DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa08463851 People, who gathered in protest of the death of George Floyd, peacefully march to the Trump International Hotel in Washington, DC, USA, 03 June 2020. A bystander's video posted online on 25 May, shows George Floyd, 46, pleading with arresting officers that he couldn't breathe as one officer knelt on his neck. The unarmed black man soon became unresponsive, and was later pronounced dead. According to news reports on 29 May, Derek Chauvin, the police officer in the center of the incident has been taken into custody and charged with murder in the George Floyd killing, on 03 June the other three officers on scene were charged with aiding and abetting murder of second degree.  EPA/SHAWN THEW

Bild: keystone

Analyse

Donald Trump verliert das Vertrauen der Amerikaner

Ex-Verteidigungsminister Jim Mattis und hohe Militärs kritisieren den Präsidenten hart. Pfarrer protestieren gegen seinen Bibel-Bluff. Die Republikaner ducken sich weg.



Keine amerikanische Institution geniesst mehr Vertrauen der Bevölkerung als das Militär. Der frisch gewählte Präsident Trump stopfte deshalb zu Beginn seiner Amtszeit sein Kabinett voll mit ehemaligen Generälen. Der bekannteste von ihnen war Jim Mattis, ein hoch dekorierter Kommandant der Marines, Amerikas legendärer Kampftruppe.

Trump mochte Mattis ganz besonders, denn er trug den Übernamen «mad dog» (verrückter Hund). Der Präsident hat eine Schwäche für Rambo-Figuren, doch in Mattis hatte er sich getäuscht. Trotz seines Übernamens ist der ehemalige Marine ein sehr gebildeter Mann und alles andere als eine Kriegsgurgel.

FILE -In this Sept. 21, 2018, file photo, Defense Secretary Jim Mattis speaks during the 2018 POW/MIA National Recognition Day Ceremony at the Pentagon in Washington. President Donald Trump says Mattis will be retiring at the end of February 2019 and that a new secretary will be named shortly.  (AP Photo/Susan Walsh, file)

Greift Trump frontal an: Ex-Verteidigungsminister Jim Mattis. Bild: AP/AP

Zunächst versuchte Mattis, zusammen mit den beiden anderen Ex-Generälen John Kelly und H.R. McMaster, Trump von seinen dümmsten Fehlern abzuhalten. Es sollte sich als Illusion erweisen. Als der Präsident eigenmächtig verkündete, die US-Truppen aus Syrien abzuziehen, warf Mattis das Handtuch.

Ganz in der Tradition der Militärs hielt er zunächst den Mund. Mattis hat zwar ein Buch verfasst, darin jedoch kein schlechtes Wort über den Präsidenten verloren. Nun hat er sein Schweigen gebrochen. Die brutalen Angriffe auf friedliche Demonstranten haben das Fass zum Überlaufen gebracht. In der Zeitschrift «The Atlantic» attackiert Mattis Trump frontal:

«Donald Trump ist der erste Präsident zu meiner Lebenszeit, der nicht versucht, das amerikanische Volk zu vereinen – er gibt nicht einmal vor, es zu versuchen. Stattdessen sät er Zwietracht unter uns. Wir erleben nun die Konsequenzen von drei Jahren dieser bewussten Anstrengung. Wir erleben die Konsequenzen von drei Jahren ohne reife Führung. Wir können uns ohne ihn zusammentun, indem wir Kraft aus unserer Zivilgesellschaft schöpfen. Die letzten Tage haben gezeigt, dass dies nicht einfach sein wird. Aber wir sind es unseren Mitbürgern schuldig, ebenso vergangenen Generationen, die ihr Blut gegeben haben, um unser Versprechen zu verteidigen; und wir schulden es unseren Kindern.»

Boom! Die Worte des wahrscheinlich am meisten bewunderten US-Generals treffen Trump dort, wo es ihm wirklich weh tut. Kommt dazu, dass Mattis sich in bester Gesellschaft befindet. Auch Admiral Mike Mullen fuhr Trump heftig in die Parade. Der ehemalige Oberkommandierende der US-Streitkräfte und hoch geachtete Militär schrieb ebenfalls im «Atlantic»:

«Ich kann nicht mehr länger schweigen. Unsere Mitbürger können nicht unsere Feinde sein, und sie dürfen es niemals werden.»

Unbehagen macht sich selbst bei zwei Mitgliedern des Trüppchens breit, das den unseligen Marsch vom Weissen Haus zur Kirche St. John’s mitgemacht hat. Der (noch) amtierende Verteidigungsminister Mark T. Esper, der noch vor Tagen von amerikanischen Städten als «Schlachtfeldern» geschwafelt hat, macht ebenfalls einen Rückzieher.

Anders als der Präsident will Esper nun keine aktiven Soldaten gegen die Demonstranten einsetzen, und anders als der Präsident will er auch ein Gesetz aus dem Jahr 1807, das dies eventuell ermöglichen würde, nicht anrufen. Auf den unseligen Spaziergang zur Kirche angesprochen, erwidert Esper: «Ich wusste gar nicht, wohin wir gingen.» Der Verteidigungsminister dürfte damit de facto sein Kündigungsschreiben eingereicht haben.

Trump auf dem Weg zur Kirche

Lächerlich: General Mark A. Milley in voller Kampfmontur neben Trump auf dem Weg zur Kirche. bild: screenshot youtube.

Kalte Füsse bekommt auch Gen. Mark A. Milley. Der amtierende Oberbefehlshaber hatte sich nicht entblödet, in voller Kampfmontur am unseligen Spaziergang teilzunehmen. Nun hat er in einem Brief an alle Soldaten erklärt, sie würden die Verfassung verteidigen, die «allen Amerikanern das Recht gibt, sich frei zu äussern und sich friedlich zu versammeln».

Trumps plumper Bibel-PR-Gag zieht immer weitere Kreise. Immer mehr Gottesleute verurteilen diese Aktion. Selbst bei der Southern Baptist Church – dort versammeln sich die Hardcore-Evangelikalen – wird Kritik laut.

Der Protest erfasst zudem immer mehr Prominente. Ob Sportler oder Filmstars, alle verurteilen die Polizeigewalt, und zwar weltweit. Die «Black Lives Matter»-Bewegung gewinnt immer mehr weisse Anhänger. Politiker und selbst Polizisten knien nieder oder umarmen Demonstranten. Ex-Präsident Barack Obama wandte sich mit einem bewegenden Aufruf an die Jugend.

Der Protest ist weit abgestützt. Eine jüngste Umfrage zeigt, dass 64 Prozent der Amerikaner Verständnis haben. Zum Vergleich: Nach den Unruhen in Ferguson im August 2014, als ebenfalls ein Schwarzer von der Polizei getötet worden war, waren es noch 25 Prozent.

Trumps Bibel-Show wird zum Eigengoal
Zufall?

Wahrscheinlich ein Fake: Vergleich mit Hitler. Bild: comments://973492898/2653426

Die Politiker der Grand Old Party ducken sich derweil weg, wenn sie auf Trumps Bibel-PR-Gag angesprochen werden. Nur einzelne verteidigen den Präsidenten, etwa Tom Cotton, ein Senator aus Alabama. Er will wie Trump Soldaten im Kampf gegen die Demonstranten einsetzen, und er wird wie der Präsident dafür heftig kritisiert.

Wie sehr sich die Stimmung gegen Trump gewendet hat, zeigen die Aussagen von Jim Mattis. Als er vor 50 Jahren dem Militär beigetreten sei, hätte er es sich niemals denken können, dass er für einen «bizarren PR-Gag des Commander-in-chief» aufgeboten würde, so der Ex-General. Mehr noch, er vergleicht Trump indirekt gar mit Adolf Hitler und bezieht sich dabei auf die Invasion der US-Truppen in der Normandie im Jahr 1944:

«Der Nazi-Slogan lautete damals: ‹Teile und herrsche›. Unsere amerikanische Antwort darauf lautet: ‹In der Gemeinsamkeit liegt unsere Kraft›. Diese Gemeinsamkeit müssen wir in dieser Krise wiedererlangen – im Wissen, dass wir besser sind als unsere Politik.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Tödliche Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA

1 / 16
Tödliche Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA
quelle: ap/ap / kathy willens
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Die Polizeigewalt in den USA setzt neue Massstäbe

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Warum dieser Bio-Bauer keine Angst vor der Trinkwasser-Initiative hat

Es brodelt in der Bio-Branche. Die Trinkwasser-Initiative spaltet die Gemüter. Der Berner Bio-Bauer ist enttäuscht über die Nein-Parole von Bio Suisse. Bei einem Rundgang über seinen Hof erzählt er von seiner Vision – und erklärt, warum er kein Nutella isst.

Durch die malerische Landschaft des Berner Seelands, vorbei an den typisch rund geschwungenen Dächern der Berner Bauernhäuser, durch die Gemeinde Grossaffoltern führt ein einsamer Weg auf den Hof von Markus Bucher. Er trägt den lieblichen Namen «Farnigasse». Und die Farnigasse gibt Buchers Reich seinen Namen. Das «Farngut» des Bio-Bauern ist umgeben von blühenden Apfelbäumen und frisch bepflanzten Knoblauch-Feldern. Es ist ruhig auf dem Hof. In der Ferne sind einige Feldarbeitende zu …

Artikel lesen
Link zum Artikel