Webland erneut komplett «down» – betroffene Kunden schlagen Alarm
Neue schlechte Nachrichten von Webland: Am Mittwochmorgen war die Internet-Domain webland.ch nicht mehr erreichbar. Vom Ausfall betroffen sind erneut Websites und Online-Shops der Kundinnen und Kunden, wie User-Rückmeldungen zeigen. Und auch bei der E-Mail-Kommunikation ging vorübergehend nichts mehr.
Wer den Telefon-Support von Webland anrief, bekam eine automatisierte Nachricht zu hören:
Das Unternehmen im Kanton Basel-Land verwaltet gemäss eigenen Angaben 75'000 Internet-Domains. Zur Kundenzahl werden keine Angaben gemacht.
Ironischerweise wurden Anrufende darauf hingewiesen, dass sie den aktuellen Status zur technischen Störung «jederzeit unter status.webland.ch» finden würden.
Mögliche Ursache: Stromausfall
Die Ursache des Totalausfalls war zunächst nicht bekannt. Dann meldete sich ein watson-User mit dem Hinweis, dass es im Rechenzentrum, in dem Webland eingemietet ist, einen Stromausfall gegeben habe. Dabei handelt es sich um das IWB Datacenter in Basel.
Auf Anfrage bestätigte ein Support-Mitarbeiter der Industriellen Werke Basel, dass es einen zweiminütigen Stromausfall gegeben habe. Die Ursache sei noch nicht klar. Und es würden auch noch Abklärungen dazu laufen, was mit der Notstromversorgung los war.
Update: Webland gibt dem Stromausfall im IWB-Rechenzentrum die Schuld an der «Downtime» (siehe unten). Und auch der Hosting-Provider Cyon informiert auf seiner Status-Webseite über den Vorfall.
Die Status-Webseite von Webland ist inzwischen wieder erreichbar. Dort heisst es in einer aktuellen Meldung, «aufgrund eines Stromausfalls in unserem Rechenzentrum wurden alle Server zwangsweise heruntergefahren». Und weiter:
Was viele Webland-Kunden zuletzt irritierte, war die Krisenkommunikation: Die zur schwedischen Unternehmensgruppe Miss Group gehörende Schweizer Firma war für Kundenanliegen nicht telefonisch erreichbar.
Insider-Informationen?
watson-Redaktor Daniel Schurter ist über die verschlüsselte Messenger-App Threema auch anonym zu erreichen. Seine «Threema ID» lautet: ACYMFHZX. Oder du schreibst an daniel.schurter [at] protonmail.com. Wer sich beim Schweizer Secure-Mail-Anbieter (kostenlos) registriert, kann verschlüsselte E-Mails verschicken.
watson hakte am Mittwochmorgen beim zuständigen schwedischen Verantwortlichen nach. Jimmie Eriksson, Chief Operating Officer (COO), sagte zunächst:
Nach 10.30 Uhr bestätigte er via E-Mail:
Nach einem erzwungenen Herunterfahren der Server muss man beim Neustart vorsichtig sein, aber da das Kernproblem noch nicht gelöst ist (Strom-/Verbindungsprobleme), gestaltet sich das Ganze knifflig und der Prozess langsam.»
Die Probleme bei Webland waren am 19. November mit einem Systemausfall losgegangen. Hierzu muss man wissen, dass Webland im IWB-Rechenzentrum eingemietet ist und dort aber eigene Server betreibt.
Webland-Firmenkunden trafen die Probleme ausgerechnet in der aus geschäftlicher Sicht wichtigen Vorweihnachtszeit. KMU-Betriebe waren während Tagen über ihre offizielle E-Mail-Adresse nicht erreichbar.
Weil mit Umsatzeinbussen zu rechnen ist, dürften sich einige Kunden überlegen, den Rechtsweg zu beschreiten und den Hosting-Provider zu verklagen.
Allerdings lehnen die Webland-Verantwortlichen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) jegliche Haftung bei Ausfällen ab. Der Schweizer Rechtsanwalt Martin Steiger, Experte für Recht im digitalen Raum, erklärte letzte Woche gegenüber SRF, er halte den Haftungsausschluss «zumindest in Teilen für nichtig».
Die 2014 gegründete Miss Group fiel in den letzten Jahren durch eine aggressive Wachstumsstrategie auf. Im August gab das Unternehmen bekannt, dass es in Europa die Marke von 2 Millionen verwalteten Internet-Adressen, sogenannten Domains, überschritten habe.
Damit habe man «einen weiteren wichtigen Meilenstein im rasanten Aufstieg zu einem der am schnellsten wachsenden Domain- und Hosting-Anbieter weltweit erreicht», hiess es in der Mitteilung.
Interessierte können sich via E-Mail bei Philipp melden, unter weblandhelp@outlook.com, oder über den Messenger-Dienst Telegram. Der entsprechende User-Name lautet passend: weblandhelp.
watson hat die Seriosität der privaten Initiative geprüft und mit dem IT-Fachmann gesprochen. Auf Nachfrage erklärt er, dass seine Schwester auch bei Webland gewesen sei und er ihre E-Mails dank seiner guten IT-Kenntnisse innerhalb von 2 Stunden auf einen neuen Anbieter umstellen konnte. «Ich weiss, wie belastend die Situation für die kleinen Unternehmen ist und dass viele nicht wissen, dass und wie man eine solche Umstellung machen kann.»
Er habe keine grossen finanziellen Absichten. Wer etwas aus Goodwill bezahlen möchte, könne das tun, aber er bestehe nicht darauf.
