USZ bestätigt Fehler in Herzchirurgie – Gesundheitsdirektion rügt «Fehleinschätzung»
Eine unabhängige Untersuchung hat für diesen Zeitraum eine Übersterblichkeit von 68 bis 74 Patientinnen und Patienten nachgewiesen, wie das Universitätsspital (USZ) am Dienstag mitteilte. Das Spital hat elf besonders auffällige Todesfälle sowie den unangemessenen Einsatz von Medizinprodukten in 13 Fällen bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Die Ermittler sollen prüfen, ob strafrechtlich relevante Verfehlungen vorliegen.
Die Ursachen für die Missstände liegen laut dem Bericht in einem umfassenden Führungsversagen. Der damalige Klinikchef Francesco Maisano sei 2014 überhastet und ohne ausreichende Prüfung seiner Qualifikationen sowie seiner Interessenskonflikte ernannt worden. Zudem habe die damalige Spitaldirektion ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt und Warnsignale zu spät erkannt.
Rücktritte im Spitalrat
Als Konsequenz aus den Untersuchungsergebnissen treten drei langjährige Mitglieder des Spitalrats zurück. Sie wollen damit einen personellen Neuanfang ermöglichen. Das USZ bat die Betroffenen und ihre Angehörigen offiziell um Entschuldigung für das erfahrene Leid und richtete eine spezielle Beratungsstelle ein.
Inzwischen habe die Klinik für Herzchirurgie ihren guten Ruf und hohe Qualitätsstandards unter neuer Leitung zurückgewonnen. Die Sterblichkeitsrate bewege sich laut aktuellen Berichten wieder im unauffälligen Bereich. Mit strengeren Compliance-Regeln, einem Register für Interessenbindungen und einem geplanten Meldesystem für Missstände will die Spitalführung ähnliche Vorfälle künftig verhindern.
Gesundheitsdirektion rügt «Fehleinschätzung» des USZ-Spitalrats
Die Zürcher Gesundheitsdirektion bezeichnet die jahrelangen Missstände in der Herzchirurgie des Universitätsspitals Zürich als «schwerwiegend». Entgegen den damaligen Aussagen des Spitalrates sei die Patientensicherheit nicht jederzeit gewährleistet gewesen.
Dies widerspreche den Informationen, welche die Gesundheitsdirektion im Frühjahr 2020 wiederholt vom Spitalrat erhalten habe, schreibt die Gesundheitsdirektion in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme. «Wie sich nun herausstellt, war das eine schwerwiegende Fehleinschätzung des Spitalrates, der als oberstes Führungsorgan für die direkte Aufsicht der Spitaldirektion und für den Spitalbetrieb abschliessend verantwortlich ist», heisst es weiter.
«Die festgestellten Vorkommnisse sind schwerwiegend», schreibt die Gesundheitsdirektion weiter. Sie begrüsst, dass mit den eingereichten Strafanzeigen und der Übermittlung des Berichts an die Staatsanwaltschaft die Vorkommnisse umfassend strafrechtlich beurteilt werden.
Die Gesundheitsdirektion begrüsst die Rücktritte der drei bereits damals dem Gremium angehörenden Mitgliedern des Spitalrates und sieht darin einen notwendigen Schritt zur Wiederherstellung des Vertrauens in das USZ.
Regierung passt Verordnung an
Heute sei die Herzklinik wieder gut aufgestellt, heisst es weiter. Seither seien auch umfassende Verbesserungen umgesetzt worden, insbesondere in der Governance, in der Qualitätssicherung und im Risikomanagement. Zudem seien wesentliche Veränderungen in der personelle Besetzung des Spitalrats, der Spitaldirektion und der Klinikleitung vorgenommen worden.
Als Folge der Vorkommnisse passte die Regierung die Verordnung über die Gesundheitsdirektion an. Sie kann künftig in ausserordentlichen Situationen den Spitalrat beauftragen, eine Administrativuntersuchung im Spital anzuordnen oder selber eine gegenüber dem Spitalrat durchzuführen. (hkl/sda)
