DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Rudy Giuliani, der Anwalt von Donald Trump, hat ihn ziemlich in die Sch... geritten.
Rudy Giuliani, der Anwalt von Donald Trump, hat ihn ziemlich in die Sch... geritten.Bild: EPA/EPA

Wie Rudy Giuliani Donald Trump in die Sch... geritten hat

Der persönliche Anwalt des Präsidenten ist dubiosen Verschwörungstheorien aufgesessen und hat damit die Ukraine unter Druck gesetzt. Trump hat ihm geglaubt – und hat nun ein Impeachment-Verfahren am Hals.
25.09.2019, 22:4826.09.2019, 21:17

«Rudy – er hat das alles getan», sagt ein amerikanischer Beamter. «Diese Sch…, in der wir nun sind, haben wir nur, weil er sich in den ordentlichen Prozess eingemischt hat.»

In einem aufsehenerregenden Report zeichnet die «Washington Post» nach, wie sich Rudy Giuliani das Ukraine-Dossier unter den Nagel gerissen und wie er sich dabei auf längst widerlegte Verschwörungstheorien verlassen – und wie er schliesslich den Präsidenten zu seinem verhängnisvollen Telefonat mit seinem ukrainischen Gegenpart verleitet hat.

Aber der Reihe nach:

Anfang dieses Jahres wurde überraschend die US-Botschafterin in Kiew, Marie Yovanovitch, nach Washington zurückbeordert. Sie war noch zu Zeiten von Präsident Barack Obama ernannt worden, doch sie genoss im Aussenministerium einen sehr guten Ruf.

Giulianis legendärer Streit mit Chris Cuomo.Video: YouTube/NEXT NEWS

Hinter der Entlassung steckte Rudy Giuliani, der persönliche Anwalt Donald Trumps. Er hatte Wind bekommen von einer Verschwörungstheorie, die in rechtsextremen Kreisen und Medien seit längerem zirkuliert.

Die Verschwörungstheorie besagt, dass nicht nur Hunter Biden, der Sohn des ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden, aus dubiosen Gründen von einem Korruptionsverdacht freigesprochen worden war. Auch Trumps ehemaliger Wahlkampfmanager Paul Manafort sei Opfer der gleichen Kreise geworden, die – wie könnte es auch anders sein – von George Soros finanziert würden.

Keine Beweise gefunden: Vater und Sohn Biden.
Keine Beweise gefunden: Vater und Sohn Biden.Bild: ap/FR67404 AP

So weit, so schlecht. Mit Botschafterin Yovanovitch liess sich dieser Unsinn natürlich nicht erhärten. Sie musste weg. Giuliani begann, ernsthaft gegen Yovanovitch zu intrigieren. «Gegen sie müsste man ebenfalls ein Untersuchungsverfahren einleiten», erklärte er gegenüber der «Washington Post». «Sie wird von George Soros bezahlt.»

Yovanovitch arbeitet heute an der Georgetown University in Washington. Sie will die Angelegenheit nicht kommentieren.

Als sich Trump schliesslich persönlich mit einem Tweet gegen Yovanovitch zu Wort meldete, war es um die Botschafterin geschehen. Sie wurde zurückberufen.

Nun hatte Giuliani freie Bahn. Er war überzeugt, dass er mit dem neu gewählten Präsidenten der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, ein leichtes Spiel haben würde, schliesslich war der Mann ein blutiger Anfänger im Polit-Business.

Neuling im Polit-Business: Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine.
Neuling im Polit-Business: Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine.Bild: AP

Vom Aussenministerium hatte er verschiedene Treffen in Kiew organisieren lassen. Als sein Trip ruchbar wurde, musste er ihn jedoch wieder abblasen. Stattdessen gab es ein Treffen von Mitgliedern des Stabes von Selenskyj und Giuliani in Madrid. Trumps Anwalt soll sie dabei mit Nachdruck aufgefordert haben, Dreck gegen Joe Biden zu finden.

Es sei an dieser Stelle nochmals betont: Obwohl Hunter Bidens Mandat bei der ukrainischen Erdgas-Gesellschaft Burisma fragwürdig war, gibt es keinerlei Beweise, dass er etwas Illegales tat, und dass sein Vater davon wusste.

Die hohen Beamten im Aussenministerium und im National Security Counsil (NSC) waren über dieses Vorgehen entsetzt. Sie hatten mit allen Mitteln versucht, Trump davon abzuhalten. Stabschef Mick Mulvaney blieb jeder Sitzung mit Trump und Giuliani fern. Selbst der inzwischen gefeuerte Hardliner und NSC-Chef John Bolton wollte nichts davon wissen.

Die ganze Angelegenheit war daher laienhaft organisiert. Es gab keinen ordentlichen Prozess. «Es gab keine Befehle oder formale Richtlinien seitens des Weissen Hauses», sagt ein hoher US-Beamter. «Beim NSC haben sie sich den Kopf gekratzt und gefragt: 'Wie ist das möglich?'.»

Wer mag, kann sich auch Giuliani bei Laura Ingraham zu Gemüte führen.Video: YouTube/Ktü Riders

Seit die Ukraine-Affäre aufgeflogen ist, verhält sich Giuliani noch chaotischer. Zuerst hat er sich auf CNN fast eine halbe Stunde lang mit Chris Cuomo gezofft und dabei unfreiwillig zugegeben, dass er tatsächlich die Ukraine gedrängt hat, in Sachen Biden tätig zu werden.

Nun legt er sich selbst mit Fox News an. In der Sendung mit Laura Ingraham hat er sich derart bizarr geäussert, dass es selbst dieser Hardline-Trump-Fan-Moderatorin peinlich wurde, und sie ihn abklemmen musste.

Und Giuliani wäre nicht Giuliani, hätte er nicht erneut einen Riesenbock geschossen: Er gab zu, dass er mit dem Aussenministerium zusammengearbeitet hatte. Wie er das rechtfertigen kann, wird interessant werden.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Alle Impeachment Titel von Philipp Löpfe

1 / 11
Alle Impeachment Titel von Philipp Löpfe
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Abonniere unseren Newsletter

42 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
The Real Deadpool
25.09.2019 23:26registriert Juni 2017
Plot Twist: Giuliani hat das absichtlich gemacht, weil er Trump eigentlich hast.

Witzig wär's ja. 😅
18819
Melden
Zum Kommentar
avatar
D(r)ummer
25.09.2019 23:15registriert Mai 2016
Pence wird Giuliani in Gottes Namen vergeben.
15213
Melden
Zum Kommentar
avatar
Yolo
26.09.2019 06:09registriert Mai 2015
Trump erhielt das Personal, dass er auch wirklich verdient hat. Kündigung für Kündigung.
924
Melden
Zum Kommentar
42
Nach Trump-Razzia: Der Druck auf Justizminister Garland steigt
Knüpft sich die US-Justiz Donald Trump jetzt wirklich vor? Das hängt vor allem an einem Mann, der diese Rolle nie einnehmen wollte.

Über die Razzia bei Donald Trump gibt es weiter viele Rätsel: So ist unbekannt, welche Dokumente die Ermittler des FBI am Montag in seinem Anwesen Mar-a-Lago sicherstellen wollten und welche sie tatsächlich auch fanden.

Zur Story