Schweiz
Gesundheit

Messerangriff in Winterthur: Experte erklärt Situation in Psychiatrien

Warum kam der Verdächtige aus der Klinik? Experte erklärt, warum die Lage schwierig ist

29.05.2026, 09:4229.05.2026, 09:47

Nach dem Messerangriff in Winterthur vom Donnerstag gibt es diverse offene Fragen. Eine davon ist, warum der mutmassliche Täter einen Tag vor der Tat aus einer psychiatrischen Klinik entlassen werden konnte. Der Sicherheitsdirektor des Kantons Zürich, Mario Fehr (parteilos), bezeichnete dies als «offensichtliche Fehleinschätzung».

epa12999754 A police car parked outside the railway station in Winterthur, Switzerland, 28 May 2026. According to the Zurich regional police, a 31-year-old Swiss national stabbed and injured three peo ...
Beim Messerangriff in Winterthur wurden drei Personen verletzt.Bild: keystone

Wie konnte es also dazu kommen? Der Psychologe und Forensiker Jérôme Endrass versteht die Kritik am Entscheid der Winterthurer Psychiatrie, den späteren Messerstecher freizulassen. Er weist jedoch darauf hin, dass die Lage nicht so simpel sei.

«Die fürsorgerische Unterbringung hat im Kern vor allem eine Aufgabe, und das ist zu prüfen, dass keine Selbstgefährdung vorliegt», sagt er gegenüber Radio SRF. Die Fremdgefährdung sei implizit darin enthalten, aber nicht Teil des Gesetzestextes, wenn es um die fürsorgerische Unterbringung gehe.

Eingeschränkte Infos für Psychiater

Weiter erklärt er, dass Psychiater weniger Informationen haben als Forensiker. «Natürlich war die Einschätzung im Nachhinein gesehen fehlerhaft», sagte der stellvertretende Leiter des Zürcher Amts für Justizvollzug und Wiedereingliederung. Man müsse aber bedenken, dass Psychiater in der Regel relativ wenig Dokumentation über die Patienten, insbesondere keinen Einblick in Strafakten oder das Vorstrafenregister, hätten. Ob dies noch zeitgemäss sei oder der Informationsaustausch besser werden müsse, sei Sache der Politik.

Weiter erklärt Endrass, wie wichtig das Thema der psychischen Gesundheit sei. So seien Einzeltäter mit psychiatrischen Problemen im Bereich des Extremismus eindeutig die derzeit grösste Gefahr.

Die Integrierte Psychiatrie Winterthur (ipw) kündigte an, eine externe Administrativuntersuchung in die Wege zu leiten. Der mutmassliche Täter war in der Klinik als «nicht selbst- und fremdgefährdend» eingestuft worden.

Der 31-jährige vorbestrafte Islamist hatte sich erst am Montag in verwirrtem Zustand bei der Polizei gemeldet. Diese wies ihn über eine fürsorgerische Unterbringung in die Psychiatrie ein. Am Mittwoch durfte der Mann die Klinik verlassen. Am Tag darauf stach der mutmassliche Täter am Winterthurer Bahnhof auf drei Passanten ein. (dab/sda)

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Die beliebtesten Kommentare
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mMn
29.05.2026 10:28registriert September 2020
"Die Fremdgefährdung sei implizit darin enthalten, aber nicht Teil des Gesetzestextes, wenn es um die fürsorgerische Unterbringung gehe."

"Psychiater in der Regel relativ wenig Dokumentation über die Patienten, insbesondere keinen Einblick in Strafakten oder das Vorstrafenregister, hätten."

Da sind die Aufgaben, die die Politik lösen sollte! Und nicht blinden, undifferenzierten Rassismus schüren oder die Schuld unbescholtenen Steuerzahlern in die Schuhe schieben, nur weil sie keinen CH-Pass haben oder in eine "falsche" Religionsgemeinschft geboren wurden.
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dega
29.05.2026 10:24registriert Mai 2021
"Die Fremdgefährdung sei implizit darin enthalten, aber nicht Teil des Gesetzestextes, wenn es um die fürsorgerische Unterbringung gehe."

ASAP nachbessern Bundesbern. Danke!
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humbahumba
29.05.2026 10:14registriert August 2021
Solange die psychiatrischen Kliniken systematisch unterversorgt bleiben, sind leider auch solche Taten häufiger. Kerzers und jetzt Winterthur: Es bleibt nur die Hoffnung, dass es dieses Jahr nicht noch weitere Anschläge gibt.
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