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Das Profilbild von «Bebbi wach uf» – der Facebook-Seite für ein junges und lebendiges Basel.
Das Profilbild von «Bebbi wach uf» – der Facebook-Seite für ein junges und lebendiges Basel.bild: facebook

Wir brauchen Bass, Bass! – Basel verärgert mit einer Lärm-Formel die ganze Clubszene

Basel hat die Berechnung des Schalls geändert: Der Bass muss runter. Die Lärm-Formel gilt seit einem Jahr und taucht jetzt in Bewilligungen für neue Musiklokale auf. Kulturschaffende sind verärgert.
13.05.2015, 11:4913.05.2015, 12:42

Neuer Zündstoff im Streit um das Basler Clubsterben: Weil «moderne Musik» basslastiger ist, hat das Amt für Lärmschutz eine Formel für die Berechnung von Schall entwickelt. Sie gilt seit einem Jahr, taucht aber erst jetzt in Bewilligungen für neue Musiklokale auf. Db A minus Db C = 14 heisst sie und bedeutet: die Messwerte A (das sind die «normalen» Dezibel-Werte) und C (die Bass-Werte) dürfen künftig nicht mehr als 14 Punkte auseinander liegen.

Übersetzt heisst das: Der Bass muss weg.

Für «Kulturstadt Jetzt» kommt das einem Verbot von elektronischer Musik gleich. Das parteiunabhängige Komitee hat eine Interpellation angekündigt und diese auf der Facebook-Seite «Für ein junges, lebendiges Basel» publiziert. Die Aufregung über die Regelung, die vor einem Jahr erlassen und jetzt auf neue Gesuche angewandt wird, ist gross.

Clubbetreiber wurden nicht informiert

«Die Formel ist willkürlich gewählt und sehr tief.»
«Kulturstadt Jetzt»

«Die Formel ist willkürlich gewählt und sehr tief», schreibt «Kulturstadt Jetzt». Anlässe wie das Open Air Basel, das Imagine und das JKF seien dadurch bedroht. Der Zweck von Elektro-, Techno- oder Hiphop-Konzerten werde vereitelt, internationale Acts würden nicht mehr in Basel auftreten können und wollen. Und Clubgründungen seien gar nicht mehr möglich.

Für die SP-Grossrätin Kerstin Wenk geht es aber nicht nur um die Formel an sich, sondern auch um die Kommunikation des Amtes für Umwelt und Energie (AUE). «Das Amt hat nie den Dialog mit Clubbetreibern gesucht», sagt Wenk. Diese sähen sich jetzt plötzlich damit konfrontiert, strengere Bedingungen erfüllen zu müssen – ohne vorgängig informiert worden zu sein. Für Wenk ist dieses Vorgehen symptomatisch für die bei den Behörden mangelnde Wertschätzung des Basler Nachtlebens. 

Doch beim AUE versteht man die Aufregung nicht. «Im Vergleich zu anderen Schweizer Städten hat Basel einen freizügigeren Lärmschutz und längere Öffnungszeiten. Das bedeutet aber auch mehr Konflikte mit Anwohnern», verteidigt Matthias Nabholz, Chef des AUE, die Massnahme. «Und deren Schutz ist wichtig.» 

Wie schlimm steht es um das Basler Nachtleben?

Die Kluft zwischen Wenk und Nabholz ist typisch für den Streit um das Basler Nachtleben. In Basel grassiert das Clubsterben, warnen die einen. Institutionen des Basler Nachtlebens wie Hinterhof, Nordstern, Garage und Lady Bar schliessen bald. Alternativen sind nur wenige in Sicht. Doch die Stadt kümmere sich nicht um ein florierendes und lebendiges Basel und verkenne den Wirtschaftsfaktor Nachtleben, sagen Kulturschaffende. 

Der Bass muss weg – schlimm oder ok?

Sie fordern deshalb seit Monaten mehr Anerkennung, mehr künstlerische Freiheit, mehr Raum und mehr Verständnis für das Basler Nachtleben. Wenk sagt: «Das Clubsterben ist Realität». Grossrätin Mirjam Ballmer hat bereits im März eine Interpellation eingereicht, in der sie von der Stadt eine gezielte Förderung des Nachtlebens verlangt.

«Das Clubsterben ist Realität.»
Kerstin Wenk

Das Clubsterben ist nur ein Gespenst, sagen andere. Es liege in der Natur von Zwischennutzungen, wie Hinterhof und Nordstern es sind, dass sie irgendwann dicht machen müssen. Dafür gebe es Platz für neue Lokale: Kaschemme, Balz und Balthazar zum Beispiel. Die «Basler Zeitung» bezeichnete die Diskussion um das Clubsterben als «Sturm im Cocktailglas». 

Immerhin: Volkswirtschaftsdirektor Christoph Brutschin zeigte am Montag an einem Podiumsgespräch im «Les Trois Rois» Zeichen einer Annäherung: Bestehende Reglemente müssten umgesetzt werden, seien sie noch so unzeitgemäss, sagte er – und forderte gleichzeitig die Kulturschaffenden dazu auf, sich auf politischem Weg dagegen zu wehren. Brutschin: «Die Dinge könnten sich ändern.»

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