Gesellschaft & Politik
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Liberal leader Justin Trudeau and wife Sophie Gregoire Trudeau wave as they go on stage at Liberal election headquarters in Montreal, Monday, Oct. 21, 2019. (Ryan Remiorz/The Canadian Press via AP)

Justin Trudeau und seine Frau Sophie lassen sich feiern. Bild: AP

Trudeau hat in Kanada zwar gewonnen – einige Punkte dürften ihm aber zu denken geben

Nicht nur die Schweiz hat spannende Tage hinter sich, auch in Kanada wurde gewählt. Justin Trudeau hat zwar gewonnen, dürfte aber trotzdem nicht vollumfänglich glücklich sein.



Trudeau ist der Gewinner ...

Trotz einer deutlichen Schwächung und dem Verlust der absoluten Mehrheit kann Justin Trudeau als Chef einer liberalen Regierung in Kanada weitermachen. Einem ersten vorläufigen Endergebnis zufolge errang seine Partei bei der Wahl am Montag 157 Sitze im Parlament in Ottawa, wie die nationale Wahlbehörde mitteilte.

epa07939715 Canadian Prime Minister and Liberal Party leader Justin Trudeau (L) and his wife, Sophie Gregoire Trudeau (R), wave to the crowd after a victory speech in Montreal, Quebec, Canada, 22 October 2019. Trudeau has retained his position as Canadian Prime Minister in the federal election but will be forced to form a minority government.  EPA/VALERIE BLUM

So sehen Gewinner aus: Trudeau und seine Frau Sophie. Bild: EPA

... aber:

Trudeaus Partei blieb allerdings deutlich unter ihren 184 Mandaten von 2015 – für eine absolute Mehrheit wären 170 Sitze nötig gewesen.

«Wir werden zusammen vorwärts gehen in eine bessere Zukunft», sagte Trudeau am frühen Dienstagmorgen in seiner Ansprache vor Anhängern in Montréal. Sein Team werde für alle Kanadier kämpfen.

Bild

Links die erhaltenen Stimmen in Prozentpunkten, rechts die eroberten Sitze. Bild: fair vote canada

Die Konservativen lagen aufgrund des Direktwahlsystems mit wohl 121 Mandaten deutlich hinter den Liberalen, obwohl sie insgesamt die meisten Stimmen erhielten.

Was heisst das konkret?

Das Ergebnis bedeutet, dass die Liberalen zum Regieren nun die Duldung kleinerer Parteien brauchen und sich aktiv Mehrheiten suchen müssen, beispielsweise bei den Sozialdemokraten oder dem erstarkten regionalen Bloc Québécois. Minderheitsregierungen sind in Kanada nichts Ungewöhnliches, haben in der Regel aber eine kürzere Halbwertszeit als Kabinette, die sich auf eine absolute Mehrheit stützen.

Was die Konkurrenz?

Andrew Scheer, konservativer Spitzenkandidat:

Andrew Scheer holds his daughter Mary while making his way to the stage at Conservative Party HQ at Evraz Place on Election Day in Regina on Monday Oct. 21, 2019. (Michael Bell/The Canadian Press via AP)

Bild: AP

Er gab sich kämpferisch gegenüber Trudeau: «Seine Führung ist angeschlagen und seine Regierung wird bald vorbei sein», sagte er. Und wenn sie falle, würden die Konservativen bereit stehen. «Wir sind die Regierung in Lauerstellung». Scheer betonte, dass die Konservativen insgesamt mehr Stimmen als die Liberalen erhalten hätten.

«Wir sind die Regierung in Lauerstellung»

Andrew Scheer

Yves-François Blanchet, Anführer des Bloc Québécois

Bloc Quebecois leader Yves-Francois Blanchet has his hand raised by wife Nancy Deziel as he speaks to supporters on federal election night in Montreal, early Tuesday, Oct. 22, 2019. (Graham Hughes/The Canadian Press via AP)

Bild: AP

Blanchet, streckte den Liberalen unter Vorbehalt die Hand aus: Die Regionalpartei könne mit jeder Regierung kooperieren. «Wenn das, was vorgeschlagen wird, gut für Quebec ist, dann wird der Bloc Québécois es unterstützen», meinte er. Die Partei der frankophonen Minderheit errang mit wahrscheinlich 32 Sitzen im Parlament (2015: 4) einen grossen Sieg.

«Wenn das, was vorgeschlagen wird, gut für Quebec ist, dann wird der Bloc Québécois es unterstützen»

Yves-François Blanchet

Jagmeet Singh, Sozialdemokraten

NDP leader Jagmeet Singh and his wife Gurkiran Kaur Sidhu reacts on stage to supporters at his election night headquarters in Burnaby, B.C., on Tuesday, Oct. 22, 2019. (Nathan Denette/The Canadian Press via AP)
Jagmeet Singh

Bild: AP

Jagmeet Singh von den Sozialdemokraten, die mit wahrscheinlich 24 Sitzen (44 in 2015) hinter den Erwartungen zurückblieben, versprach eine «konstruktive und positive» Rolle. «Wenn die anderen Parteien mit uns zusammenarbeiten, haben wir eine unglaubliche Chance, das Leben der Kanadier so viel besser zu machen.» Elizabeth May von den Grünen lobte die drei Sitze ihrer Partei als bestes Ergebnis ihrer Geschichte.

«Wenn die anderen Parteien mit uns zusammenarbeiten, haben wir eine unglaubliche Chance, das Leben der Kanadier so viel besser zu machen.»

Jagmeet Singh

Was ist die Bilanz von Trudeaus Regierung?

Die Bilanz der kanadischen Regierung in den vergangenen vier Jahren war eher durchwachsen: Zwar hatte sie wie versprochen Marihuana legalisiert und mehr als 25'000 syrische Flüchtlinge im Land aufgenommen. Einige seiner Versprechen wie eine Wahlrechtsreform oder einen ausgeglichenen Haushalt bis 2019 konnte Trudeau aber nicht halten.

Zudem sorgte Regierungschef Trudeau in den vergangenen Monaten mit Skandalen für Aufmerksamkeit. Dabei ging es unter anderem um ein altes Foto von ihm, das ihn vor 20 Jahren mit dunkel geschminktem Gesicht – verkleidet als Aladdin – auf einer Party zeigte. Trudeau entschuldigte sich unterdessen für sein «rassistisches» Verhalten.

Welche Auswirkungen haben die Wahlergebnisse?

Nun wird erwartet, dass die kleineren Fraktionen im Abgeordnetenhaus deutlichen Einfluss auf die Regierung nehmen werden.

Schon vor der Wahl im flächenmässig zweitgrössten Land der Welt hatte sich abgezeichnet, dass Trudeau seine absolute Mehrheit im Parlament verlieren könnte. Rund 27 Millionen Bürger waren in dem G7-Staat dazu aufgerufen, neue Abgeordnete zu wählen.

Was meint Trudeau?

An seine Kritiker gewandt sagte Trudeau, er habe ihre Enttäuschung vernommen und werde sicherstellen, dass ihre Stimmen gehört werden. Die liberale Regierung werde fortsetzen, was sie in den vergangenen vier Jahren begonnen habe. Dazu gehörten der Kampf gegen den Klimawandel und gegen die Waffengewalt. (jaw/sda/dpa/reu)

Lonelyplanet: Die Trend-Städte 2020

Der Chef ledert gegen watson-Kanadierin Emily

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • P. Silie 22.10.2019 20:11
    Highlight Highlight ...lasst mich raten... soeben noch geflucht, dass Hillary Clinton trotz mehr Stimmen gegen Trump verlor... hier jedoch passt das System natürlich 😎
    • E.Simonik 22.10.2019 21:32
      Highlight Highlight Nein, niemand will das System hier ausser den zwei stärksten Parteien, da sie am meisten davon profitieren. Und anders als in den USA gäbe es in Kanada Alternativen in Form der NDP und den Grünen (und Bloc).
  • just sayin' 22.10.2019 19:21
    Highlight Highlight vielleicht hat der ingenieur und literaturwissenschaftler (mit einem bachelor in kunst und edu) sich das ein wenig zu einfach vorgestellt.

    nur auf pc und andere flauschige trendthemen zu konzentrieren reicht eben nicht.

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