Interview
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COO Jann Jenatsch, rechts, spricht neben Vize-Verwaltungsratspraesident Matthias Hagemann, links, und CEO Markus Schwab, Mitte, an einer Medienkonferennz anlaesslich der Fusion zwischen der Bildagenntur KEYSTONE und der Schweizerischen Depeschenagentur SDA (ATS), am Dienstag, 8. Mai 2018, in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

«Ein weiterer Abbau ist derzeit kein Thema»: CEO Markus Schwab (links) und Geschäftsleitungsmitglied Jann Jenatsch an einer Pressekonferenz am Dienstag.  Bild: KEYSTONE

Interview

Das letzte Interview löste Streik aus, jetzt sagt der SDA-Chef: «Mir sind Fehler passiert»

Die krisengeschüttelte Nachrichtenagentur SDA fusionierte mit der Bildagentur Keystone. CEO Markus Schwab spricht im Interview über seine kommunikative Lernkurve, den Preisdruck der Kunden und die Bedeutung von Gebührengeldern.



Herr Schwab, die SDA-Redaktion durchlebt schwierige Zeiten: Entlassungen, Streik, Personalexodus, Unsicherheit beim Sozialplan. Wird jetzt mit der neu fusionierten Gesellschaft Keystone-SDA alles besser für die Journalisten?
MARKUS SCHWAB: Es ist richtig: Die SDA hat eine schwierige Zeit hinter sich. Ich bin aber überzeugt, dass der Verwaltungsrat und die Redaktionskommission im Rahmen des anlaufenden Schlichtungsverfahrens vor der Eidgenössischen Einigungsstelle (EES) sich bald auf eine gemeinsame Lösung verständigen können. Wenn wir diesen Konflikt hinter uns gebracht haben glaube ich, dass wir zusammen im neuen Unternehmen einer positiven Zukunft entgegenblicken.

Die Stimmung in der Redaktion ist schlecht, Sie als CEO wurden hart kritisiert, insbesondere für ihre Äusserungen in der NZZ am Sonntag. Am Tag nach diesem Interview trat die Redaktion in den Streik. Würden Sie rückblickend nochmals alles gleich machen?
Sagte ich heute «Ich würde alles nochmals gleich machen», wäre das in meinem Fall nicht gut. Es sind Fehler passiert, auch bei mir. Gerade was die Kommunikation anbelangt, haben wir dazu gelernt. Ich würde das Interview in der «NZZ am Sonntag» heute nicht mehr so geben. Als gelernter Wirtschaftsprüfer fehlte mir die kommunikative Erfahrung. Ich bin es gewohnt, nüchtern die Fakten darzulegen. Die Aussagen gegenüber der «NZZ am Sonntag» waren zwar faktisch korrekt, aber der Tonfall ist nicht gut angekommen. Das würde ich heute sicher anders machen.

«Als gelernter Wirtschaftsprüfer fehlte mir die kommunikative Erfahrung. Ich bin es gewohnt, nüchtern die Fakten darzulegen.»

Im Rahmen des Sparprogramms im Hinblick auf die Fusion werden 36 von 150 redaktionellen Stellen abgebaut. Dort, wo aufgrund von freiwilligen Kündigungen Personalknappheit herrscht, wurden neue Arbeitsverträge nur bis Ende 2019 befristet aufgesetzt. Folgt schon bald der nächste Kahlschlag?
Nein. Wir planen mit dem im Januar kommunizierten Stellenetat. Ein weiterer Abbau ist derzeit kein Thema. Die Befristung einiger neuer Arbeitsverhältnisse ist eine Folge des laufenden Schlichtungsverfahrens vor der EES. Nach einer hoffentlich baldigen Einigung möchten wir wieder längerfristig planen, auch beim Personal.

Fürs laufende Jahr 2018 hat die SDA ein neues Tarifssystem eingeführt – auch unter dem Druck Ihrer Kunden haben Sie diesen einen 10-prozentigen Einführungsrabatt gewährt. Bereits gibt es erste Kundengespräche für die Tarife 2019. Bleibt der Preisdruck hoch?
Dieser Rabatt wurde gewährt, weil das neue Tarifsystem bei praktisch allen Kunden unter dem Strich zu höheren Preisen geführt hat. In den Gesprächen über das neue Tarifystem wurde uns dann rasch klar: Diesen Rabatt werden wir nicht zurücknehmen können. Er wird auch 2019 bleiben. Eine Lehre daraus war, dass wir dieses Jahr früher das Gespräch mit unseren Kunden suchen. Ich hoffe, dass 2019 an der Tarif-Front Ruhe herrscht, damit wir uns auf die Umsetzung der neuen Strategie der Keystone-SDA konzentrieren können. Diese bietet nämlich auch grosse Chancen, unseren Kunden noch attraktivere Produkte anzubieten.

Welche Chancen? Mit einer kleineren Redaktion wird ihr Output kleiner und die Kunden sind noch weniger zu zahlen bereit. Ein Teufelskreis.
Wir sind überzeugt, dass wir durch die multimediale Verknüpfung von Texten, Videos, Bildern und Infografiken unseren Kunden ein attraktives Angebot machen können. Hierfür müssen wir dann sowieso wieder neue Tarife ausarbeiten. Das ist eine Chance, um neue Einnahmen zu generieren.

«Die neuen Möglichkeiten der multimedialen Ausrichtung sind auch für den Berufsalltag der Journalisten eine Bereicherung.»

Unter dem Strich bleibt nach den Entlassungen ein reduzierter Output, zumindest beim Text.
Zukünftig wollen wir dank einem Monitor-System die redaktionelle Leistung besser den Kundenbedürfnissen anpassen. Polizeimeldungen etwa werden in gewissen Regionen von unseren Kunden stark nachgefragt, in anderen weniger. Es geht darum, die Leistung gezielt zu optimieren – nicht um eine Reduktion des Outputs.

Wie schaffen Sie es, die demoralisierte Redaktion von der neuen Strategie zu überzeugen?
Ich bin überzeugt, dass wir eine gute Mannschaft haben, die viel zu leisten imstande ist und die grossen Herausforderungen gemeinsam meistern kann. Es geht jetzt darum, die Botschaft an jeden Einzelnen heranzutragen, dass wir mit der neuen Strategie eine gute Zukunft vor uns haben. Der neue Verwaltungsratspräsident Ueli Eckstein und ich werden in nächster Zeit gemeinsam an den verschiedenen Redaktionsstandorten das Gespräch suchen. Ich bin überzeugt: Die neuen Möglichkeiten, die sich mit der multimedialen Ausrichtung bieten, sind auch für den Berufsalltag der Journalisten eine Bereicherung.

Verwaltungsratspraesident Ueli Eckstein spricht an einer Medienkonferennz anlaesslich der Fusion zwischen der Bildagenntur KEYSTONE und der Schweizerischen Depeschenagentur SDA (ATS), am Dienstag, 8. Mai 2018, in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Will das Gespräch mit der Redaktion suchen: Der neue Verwaltungsratspräsident Ueli Eckstein. Bild: KEYSTONE

Laut einem Bericht der Luzerner Zeitung planen Sie bereits fürs Jahr 2019 mit Gebührengeldern. Die entsprechende Verordnung des Bundesrats hat der Bundesrat aber noch gar nicht verabschiedet.
Es ist richtig, dass wir in der Mittelfristplanung mit Geldern aus dem Gebührentopf in der Höhe von zwei Millionen auf der Grundlage der Radio- und Fernsehverordnung  (RTVV) rechnen. Aber unsere Planung ist nicht so, dass wir ohne diese Gelder nicht überleben könnten.

Auf der einen Seite Gebührengelder erhalten, und auf der anderen Seite jährlich Dividenden, unter anderem an die österreichische Aktionärin APA, auszahlen zu wollen – das dürfte in der Politik schlecht ankommen.
Wir prüfen derzeit verschiedene Szenarien, wie wir mit einer allfälligen öffentlichen Unterstützung umgehen würden und was die Folgen davon wären – auch auf die Struktur des Unternehmens. Denkbar ist etwa ein abgetrennter Service-Public-Bereich, der nicht gewinnorientiert arbeitet.

«Denkbar ist ein abgetrennter Service-Public-Bereich, der nicht gewinnorientiert arbeitet.»

Keystone-SDA sieht Wachstumschancen im Bereich «Corporate Production». Werden SDA-Redaktoren bald Artikel für die Kundenmagazine der gleichen Firmen schreiben, über die sie gleichzeitig für andere Medien unabhängigen Journalismus liefern sollten?
Nein. Dieses Thema hat bei den Redaktoren verständlicherweise Ängste über den Verlust der journalistischen Unabhängigkeit ausgelöst. Das haben wir zur Kenntnis genommen: Wie aus dem Organigramm der Keystone-SDA hervor geht, sind die Bereiche Corporate Publishing und Nachrichtenagentur klar getrennt. Ob sich in Zukunft vereinzelt Synergien ergeben, wird sich zeigen müssen. Auch die Unternehmensstruktur ist nicht in Stein gemeisselt.

Die dritte Säule von Keystone-SDA ist der Bereich Solutions. Sie wollen Medienhäusern und anderen Kunden IT-Produkte anbieten und hier vom Know-How der APA profitieren. Die Schweizer Verlagshäuser versuchen doch selber schon, ihre IT-Produkte an Dritte zu verkaufen. Hier hat niemand auf Keystone-SDA gewartet.
Die APA hat in diesem Bereich schon viele Erfahrungen gemacht und Erfolge verzeichnet. Es geht uns in der Schweiz nicht darum, dass wir im Solutions-Bereich von heute auf morgen riesige Wachstumsraten verzeichnen werden. Erst einmal müssen wir das Unternehmen Keystone-SDA auch technologisch fusionieren. Wir haben im Medienbereich eine einzigartige Ausrichtung und Produktpalette. Diese Produkte, die wir in der eigenen Arbeit täglich brauchen, wollen wir mit Überzeugung an weitere Abnehmer verkaufen können.

Wer ist die SDA? Wir verschaffen dir den Durchblick

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    Alle Leser-Kommentare
  • Anna Landmann 09.05.2018 16:29
    Highlight Highlight Die bösen Kunden sind ja gleichzeitig die Besitzer der sda, was alles nur noch absurder macht. Und statt einem anständigen Sozialplan gabs für diese Besitzer/Kunden erstmal saftig Dividende aus der Reserve. Streik löste nicht das Interview aus, sondern die Fakten...
  • peeti 09.05.2018 10:27
    Highlight Highlight «Denkbar ist ein abgetrennter Service-Public-Bereich, der nicht gewinnorientiert arbeitet.»

    Ja genau. Die beiden Bereiche lassen sich ja sicher gaanz gut abtrennen und werden nie gemischt. Postauto Schweiz als Paradebeispiel?
  • Stan_the_man 09.05.2018 10:01
    Highlight Highlight Der Herr ist überzeugt von diesem und jenem, in erster Linie aber von sich.

    Ziemlich viel Blabla ist in seinen Antworten zu finden.
  • dorfne 09.05.2018 09:38
    Highlight Highlight Seit Jahr und Tag hören wir: Wir müssen den CEO's möglichst hohe Löhne anbieten, damit wir auch die Allerbesten kriegen. Und jetzt das: es sind Fehler passiert, als gelernter Wirtschaftsprüfer fehlte mir die kommunikative Erfahrung. Man musste den Kunden hohe Rabatte geben. Auch noch fehlendes Verhandlungsgeschick? Und wofür, bitte sehr, sind die CEO's schon wieder "verantwortlich"? Die sollten mit ihren Privatvermögen (das sie sich genommen, nicht verdient haben) für ihre Fehler bezahlen. Aber einen Trost gibt es: Streik kann sich lohnen.
  • Djego 09.05.2018 08:38
    Highlight Highlight Aha, im jetzigen Interview plaudert Markus Schwab, dass er keine Fehler gemacht habe, ausser die Ferkeleien bei der Fusion allzu transparent kommuniziert zu haben....
    Mir scheint die kommunikative Lernkurve noch abgeschlossen zu sein
  • thierry_haas 09.05.2018 08:09
    Highlight Highlight Inter - Gähn - View - Pfffff....

    Ich wünsche den verbleibenden Angestellten viel Mut und Durchhaltevermögen, ist eine echt miese Zeit für die Armen..
  • N. Y. P. D. 09.05.2018 07:09
    Highlight Highlight Kevin : Äh Papa. Bisher kam der Text von der SDA und die Bilder von Keystone.

    Papa : Ja

    Kevin : Jetzt kommen der Text und die Bilder von der fusionierten SDA und Keystone.

    Papa : Ja

    Kevin : Das nennt man multimedial.

    Papa : Ja

    Kevin : Aber jetzt mal ehrlich, Papa. Was soll da jetzt revolutionär daran sein. Es sind immer noch getrennte Abteilungen, aber einfach unter zukünftig gemeinsamen Dach.

    Papa : Stimmt. So, hast Du alles für die Schule ?

    Kevin : Ja, Du und wegen Trump ?

    Papa : Nein, um Himmelswillen ! Dieses Thema lassen wir heute..
  • El Vals del Obrero 09.05.2018 07:05
    Highlight Highlight "Wir haben falsch kommuniziert" heisst auf gut Deutsch "Wir haben alles richtig gemeint, nur haben wir leider nicht daran gedacht, dass ihr zu doof seit um es zu kapieren"
  • Roland Stamm 09.05.2018 06:15
    Highlight Highlight Schon etwas absurd: der CEO der SDA, notabene einer Nachrichtenagentur, braucht noch eine Lernkurve hinsichtlich Kommunikation. Das ist wie der Bäcker, der noch eine Lernkurve braucht, wie er Brot bäckt. Einfach Wahnsinn, was sich da in den Chefetagen von staatsnahen Betrieben so tummelt.
    • JoeyOnewood 09.05.2018 07:01
      Highlight Highlight Genau dasselbe dachte ich mir auch. Ich glaube aber, es mangelt ihm nicht nur an der Fähigkeit zur Kommunikation, es mangelt ihm auch an Gespür, mit Menschen umzugehen. Zusammengefasst: Ein schlechter CEO.
    • bobi 09.05.2018 07:31
      Highlight Highlight Einverstanden. Aber SDA ein staatsnaher Betrieb?
    • _kokolorix 09.05.2018 07:45
      Highlight Highlight Ähh, staatsnah?
      Sonst einverstanden
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