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Alaphilippe schaut sich um: Landsmann Pinot ist der wohl grösste Favoriten auf den Gesamtsieg geworden.
Alaphilippe schaut sich um: Landsmann Pinot ist der wohl grösste Favoriten auf den Gesamtsieg geworden.
Bild: EPA

Frankreich träumt vom heimischen Sieger – Pinot sitzt Leader Alaphilippe im Nacken

Vor der Schlusswoche, die drei schwere Etappen in den Alpen beinhaltet, scheint der Ausgang der Tour de France so offen wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Hinter dem überraschenden Leader Julian Alaphilippe sind fünf Fahrer nahe beisammen.
23.07.2019, 06:28

Frankreich hofft und bangt und drückt die Daumen. Klappt es endlich wieder einmal mit dem Gesamtsieg eines Einheimischen? Mit dem ersten seit jenem Bernard Hinaults im Sommer 1985? Die Chancen dazu stehen nicht schlecht, jedenfalls besser als auch schon in den vergangenen drei Jahrzehnten.

Die letzte Tour-Woche

Der Ruhetag gestern und die Flachetappe heute in Nîmes kommen Leader Julian Alaphilippe gerade recht. Der Franzose ist in den letzten Tagen regelrecht über sich hinausgewachsen und benötigt deshalb dringend Zeit zur Erholung. Für den 2. Platz am Samstag auf dem Tourmalet «musste ich meine Reserven angreifen», gibt er zu. Kein Wunder, dass er dafür einen Tag später etwas büssen musste.

Der Titelverteidiger und das aktuelle Maillot Jaune: Geraint Thomas und Julian Alaphilippe.
Der Titelverteidiger und das aktuelle Maillot Jaune: Geraint Thomas und Julian Alaphilippe.
Bild: AP

«Ich beginne, die vergangenen zwei Wochen zu spüren. Ich fahre eben so, wie ich es liebe.» Dazu ziehe das Maillot jaune, das er nun schon zehn Tage trage, viele Verpflichtungen nach sich, sagt Alaphilippe. Die Siegerehrungen und die vielen Interviews kosten den Leader wertvolle Zeit, die der Regeneration abgehen.

Das Gesamtklassement
1. Julian Alaphilippe (FRA)
2. Geraint Thomas (GBR) +1:35
3. Steven Kruijswijk (NED) +1:47
4. Thibaut Pinot (FRA) +1:50
5. Egan Bernal (COL ) +2:02
6. Emanuel Buchmann (GER) +2:14

Der 27-jährige Publikumsliebling betritt in der dritten Tour-Woche insofern Neuland, als dass er in einer grossen Rundfahrt noch nie auf das Gesamtklassement gefahren ist. «Ich werde wie bisher mein Bestes geben und nehme Tag für Tag.»

Als erschwerender Faktor kommt für Alaphilippe hinzu, dass er in den finalen Anstiegen wohl auf sich alleine gestellt sein wird – wie am Sonntag in Foix, wo er sich persönlich um seine Verpflegung kümmern musste. Das in Eintagesrennen extrem erfolgreiche belgische Team Deceuninck-Quick Step ist nicht dafür konzipiert, um im Hochgebirge den eigenen Tour-Leader bis fast zur Ziellinie zu unterstützen und beschützen.

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Pinot im Aufwind

Ganz anders ist da Groupama-FDJ, unter anderen mit den Schweizern Sébastien Reichenbach und Stefan Küng, für seinen Captain Thibaut Pinot aufgestellt. Pinot gilt nach zwei beeindruckenden Auftritten in den Pyrenäen als erster Herausforderer von Alaphilippe. Als Gesamt-Vierter liegt er nur noch 1:50 Minuten hinter seinem Landsmann zurück. Lediglich drei Sekunden fehlen Pinot zum drittklassierten Niederländer Steven Kruijswijk – und ebenfalls nur 15 Sekunden zum Titelverteidiger Geraint Thomas. Zumindest der zweite Tour-Podestplatz nach 2014 scheint möglich. Vor fünf Jahren war der Franzose hinter dem überlegenen Italiener Vincenzo Nibali und Jean-Christophe Péraud Dritter geworden.

«Das Wichtigste in den Pyrenäen-Etappen war, dass ich auf alle Konkurrenten Zeit aufholen konnte», so Pinot. Die Hoffnung, dass vielleicht doch er der erste französische Gesamtsieger seit 34 Jahren sein könnte, hat der 29-Jährige noch nicht aufgegeben, «denn die schwersten Etappe kommen noch».

Etappensieg am Samstag: Pinots Formkurve zeigt nach oben.
Etappensieg am Samstag: Pinots Formkurve zeigt nach oben.
Bild: AP

Er denkt dabei an die drei Tage in den Alpen. In der 19. Etappe am Freitag in Tignes und auch tags darauf in Val Thorens kommt es zu Bergankünften auf über 2000 Metern über Meereshöhe. Etwas, was Pinots Fähigkeiten entgegenkommt, wie er zuletzt bei seinem Sieg am Col du Tourmalet beweisen konnte. Er werde wiederum angreifen, «wenn ich denn weiterhin gute Beine habe», kündigt Pinot an. Sollte es zudem wie am Sonntag eher kalt und nass sein, umso besser: «Das ist nämlich das Wetter, das ich liebe.»

Thomas: «Alle sind müde»

Der Hauptgegner des französischen Duos fährt für das Team Ineos, das in der Vergangenheit unter dem vormaligen Namen Sky an der Tour fast unschlagbar gewesen ist. Doch nun beträgt Vorjahressieger Thomas' Defizit auf das Maillot jaune schon 1:35 Minuten. Der Rückstand des Walisers stieg am Wochenende gar leicht an. Weder hinauf zum Tourmalet noch nach Foix Prat d'Albis konnte er mit den besten Kletterern mithalten.

«Immerhin lief es mir am Sonntag besser als tags zuvor», bleibt Thomas positiv. Der Glaube an seinen zweiten Tour-Sieg ist immer noch vorhanden. «Alle sind müde. Es gilt auf die Zähne zu beissen. Hoffentlich helfen mir die im vergangenen Jahr beim Tour-Sieg gemachten Erfahrungen.» Nach dem von seiner Seite «sehr willkommenen» Ruhetag gelte es vor allem Pinot im Auge zu behalten. «Er ist momentan in grossartiger Form.»

Bernal ist bereit, sich zu opfern

Sein Ineos-Teamkollege Egan Bernal sieht «noch fünf oder sechs Fahrer», welche die Frankreich-Rundfahrt gewinnen können. «Dass ich mit 22 Jahren dazu gehöre, das alleine ist für mich bereits ein Traum», sagt der diesjährige Tour-de-Suisse-Sieger. Für Ineos sei es gut, zwei Karten ausspielen zu können. Er habe noch Zeit, so der Kolumbianer weiter. «Falls der Moment kommt, in dem ich mich opfern muss, damit Geraint (Thomas) die Tour gewinnt, werde ich das mit Freude tun.»

Daumen hoch: Thomas freut's, dass Bernal ihm Treue schwört.
Daumen hoch: Thomas freut's, dass Bernal ihm Treue schwört.
Bild: AP

Zum halben Dutzend Anwärter auf den Gesamtsieg an der Tour de France gehört auch Emanuel Buchmann. Mit dem 26-Jährigen aus Ravensburg hat Deutschland erstmals seit langem wieder einen Fahrer mit guten Chancen auf das Tour-Podest in Paris. Nur 2:14 Minuten beträgt der Rückstand des Sechsten auf Alaphilippe. «Die Tour ist so offen wie nie. Mein Ziel sind weiter die ersten zehn. Aber es wäre schön, wenn es mehr wird.» (ram/sda)

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