Nordkorea

Video zeigt dramatische Flucht von nordkoreanischem Soldaten

22.11.17, 06:24 22.11.17, 09:12

Nach der Flucht eines nordkoreanischen Soldaten nach Südkorea hat das US-geführte Kommando der Vereinten Nationen (UNC) einem anderen nordkoreanischen Soldaten vorgeworfen, bei der Verfolgung des Überläufers Südkoreas Grenze verletzt zu haben. Das UNC veröffentlichte am Mittwoch die Bilder einer Überwachungskamera, die nach seinen Angaben die Flucht des nordkoreanischen Soldaten am 13. November im Grenzort Panmunjom zeigen.

In dem knapp sieben Minuten langen Video ist zu sehen, wie der Überläufer zunächst in einem Militärjeep nahe an die Grenze heranfährt, steckenbleibt, aussteigt und zu Fuss weiter flieht. Dabei wird er von mehreren nordkoreanischen Soldaten verfolgt, von einem sogar bis über die militärische Demarkationslinie. Nach ein paar Metern dreht sich der Verfolger um und kehrt nach Nordkorea zurück.

Der geflohene nordkoreanische Soldat war von seinen Verfolgern durch Schüsse schwer verletzt worden. Drei südkoreanische Soldaten zogen den Verletzten mit vereinten Kräften auf die südliche Seite der Grenze.

UNC-Sprecher Chad Carroll sagte vor Journalisten, eine «gründliche» Untersuchung habe ergeben, dass die Schüsse über die Demarkationslinie und der Grenzübertritt des nordkoreanischen Verfolgers eine Verletzung des Waffenstillstandsabkommens zwischen Südkorea und Nordkorea von 1953 darstelle. Das UNC habe «ein Treffen beantragt, um unsere Untersuchung (des Vorfalls) zu besprechen sowie Massnahmen, um solche Verletzungen (der Grenze) künftig zu verhindern».

Nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap wurde der nach Südkorea geflüchtete Soldat zwei Mal operiert und kam danach wieder zu Bewusstsein. Sobald es sein gesundheitlicher Zustand zulässt, soll der Nordkoreaner in vier oder fünf Tagen befragt werden, erklärte der Regierungsvertreter am Dienstag.

Deutliche Zunahme der Spannungen

Es kommt sehr selten vor, dass nordkoreanische Soldaten in Panmunjom nach Südkorea überlaufen. Es ist der einzige Grenzabschnitt, an dem sich die Soldaten beider Länder von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen.

Blick von Nord- nach Südkorea in Panmunjom: Der Ort liegt in der demilitarisierten Zone und ist der einzige Ort, in dem sich die beiden Länder Auge in Auge gegenüberstehen. Der Ort kann - unter grossen Sicherheitsvorkehrungen - auch von Touristen besucht werden. Bild: AP/AP

Die Spannungen zwischen Südkorea und Nordkorea haben in den vergangenen Monaten wegen Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm deutlich zugenommen. (meg/sda/afp)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 22.11.2017 10:05
    Highlight Cool, das Soziregime.

    Toleranz vom Feinsten.
    23 43 Melden
  • Nuka Cola 22.11.2017 09:30
    Highlight Ich muss sagen, ich hätte jetzt gedacht, dass das dort tag täglich geschieht, also das Leute von Nord- nach Südkorea fliehen. Ist dem wirklich nicht so?
    5 33 Melden
    • Gelöschter Benutzer 22.11.2017 10:05
      Highlight WTF?! Im Grenzstreifen zwischen verfeindeten Armeen soll man täglich flüchten?

      Kennst du Bildung bzgl. Berliner Mauer oder musst du hoffentlich noch in die RS??!
      35 16 Melden
    • demokrit 22.11.2017 10:43
      Highlight Kann man schon machen, mit einem Überleben ist i.d.R. nicht zu rechnen.
      47 0 Melden
    • jen23 22.11.2017 11:19
      Highlight Praktisch alle flüchten über die chinesische Grenze. Von dort aus müssen sie aber weiter, da China sie deportieren würde, wenn man sie entdeckt. Die meisten versuchen nach Vietnam, Laos oder Thailand zu kommen, wo sie in einer Südkoreanischen Botschaft Asyl beantragen können.
      16 0 Melden
    • Nuka Cola 22.11.2017 11:27
      Highlight Gerade wegen der Berliner Mauer musste ich daran denken.

      Dort wurden ja auch diverse Fluchtversuche unternommen, trotzt Hunden, Gewehren, Minen und Stacheldraht.
      4 9 Melden
    • Nuka Cola 22.11.2017 16:27
      Highlight @jen23, danke für die Auskunft, war mir nicht bekannt.
      5 2 Melden
  • Mitsch 22.11.2017 08:54
    Highlight Irgendwie hoffe ich, dass diese "Verletzung des Waffenstillstandsabkommens" nicht genau der Tropfen wird, der das bereits übervolle Fass zum überlaufen bringt.

    Das ist weder der erste, noch der letzte Deserteur in Nordkorea - bloss "zufälligerweise" der Erste der mit Bildmaterial medienwirksam ausgeschlachtet werden kann. Bin ich der Einzige, der das Timing dieses Vorfalls etwas zu "passend" findet?
    29 65 Melden
    • durrrr 22.11.2017 09:45
      Highlight Du hoffst also darauf, dass in Nordkorea schön alles beim Status Quo bleibt und die Menschen weiterhin unterdrückt, eingesperrt und in Lager deportiert werden?? Der Pazifismus hat mMn irgendwo Grenzen...
      50 17 Melden
    • Mitsch 22.11.2017 10:01
      Highlight Nein, im Gegenteil. Woraus Du das liest ist mir rätselhaft.

      Um's mal umzudrehen: Du hoffst also darauf, dass der dicke blonde Herr mit den kleinen Händen ennet des Teichs irgendwann genug Gründe zusammen hat das Problem nachhaltig zu lösen?

      Pazifismus hat eine Grenze, bin ich voll bei Dir - so dychotom dass ich nur schwarz/weiss denken kann bin ich aber zum Glück auch nicht.

      Ich traue aber keinem der Hauptakteure auch nur ansatzweise genug gesunden Menschenverstand zu, um zu denken dass das "gut kommt".
      26 7 Melden
    • Echo der Zeit 22.11.2017 10:36
      Highlight Es werden andauernd Dokus über Nordkorea veröffentlicht - auch zu Teil sehr interessant wie Privat Personen Natels, Computer usw... von der Chinesischen Grenze nach Nordkorea rüber Schmuggeln - zum Teil unter grosser Gefahr.
      18 1 Melden
    • Asmodeus 22.11.2017 12:25
      Highlight Es würde mich schon nicht wundern wenn dieser Vorfall nun ausgenutzt würde um endlich in Nordkorea einmarschieren zu können.

      Aber ich schätze nicht einmal Trump so dämlich ei.... wo war ich grade?
      7 6 Melden
    • Warumdennnicht? 22.11.2017 13:14
      Highlight Die Bilder wurden ha von Überwachungskameras aufgenommen. Glaubst du, dass diese nicht eingeschaltet sind an so einem Ort?
      Logisch das es gefilmt wird.
      Und Nein. Die ganze Grenze ist nicht übersäät mit Kameras. Daher auch logisch das die meisten Fluchtversuche nicht festgehalten worden sind.
      5 1 Melden
    • durrrr 22.11.2017 13:46
      Highlight Wer die Kim-Tyrannei letzten Endes stoppt interessiert mich nur am Rande. Ob dies nun Trump, China asiatiatische Militärverbände oder das A-Team ist! Immer noch besser als die Bevölkerung mit unnützen Sanktionen immer noch mehr zu geisseln und weiterhin nordkoreanische Funktionäre in der UNO zu hofieren. Und anderen "SchwarzWeiss-Denken" vorzuwerfen ist übrigens meistens nur die Flucht vor der eigenen Inkompetenz ;)
      7 5 Melden
    • Mitsch 22.11.2017 14:39
      Highlight @durrrr

      Danke für diese kompetente Psychoanalyse - beeindruckend ;-)!

      Es geht hier nicht um die Tyrannei eines Einzelnen, sondern am Ende um das Überleben eines ganzen Volkes.

      Sie kennen sich ja offenbar gut aus. Ist der sichere Tod als menschliches Schutzschild für einen Tyrannen besser als der eventuelle Tod wegen Unterernährung? Im Kriegsfall stünde das Volk nämlich genau zwischen "Befreiern" und "Regierungstreuen" und wäre wieder DER grosse Verlierer in einem offenen Krieg, für den KEINER im Volk etwas kann.
      7 6 Melden
    • Echo der Zeit 22.11.2017 15:09
      Highlight @Mitsch - Sie müssen wissen was das Beste ist für das Nordkoreanische Volk - Ich höre ihren Vorschlag -
      3 3 Melden
    • Mitsch 22.11.2017 17:02
      Highlight @ Echo der Zeit

      Ich glaube man muss keine Lösung haben um zu erkennen, dass gewisse Ideen keine Lösung sind.

      Wie wäre es mit: Aufhebung der bestehenden Sanktionen unter der Bedingung dass das Atomprogramm unter internationale Kontrolle gestellt wird und die Arbeits- und Umerziehungslager sofort geschlossen werden (kontrolliert durch die UNO oder wen auch immer). Das hilft dem Volk und der Welt kurzfristig am Meisten.

      Ich könnte mir vorstellen, dass ein sattes Volk dann relativ schnell merkt, wem es das Leiden der letzten Jahrzehnte verdankt und dass dann die Revolte von innen käme.
      3 4 Melden
    • Echo der Zeit 22.11.2017 20:43
      Highlight Ideale Lösung gibt's gar nicht in einer solchen Situation - Sie ist einmalig, ein Volk das so Isoliert ist und schon so lange unter der Knute dieser Regierung (Familie?) steht. Ihr Vorschlagt ist ein Toller Poker für denn Dicken Kim, da Passiert gar nichts - Das Spiel läuft schon Lange. Das Einschmuggeln von Informationen finde ich eine sinnvolle sache.
      1 1 Melden
  • SESA 22.11.2017 08:46
    Highlight Kann mir jemand auf die Sprünge helfen beim letzten Bild. Das Gebäude auf dem Foto liegt schon auf der Seite von Südkorea?
    7 1 Melden
    • Schneider82 22.11.2017 09:39
      Highlight Die Grenze verläuft in der Mitte der blauen und grauen Baracken. Ein Soldat aus NK hat die Grenze somit für einige Sekunden überquert.
      23 0 Melden
    • Anded 22.11.2017 16:36
      Highlight Das Auto blieb im Norden stecken. Aber nach wenigen Schritten war de Flüchtling schon über der
      Grenze. Er war schon auf der Südseite, als er angeschossen wurde, was wohl weitaus gravierender ist, als der kurze Grenzübertritt des einen Verfolgers (welcher erst nach den Schüssen geschah).
      5 0 Melden
  • Karl Müller 22.11.2017 08:14
    Highlight Das Alkoholverbot scheint schon erste Auswirkungen zu zeigen ...

    https://www.watson.ch/!351256520
    50 11 Melden

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