.2019 18:32
    Highlight Highlight Ich krieg jetzt schon dauernd CVP Werbung auf Facebook...das immer wieder, obwohl ich die verberge und ignoriere 😂 Mit Werbung kann man mich leider nicht gewinnen. Nur mit der richtigen Ideologie. Leider sehe ich mehr Werbung als Ideologie, daher weiss ich, wen ich NICHT wählen werde
  • Stambuoch 20.09.2019 18:15
    Highlight Highlight Hätte nie gedacht, dass wir von der CVP lernen werden, wie Wahlkampf 2.0 geht...da hat eine Partei ihre digitalen Hausaufgaben gemacht.
    • Andi Weibel 20.09.2019 21:38
      Highlight Highlight Nein, so funktioniert digitaler Wahlkampf nicht. Die Leute in der Schweiz sind clever genug, um sich nicht von solchen Fake-Webseiten reinlegen zu lassen.
    • michiOW 21.09.2019 19:29
      Highlight Highlight @Andi
      Unter Fake verstehe ich etwas anderes...
  • Magnum 20.09.2019 18:00
    Highlight Highlight Was die CVP nicht wahrhaben will: Wer sich als Hohepriesterin des gutschweizerischen Kompromisses und als Brückenbauerin vom Dienst aufspielt, sollte im Wahlkampf die eigenen Qualitäten herausstreichen und nicht andere anpflaumen.

    Aber nur weiter so, unter 10 Prozent ist mir die CVP am liebsten, so lange Pfister dort das Sagen hat.
  • Posersalami 20.09.2019 17:58
    Highlight Highlight Die Kampagne soll den Wähler einfach nur verarschen. Als könnte man nicht herausfinden, wofür Person X oder Partei Y steht. Hoffe das kostet sie weitere Wähler!

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