Schweiz
Gesundheit

Herzchirurg Thierry Carrel äussert sich zu Todesfällen im USZ

Der Luzerner FDP Nationalratskandidat Thierry Carrel posiert dem Fotografen anlaesslich einer Delegiertenversammlung der FDP Luzern vom Donnerstag, 24. August 2023 im Pfarreizentrum in Wilisau im Kant ...
Thierry Carrel war von 2021 bis 2022 stellvertretender Leiter der Herzchirurgie am USZ.Bild: KEYSTONE

«Komplette Kritikunfähigkeit»: Herzchirurg Carrel äussert sich zu Todesfällen im USZ

06.05.2026, 20:5906.05.2026, 20:59

Am Dienstag veröffentlichte das Universitätsspital Zürich einen Untersuchungsbericht, der zeigte, dass zwischen 2016 und 2020 rund 70 Todesfälle in der Herzklinik vermeidbar gewesen wären – unter der Leitung von Francesco Maisano.

Nun äussert sich der Herzchirurg Thierry Carrel, der nach Maisanos Entlassung stellvertretender Leiter der Herzchirurgie am USZ war. Gegenüber 20 Minuten sagt er, dass der veröffentlichte Bericht eine grosse Wunde bei ihm aufreisse. Ihm und seinem Team sei damals vorgeworfen worden, «altmodische Herzchirurgie zu betreiben». Dabei habe er sich nur dagegen gewehrt, «unausgereifte Verfahren und unsichere Implantate anzuwenden».

Dass seine damaligen Bedenken gerechtfertigt waren, erfülle ihn mit «Genugtuung». Als er in den Jahren 2021 und 2022 am USZ tätig war, habe er eine Klinik vorgefunden, «die sich im freien Fall befand». «Keine Führung, keine Standards, keine Begleitung von jungen Fachkräften, ungenügendes Qualitätsbewusstsein und ein stark gestörtes Vertrauen der Zuweiser in die Klinik», führt er gegenüber« 20 Minuten» aus. «Zudem eine komplette Kritikunfähigkeit gegenüber schlechten Ergebnissen.»

Dass Maisano heute immer wieder an internationalen Kongressen auftrete, «wie wenn nichts geschehen wäre», erstaune Carrel. Er wirft die Frage in den Raum, wann «Untätigkeit zu Mittäterschaft» werde. Weiter sagt Carrel gemäss «20 Minuten»:

«Der Widerwille, Warnungen ernst zu nehmen, die Gleichgültigkeit, die Zügel schleifen zu lassen, und die Trödelei bei der Verfolgung der Tatsachen und des Verursachers schufen ein ungutes und mit Rücksicht auf die Opfer und ihre Angehörigen ein höchst unwürdiges Bild.»
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Francesco Maisano ist seit 2021 Direktor der Herzchirurgie in einem Mailänder Spital.Bild: sda

Carrel sei zudem fest davon überzeugt, dass es sich um ein Problem handelte, «das speziell am USZ nicht unter Kontrolle war». (hkl)

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21 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Snowy
06.05.2026 23:59registriert April 2016
Ein „Benko in weiss“, dieser Dr Maisano.
Ein charmanter Mann, welcher alle Stakeholder von seinem Produkt überzeugen kann, welches günstiger ist, einfacher anzuwenden und erst noch mehr Ertrag verspricht.
So vermeintlich gut und risikolos, dass man die üblichen Kontrollmechanismen ausser Acht lässt.

Ganz unabhängig vom aktuellen Fall: Eine offene Fehlerkultur scheint mir aufgrund von zahlreichen Fällen in den Medien (und zwei selbst erlebten Arztfehlern) ein grosses Problem.

Ohne offene Fehlerkultur der Ärzte auch kein Qualitätsmanagement.
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moderat
07.05.2026 00:25registriert Juni 2022
Diese Interessenskonflikte gehören abgeschafft, wie es anderswo bereits geschehen ist (oder zumindest versucht wird, da die Verflechtung von Industrie und Arzt stark ist). Ärzte (nicht nur Herzchirurgen) sollten nicht finanziell an Produkten die sie empfehlen/verschreiben/implantieren beteiligt sein.
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worldwise
06.05.2026 23:16registriert April 2016
Omen est nomen? ... "mai sano" auf Italienisch ist auf Deutsch mit "nie gesund" zu übersetzen ... wohl wahr, denn bei diesem Fall um den Herrn Prof. Maisano ist vieles ungesund: Unter anderem, dass er auf der internationalen Medizinmarketing-Plattform Airomedical immer noch keck als "Full professor of cardiac surgery at the University of Zurich" und als "Head of Cardiovascular Surgery at the Zurich University Hospital" figuriert. Vielleicht müsste Herr Parmelin den italienischen Botschafter einberufen, um bei Frau Meloni wegen 70 unnötig verstorbener Patienten in Zürich zu protestieren ...
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