«Komplette Kritikunfähigkeit»: Herzchirurg Carrel äussert sich zu Todesfällen im USZ
Am Dienstag veröffentlichte das Universitätsspital Zürich einen Untersuchungsbericht, der zeigte, dass zwischen 2016 und 2020 rund 70 Todesfälle in der Herzklinik vermeidbar gewesen wären – unter der Leitung von Francesco Maisano.
Nun äussert sich der Herzchirurg Thierry Carrel, der nach Maisanos Entlassung stellvertretender Leiter der Herzchirurgie am USZ war. Gegenüber 20 Minuten sagt er, dass der veröffentlichte Bericht eine grosse Wunde bei ihm aufreisse. Ihm und seinem Team sei damals vorgeworfen worden, «altmodische Herzchirurgie zu betreiben». Dabei habe er sich nur dagegen gewehrt, «unausgereifte Verfahren und unsichere Implantate anzuwenden».
Dass seine damaligen Bedenken gerechtfertigt waren, erfülle ihn mit «Genugtuung». Als er in den Jahren 2021 und 2022 am USZ tätig war, habe er eine Klinik vorgefunden, «die sich im freien Fall befand». «Keine Führung, keine Standards, keine Begleitung von jungen Fachkräften, ungenügendes Qualitätsbewusstsein und ein stark gestörtes Vertrauen der Zuweiser in die Klinik», führt er gegenüber« 20 Minuten» aus. «Zudem eine komplette Kritikunfähigkeit gegenüber schlechten Ergebnissen.»
Dass Maisano heute immer wieder an internationalen Kongressen auftrete, «wie wenn nichts geschehen wäre», erstaune Carrel. Er wirft die Frage in den Raum, wann «Untätigkeit zu Mittäterschaft» werde. Weiter sagt Carrel gemäss «20 Minuten»:
Carrel sei zudem fest davon überzeugt, dass es sich um ein Problem handelte, «das speziell am USZ nicht unter Kontrolle war». (hkl)
