Gesundheit

Unispital Zürich bestätigt schwere Fehler in der Herzchirurgie

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Francesco Maisano leitete die Klinik von 2014 bis 2020. Bild: sda

USZ bestätigt Fehler in Herzchirurgie – Gesundheitsdirektion rügt «Fehleinschätzung»

Das Universitätsspital Zürich hat schwerwiegende Fehler in der Herzchirurgie der Jahre 2016 bis 2020 eingestanden. Ein Bericht belegt nun Dutzende Todesfälle.
05.05.2026, 09:0405.05.2026, 14:15

Eine unabhängige Untersuchung hat für diesen Zeitraum eine Übersterblichkeit von 68 bis 74 Patientinnen und Patienten nachgewiesen, wie das Universitätsspital (USZ) am Dienstag mitteilte. Das Spital hat elf besonders auffällige Todesfälle sowie den unangemessenen Einsatz von Medizinprodukten in 13 Fällen bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Die Ermittler sollen prüfen, ob strafrechtlich relevante Verfehlungen vorliegen.

Das Logo des Universitaetsspitals Zuerich, USZ, anlaesslich der Bilanzmedienkonferenz, aufgenommen am Mittwoch, 10. April 2024 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
Das Spital hat die Vorfälle der Staatsanwaltschaft gemeldet.Bild: KEYSTONE

Die Ursachen für die Missstände liegen laut dem Bericht in einem umfassenden Führungsversagen. Der damalige Klinikchef Francesco Maisano sei 2014 überhastet und ohne ausreichende Prüfung seiner Qualifikationen sowie seiner Interessenskonflikte ernannt worden. Zudem habe die damalige Spitaldirektion ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt und Warnsignale zu spät erkannt.

Rücktritte im Spitalrat

Als Konsequenz aus den Untersuchungsergebnissen treten drei langjährige Mitglieder des Spitalrats zurück. Sie wollen damit einen personellen Neuanfang ermöglichen. Das USZ bat die Betroffenen und ihre Angehörigen offiziell um Entschuldigung für das erfahrene Leid und richtete eine spezielle Beratungsstelle ein.

Inzwischen habe die Klinik für Herzchirurgie ihren guten Ruf und hohe Qualitätsstandards unter neuer Leitung zurückgewonnen. Die Sterblichkeitsrate bewege sich laut aktuellen Berichten wieder im unauffälligen Bereich. Mit strengeren Compliance-Regeln, einem Register für Interessenbindungen und einem geplanten Meldesystem für Missstände will die Spitalführung ähnliche Vorfälle künftig verhindern.

Gesundheitsdirektion rügt «Fehleinschätzung» des USZ-Spitalrats

Die Zürcher Gesundheitsdirektion bezeichnet die jahrelangen Missstände in der Herzchirurgie des Universitätsspitals Zürich als «schwerwiegend». Entgegen den damaligen Aussagen des Spitalrates sei die Patientensicherheit nicht jederzeit gewährleistet gewesen.

Dies widerspreche den Informationen, welche die Gesundheitsdirektion im Frühjahr 2020 wiederholt vom Spitalrat erhalten habe, schreibt die Gesundheitsdirektion in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme. «Wie sich nun herausstellt, war das eine schwerwiegende Fehleinschätzung des Spitalrates, der als oberstes Führungsorgan für die direkte Aufsicht der Spitaldirektion und für den Spitalbetrieb abschliessend verantwortlich ist», heisst es weiter.

«Die festgestellten Vorkommnisse sind schwerwiegend», schreibt die Gesundheitsdirektion weiter. Sie begrüsst, dass mit den eingereichten Strafanzeigen und der Übermittlung des Berichts an die Staatsanwaltschaft die Vorkommnisse umfassend strafrechtlich beurteilt werden.

Die Gesundheitsdirektion begrüsst die Rücktritte der drei bereits damals dem Gremium angehörenden Mitgliedern des Spitalrates und sieht darin einen notwendigen Schritt zur Wiederherstellung des Vertrauens in das USZ.

Regierung passt Verordnung an

Heute sei die Herzklinik wieder gut aufgestellt, heisst es weiter. Seither seien auch umfassende Verbesserungen umgesetzt worden, insbesondere in der Governance, in der Qualitätssicherung und im Risikomanagement. Zudem seien wesentliche Veränderungen in der personelle Besetzung des Spitalrats, der Spitaldirektion und der Klinikleitung vorgenommen worden.

Als Folge der Vorkommnisse passte die Regierung die Verordnung über die Gesundheitsdirektion an. Sie kann künftig in ausserordentlichen Situationen den Spitalrat beauftragen, eine Administrativuntersuchung im Spital anzuordnen oder selber eine gegenüber dem Spitalrat durchzuführen. (hkl/sda)

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klar+deutlich
05.05.2026 11:32registriert Juni 2021
Mit warmen Worten wurde Maisano 2021 vom USZ verabschiedet, ist immer noch aufgeschaltet:

"hervorragenden, international anerkannten Chirurgen", "die akademische und medizinische Ausrichtung der Klinik entscheidend weiterentwickelt", "Das USZ bedauert die gegen ihn gerichtete Medienkampagne."

Nur weil Journalisten bei diesem Skandal nicht locker liessen wird das überhaupt aufgeklärt. Die Verantwortlichen haben alles versucht um es unter den Teppich zu kehren und die Whistleblower zu verfolgen.

Ob die Justiz da aber noch etwas unternimmt ist äusserst fraglich.
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glointhegreat
05.05.2026 11:12registriert Dezember 2014
Krass!! Und wurde jemand verurteilt oder zumindest mal angeklagt deswegen?
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alexbuesser
05.05.2026 11:10registriert April 2026
Ach wenn der Spitalrat zurückgetreten ist ist ja alles gut.
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