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Die 18-jährige Influencerin Laura Sophie hat sich bereits öffentlich entschuldigt für ein Video. screenshot: youtube

«Erklärvideos» zum dritten Weltkrieg verstören Tiktok-User – das steckt dahinter

Die populäre Smartphone-App Tiktok schüre mit fragwürdigen «Erklärvideos» zur Iran-Krise die Angst bei Jugendlichen. Kritische Stimmen blieben ungehört.



«Der dritte Weltkrieg steht vor der Tür, das haben wir mittlerweile alle verstanden.»

Tiktok-User BarooTV

Was ist passiert?

Bei jungen Smartphone-Usern kursieren Ängste vor einem neuen weltumspannenden Krieg, wie deutsche Medien berichten. Hauptsächlich betroffen seien User der chinesischen Tiktok-App. Aber auch bei den amerikanischen Social-Media-Plattformen gingen angeblich die Wogen hoch.

Der Hashtag #WWIII sei am Wochenende bei Twitter stundenlang als «Trending» geführt worden. Auf Tiktok seien entsprechend getaggte Videos vielfach im Empfehlungsbereich «For You» angezeigt worden. Soll heissen, die Empfehlungsalgorithmen sind für die Panikmache verantwortlich.

Bei Tiktok wurde der Hashtag #3weltkrieg in den letzten Tagen 4,5 Millionen Mal aufgerufen, schreibt welt.de (Artikel zunächst verfügbar, jetzt hinter Paywall). Wer auf ein solches Video klicke, bekomme automatisch ein halbes Dutzend weiterer Warnrufe zur Ansicht empfohlen. So entstehe eine Meinungsblase, die unkritische Jugendliche schnell von der Stichhaltigkeit der Botschaft überzeugen könne.

Das wohl meistgesehene deutsche Video zum Thema veröffentlichte vor einer Woche die 18-jährige Influencerin Laura Sophie aus München. Sie warnte ihre 2,2 Millionen Abonnenten vor einem kommenden Atomkrieg und wurde dafür von älteren Internet-Usern massiv angefeindet, wie nun bento.de berichtet.

Angeblich mussten Eltern ihre Kinder beruhigen, die plötzlich Lebensmittel horten oder nicht mehr an Ausflügen mit der Klasse teilnehmen wollten. Kritische Stimmen, die auf die Panikmache hinwiesen, seien ungehört geblieben.

Die 18-jährige Influencerin krebste wegen der Kritik zurück, entfernte das Video und entschuldigte sich öffentlich.

Innert kurzer Zeit sei aus der halb-ernsten Diskussion um einen dritten Weltkrieg ein Meme geworden, das in klassischen Medien tagelang keine Rolle spielte, hält bento.de fest.

Was tut Tiktok?

Eindeutig zu wenig, laut den deutschen Medienberichten.

Tiktok moderiere die Nachrichten vom drohenden Weltkrieg bislang nicht, hält welt.de fest. Gefälschte Nutzerkonten wie @donald.trump.officiall könnten darum Hetzbotschaften unwidersprochen verbreiten.

Weder habe Iran nach dem bisherigen Kenntnisstand Atomwaffen, noch seien Nato-Bündnispartner verpflichtet, im Falle eines Krieges mitzukämpfen, hält bento.de fest.

Ein Besuch bei tiktok.com/trending am frühen Montagmorgen ergab keinerlei Hinweise auf Panik oder Hysterie bei jugendlichen Smartphone-Usern. Im Gegenteil. Populär waren die üblichen Selbstdarstellungs- und Jux-Videos.

Wie gross ist deine Angst vor dem dritten Weltkrieg?

Ist es bei Facebook und Co. besser?

Angeblich nicht, laut den alarmierend klingenden deutschen Medienberichten.

Auch alle grossen amerikanischen Social-Media-Plattformen hätten zur rasanten Verbreitung der User-Hysterie beigetragen. Auch auf Twitter und auf Facebook seien die Videos vom angeblichen Weltkriegsausbruch online geblieben.

Die deutschen Tiktok-Influencer seien Teil einer globalen Panikwelle in diversen sozialen Netzwerken, die nach dem Drohnenangriff auf den iranischen General Ghassem Soleimani begann und nach dem mutmasslichen Abschuss eines Passagierjets an Fahrt gewann, schreibt welt.de.

Twitter habe zudem diese Woche angekündigt, seinen Usern eine neue Sperrfunktion anzubieten: Künftig können Tweet-Verfasser festlegen, wer auf ihre Botschaften antworten darf. Wer Panik und Hetze unwidersprochen verbreiten wolle, müsse künftig nur den entsprechenden Haken setzen.

(dsc)

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