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«Lord of the Flies» in echt – wie 6 Jungen 15 Monate auf einer winzigen Insel überlebten



1954 veröffentlichte der englische Schriftsteller William Golding seinen ersten und erfolgreichsten Roman, «Lord of the Flies» («Herr der Fliegen»). Die Geschichte einer Gruppe von sechs- bis zwölfjährigen Jungen, die nach einem Flugzeugabsturz auf einer unbewohnten Südseeinsel ohne Erwachsene zu überleben versuchen, endet in einem gewalttätigen Desaster. Unter dem Firnis der Zivilisation, so sagt es uns Goldings Roman, lauert das animalische Böse, das hervorbricht, sobald es keine kontrollierende Instanz mehr gibt.

«Lord of the Flies» ist Fiktion. Keine Erzählung, sondern eine Begebenheit, die sich tatsächlich zugetragen hat, ist die Geschichte von sechs Jungen aus Tonga, die 1965 schiffbrüchig wurden und auf einem unbewohnten Eiland im Pazifik überlebten. Als sie nach 15 Monaten entdeckt und gerettet wurden, war dies Stoff für Zeitungsartikel und einen Dokumentarfilm, in dem die Jungen ihre Erlebnisse selbst darstellten. Danach geriet die Geschichte allmählich in Vergessenheit.

A still from the 1963 film of William Golding's Lord of the Flies.

Szene aus der Verfilmung (1963) von Goldings Roman «Lord of the Flies». Bild: RONALD GRANT/NONE

Jetzt, mehr als 50 Jahre später, hat sie der Historiker und Autor Rutger Bregman wieder ausgegraben. Der Niederländer ist kein Unbekannter; er sorgte 2019 weltweit für Aufsehen, als er am WEF medienwirksam eine «gerechte Besteuerung für Reiche» forderte. Bregman stiess auf einen Zeitungsartikel über die schiffbrüchigen Jungen – zufällig, aber nicht ohne Absicht. Er war auf der Suche nach einem Beispiel für Kinder, die auf sich allein gestellt mit einer Notsituation fertig werden mussten. Bregman suchte, wie er in einem Artikel im «Guardian» darlegt, nach einer wirklichen «Lord of the Flies»-Story.

Bregman, der damals an seinem Buch «Humankind» («Menschheit») schrieb, beabsichtigte, dem negativen Menschenbild, wie es Golding in seinem Roman exemplarisch darstellt, ein positives Beispiel aus der Wirklichkeit entgegenzustellen. Mit den schiffbrüchigen Jungen aus Tonga glaubte er, dieses Beispiel gefunden zu haben – in seinem «Guardian»-Artikel schrieb er:

«Es wird Zeit, dass wir eine andere Art von Geschichte erzählen. Der wahre ‹Lord of the Flies› ist eine Geschichte über Freundschaft und Loyalität, eine, die zeigt, wie viel stärker wir sind, wenn wir uns aufeinander verlassen können.»

Bregman gelang es, einen der Überlebenden und ihren Retter in Australien aufzuspüren und ihm ihre Geschichte erzählen zu lassen.

Peter Warner (l.) und «Mano» Sione Filipe Totau im Artikel des «Daily Mercury».

Das unfreiwillige Abenteuer der sechs Jungen aus Tonga begann wie so manches andere auch: Es war ihnen langweilig. Um der Langeweile in ihrem strengen katholischen Internat in Nuku'alofa, der Hauptstadt Tongas, zu entkommen, fassten Sione Fataua (16), «Stephen» Tevita Fatai Latu (16), «David» Tevita Fifita Siolaʻa (14), Kolo Fekitoa (16), «Mano» Sione Filipe Totau (15) und Luke Veikoso (15) einen kühnen Plan: Sie würden mit einem Boot nach Fidschi segeln – 800 Kilometer über das offene Meer.

Zwischen Tonga im Südosten und Fidschi im Nordwesten liegen rund 800 Kilometer Pazifik.

Da keiner von ihnen ein Boot hatte, liehen sie sich eins von dem Fischer Taniela Uhila aus, allerdings ohne vorher zu fragen – vermutlich, weil sie ihn alle nicht leiden konnten. Mehr als zwei Säcke mit Bananen, ein paar Kokosnüssen und einen kleinen Gasbrenner nahmen sie nicht mit. Eine Karte oder einen Kompass hatten sie nicht dabei.

Das Wetter war gut, als sie gegen Abend in See stachen. Doch in der Nacht – sie waren alle eingeschlafen – brach ein Unwetter über sie herein. Das Ankertau riss, das Ruder brach, das Segel zerriss. Acht Tage lang trieb das Boot über die Wasserwüste. Die Jungen versuchten, Fische zu fangen; sie fingen mit Kokosnuss-Schalen Regenwasser auf, das sie rationieren mussten.

«Mano» Totau.

Doch dann tauchte eine Insel am Horizont auf. Es war 'Ata, ein unbewohntes Eiland, rund 160 Kilometer südwestlich von Tongatapu, der Hauptinsel Tongas, gelegen. Die Insel war einst bewohnt, doch nachdem 1863 beinahe die Hälfte der etwa 350 Einwohner gekidnappt wurden, um sie als Fremdarbeiter auf die peruanischen Guano-Inseln zu verschleppen, liess der König von Tonga die verbliebenen Inselbewohner auf die näher bei Tongatapu gelegene Insel 'Eua bringen.

Tonga-Archipel mit Tongatapu, 'Ata und 'Eua
By Eric Gaba (Sting - fr:Sting) - Own workSources of data:SRTM30 Plus;NGDC World Data Bank II (public domain);NGDC GSHHS (public domain)., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8648001

'Ata und 'Eua im Tonga-Archipel. Karte: Wikimedia/Eric Gaba / Bearbeitung: watson

Die entkräfteten Jungen sprangen ins Wasser und schwammen mit Planken ihres Boots als Schwimmhilfe auf die Insel zu. Sie konnten nur mit Mühe an Land gehen – 'Ata ist ein 2,3 km2 grosses Eiland mit felsigen Stränden und steilen Klippen, die schroff aus dem Meer steigen. Der grösste Teil der ungastlichen Insel besteht aus einem bewaldeten Hochplateau.

'Ata, unbewohnte Insel des Tonga-Archipels

Der höchste Punkt von 'Ata liegt 355 Meter über Meer. Die Insel ist grösstenteils bewaldet. Bild: GoogleMaps

Der Speisezettel der jungen Tongaer war zu Beginn eher mager: Sie assen, was ihnen in die Finger kam; Fisch, Kokosnüsse, Eier von Seevögeln und die Vögel selbst, deren Blut sie zudem tranken. Später, als sie das Hochplateau erkundeten, verbesserte sich ihr Nahrungsangebot: Sie stiessen auf eine zerfallene, von den Inselbewohnern verlassene Siedlung. Dort fanden sie wilden Taro, Bananen und verwilderte Hühner.

Die Insel 'Ata.

15 Monate lang überlebten die Jungen auf der kargen Insel. Sie legten einen Gemüsegarten an, sammelten Regenwasser in ausgehöhlten Baumstämmen, hielten Hühner in Gehegen und unterhielten ein Feuer, das sie nicht ausgehen liessen. Daneben richteten sie sich eine Art Sportplatz und ein Badminton-Feld ein und bauten eine improvisierte Gitarre – all dies nur mit ihren Händen und einem Messer. Vor allem aber überstanden sie diese Zeit ohne grössere, zerstörerische Konflikte.

Der unfreiwillige Aufenthalt der sechs Tongaer auf 'Ata endete am 11. September 1966. An diesem Tag nahm der australische Kapitän Peter Warner mit seinem Fischerboot «Just David» Kurs auf 'Ata, weil er aus der Ferne merkwürdige Stellen von verbranntem Gras entdeckt hatte. Als sich sein Boot der Küste näherte, nahm Warner einige nackte, langhaarige Gestalten wahr, die aufgeregt umherhüpften. Schliesslich sprangen sie ins Wasser und schwammen auf die «Just David» zu. Die Robinsonade war zu Ende.

Zeitungsbericht über die Rettung der sechs schiffbrüchigen Jungen aus Tonga 1966.
https://nla.gov.au/nla.obj-370541289/view?sectionId=nla.obj-374703999&partId=nla.obj-370594270#page/n102/mode/1up

Zeitungsbericht über die Rettung der Schiffbrüchigen, Oktober 1966. Bild: nla.gov.au

Warner brachte die Schiffbrüchigen nach Nuku'alofa, wo sie – obwohl man sie inzwischen für tot erklärt und Trauerfeierlichkeiten für sie abgehalten hatte – prompt verhaftet wurden. Uhila, dessen Boot sie «ausgeliehen» hatten, hatte sie angezeigt. Warner half den Jungen aus der Patsche und bezahlte Uhila 150 Pfund für das Boot. Dies tat er nicht ohne Hintergedanken: Als Sohn des Politikers und TV-Unternehmers Sir Arthur Warner, in dessen Firma er arbeitete, erkannte er das Potenzial des Schiffbruch-Abenteuers als Stoff für einen Film. Er überzeugte die Jungen, in einem Dokumentarfilm mitzuwirken. Tatsächlich erschien wenige Tage später ein Team des australischen TV-Senders «Channel 7» auf Tongatapu. Der Film wurde im Oktober 1966 ausgestrahlt.

Fotos aus dem Dokumentarfilm von 1966.

Als die sechs Schiffbrüchigen nach ihrer Freilassung auf ihre Heimatinsel Ha'afeva zurückkehrten, wurden sie jubelnd empfangen. Fast alle 900 Einwohner versammelten sich, um sie zu empfangen. Kapitän Warner erhielt eine Nachricht von König Taufa'ahau Tupou IV. höchstpersönlich: «Danke für die Rettung von sechs meiner Untertanen. Kann ich etwas für Sie tun?» Warner ergriff die Gelegenheit und ersuchte um Erlaubnis, in den Gewässern von Tonga Hummer zu fischen.

Mit der Erlaubnis des Königs in der Tasche kehrte Warner nach Sydney zurück und ging mit einem neuen Boot namens «Ata» auf Fischfang. Als Crew-Mitglieder heuerte er die sechs Jungen an, die er gerettet hatte. So gab er ihnen, wie Bregman schreibt, das, womit alles begonnen hatte: eine Gelegenheit, die Welt ausserhalb von Tonga zu sehen.

Warner mit seiner Crew.

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Video: srf/Roberto Krone

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39Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Schneefrau77 01.06.2020 20:31
    Highlight Highlight Wie geht es weiter?
    Mit den Jungen? Blieben sie für immer Freunde?
    Was ist aus der Insel geworden? Und den Hühnern?
  • Hartmann Stahlberg 01.06.2020 17:09
    Highlight Highlight Im Film wurde die Ankunft mit dem Boot bei Ata auf Jamaika bei Frenchmans Cove gedreht. War die letzten 2 Sommer eine Weile dort.
    Was ich eigentlich sagen wollte: jetzt weiss ich wieder welchen Film ich wieder mal schauen wollte! Danke Huber!
  • Sebi 91 01.06.2020 16:25
    Highlight Highlight Tolle Geschichte. Schade habe wir sowas nicht in der Schule gehabt. Da ging es nur um Römer, Napoleon und Nazis. Dabei wären solche Geschichte viel interessanter und schöner.
  • Mogelbaum94 01.06.2020 10:29
    Highlight Highlight Das Buch "Im Grunde gut" von Bregman ist sehr lesenswert und enthält viele interessante Perspektiven auf das menschliche Verhalten in einem historischen Kontext. Kann ich nur weiterempfehlen!
  • domperpignan 01.06.2020 08:26
    Highlight Highlight Wenn die Ressourcen für alle vorhanden sind und die Gruppe klein ist, dann klappt das schon.
  • Mia_san_mia 31.05.2020 23:53
    Highlight Highlight Coole Geschichte 👍🏻
  • Garp 31.05.2020 20:08
    Highlight Highlight Schöne Geschichte, Dani.

    Die Jungs hatten auch Glück waren sie schon eine Gemeinschaft und hatten keinen Soziopathen oder Psychopathen, der in Manipulationen bewandert ist, unter sich.
    Vielleicht haben so üble Menschen aber auch nur eine Chance in grösseren Gruppen, wenn nicht jeder von jedem alles mitbekommt.
  • Raddadui 31.05.2020 17:05
    Highlight Highlight Die Geschichte ist aus dem Buch "Im Grunde Gut" von Rutger Bregman. Auch nicht mehr ganz neu das Buch, weiss nicht, wieso die Geschichte jetzt hervorgekramt wird; aber allen, die von der Geschichte wie ich fasziniert sind, sei gesagt, dass das Buch äußerst empfehlenswert ist. Im Grunde sehr gut sogar!
  • tina76 31.05.2020 16:26
    Highlight Highlight Sehr eindrücklich. Danke für diese Geschichte
  • Karl33 31.05.2020 14:45
    Highlight Highlight Wie Jungen eine Gesellschaft aufbauen würden, wenn sie von null beginnen müssen. Friedliebend und solidarisch. Ein schönes Beispiel.

    Aber im Literaturbusiness verkauft sich natürlich Gewalt und Desaster besser. Da macht man aus unschuldigen Jungen gerne mal Monster.
    • lilie 31.05.2020 16:35
      Highlight Highlight @Karl: Man sollte noch bedenken, dass der Roman 1954 erschien. Die damalige Welt stand immer noch unter dem Schock des 2. WKs. Die Forschung, aber eben auch die Kunst versuchten Antworten zu finden, wie es zu so viel Hass hatte kommen können.

      Golding vertritt in seinem Roman die damals vorherrschende wissenschaftliche Meinung: Der Mensch ist von Natur aus brutal, und diese animalische Natur bricht sich immer wieder Bahn.

      Das Beispiel der sechs Jungs zeigt, dass das überhaupt nicht stimmt. Es braucht schon etliche Faktoren, bis der Mensch kollektiv gewalttätig wird.
    • Karl33 31.05.2020 17:24
      Highlight Highlight @lilie, die zeit war eine andere, das ist korrekt.
      aber

      "Golding vertritt in seinem Roman die damals vorherrschende wissenschaftliche Meinung: Der Mensch ist von Natur aus brutal"

      Das ist inkorrekt. Das war keine wissenschaftlich vorherrschende Meinung (Wissenschaft ist übrigens auch keine Meinung).

      Es war Goldings Charakter. Golding war Alkoholiker, schlug seine Kinder und sagte u.a. über sich: "Ich habe die Nazis immer verstanden, weil ich von Natur aus zu dieser Sorte gehöre" (gemäss Bregmann).

      Zu denken geben sollte uns, dass der Roman ein Besteller wurde.
    • Bartli, grad am moscht holä.. 31.05.2020 17:43
      Highlight Highlight Hmm mein bauchgefühl sagt mir, dass es bei mehr jungs ev anders ausgesehen hätte.. ich glaube nicht dass der mensch per se schlecht ist, nicht jeder zumindest. Aber wenn ich überlege was passiert, wenn man zb eine städtereise mit mehr als 10menschen macht, kann das schon kompliziert werden. Vorallem wenn mehr als ein alphatierchen dabei ist. Und dann auf längere zeit in eintracht zu überleben braucht es freundschaft, vorallem respekt und anstand. Teamgeist vor ego-machtgehabe. Das müssen die beteiligten vorher bereits gelernt haben. Es hängt stark mit den inv. charakteren zusammen wie es endet
    Weitere Antworten anzeigen
  • lilie 31.05.2020 14:41
    Highlight Highlight Danke für die tolle Geschichte! 😃👍

    Uiuiui, wie langweilig muss einem sein, dass man auf die Idee verfällt, 800 km über den Ozean zu paddeln - und dann erst noch in die falsche Richtung loszurudern. 🙈

    Wie auch immer, ziemlich eindrücklich, wie sich die Jungs durchgeschlagen haben! Auch von anderen Schiffbrüchigen gibt es ja ähnliche Berichte - irgendwas, was im Herr der Fliegen dargestellt wird, ist nie passiert.

    Der Mensch ist halt doch im Kern nicht ganz so ein faszinierendes Wesen, wie er selber glaubt. 😉
    • [CH-Bürger] 31.05.2020 16:36
      Highlight Highlight @lilie:
      ich bin nicht sicher, ob sie in die falsche Richtung starteten - schliesslich sind die dortigen Meeresströmungen unvorteilhaft für eine Reise nach Nordwesten:
      Benutzer Bild
    • lilie 31.05.2020 16:53
      Highlight Highlight @Ch-Bürger: Ach, sehr schlau überlegt! Aber die Strömung geht ja gemäss der Karte nach Westen. Da ist es etwa gleich ungünstig, nach Nordwesten oder nach Südwesten paddeln zu wollen. 🤔
    • α Virginis 31.05.2020 17:08
      Highlight Highlight Die paddelten nicht, die haben schlicht und einfach Glück gehabt, zu der Insel getrieben zu werden. Gegen Meeresströmung und Wind anzupaddeln ist meiner Meinung nach nicht sehr realistisch...
    Weitere Antworten anzeigen
  • niklausb 31.05.2020 14:11
    Highlight Highlight Coole Story, schade das es so abrupt endet.
  • herbal_relaxation 31.05.2020 14:03
    Highlight Highlight Was für eine schöne Geschichte! Danke Herr Huber :)

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