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Schwitzt die Puppe, läuten beim Spitalpersonal die Alarmglocken



Sie atmen, schwitzen, bluten und sprechen, schliessen die Augen, reagieren allergisch oder erleiden einen Herzinfarkt: die Hightech-Puppen im Schweizer Institut für Rettungsmedizin (Sirmed) in Nottwil, mit deren Hilfe Spitalpersonal Krisensituationen einüben kann.

Auf einer Bahre schieben eine Rettungssanitäterin und ein Rettungssanitäter ein Unfallopfer in den Schockraum. Dort werden sie bereits vom Spitalpersonal empfangen. «Sali zäme», begrüssen sie sich. Da meldet sich schon das Opfer: «Wo bin ich?».

Diese Szene, wie sie hundertfach in Schweizer Spitälern vorkommt, ist nur gespielt. Das Opfer ist eine Attrappe, der Schockraum ein spärlich eingerichtetes Schulungszimmer. Das Sirmed, das zur Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) gehört, hat die Anlage letzte Woche in Betrieb genommen und am Dienstag den Medien vorgeführt.

Versorgung für Notfallpatienten verbessern

Das Sirmed hatte 2002 mit vier Mitarbeitern den Betrieb aufgenommen, mittlerweile hat es zwei Dutzend Festangestellte und zehn Mal so viele Personen, die im Stundenlohn arbeiten. Das Institut wolle dazu beitragen, dass die Notfallpatienten die bestmögliche Versorgung erhalten würden, erklärt Geschäftsführer Helge Regener. Es gebe noch immer Situationen, in denen nicht alles rund laufe.

Das Sirmed führt jährlich rund 1000 Seminare durch und ist vom Kanton Luzern auch als Höhere Fachschule anerkannt. Rettungs- und Notfallmediziner lassen sich in Nottwil weiterbilden, aber auch normale Erste-Hilfe-Ausbildungen bietet das Institut an.

Rund drei Millionen Franken kostete das neue Simulationszentrum. Solche gibt es in der Schweiz rund ein halbes Dutzend. Es besteht aus zwei Schulungsräumen sowie je einem 1-zu-1-Modell einer Ambulanz und eines Rettungshelikopters. Die Schulungsräume lassen sich als Operationssaal, Intensivstation oder Schockraum nutzen.

Übungsleiter greift ein

Fest installierte Kameras und Mikrophone zeichnen den Einsatz auf. Hinter einer Spiegelscheibe sitzt der Übungsleiter und schaut zu. Er lässt den Dummy nach Bedarf sprechen, schwitzen oder kollabieren, er kann aber auch einen technischen Defekt wie einen Stromausfall simulieren. Es gehe aber nicht darum, das technisch mögliche auszureizen, erklärt Regener.

Ziel solcher Übungen ist es vielmehr, im Team Krisensituationen zu meistern. Koordination und Teamarbeit seien enorm wichtig, erklärt Kai Kranz, der beim Sirmed den Bereich berufsbegleitende Weiterbildung leitet. Das Sirmed vermittle deswegen nicht in erster Linie medizinische Fähigkeiten.

Eine Simulationsübung dauert rund zehn bis 15 Minuten. Etwa die Hälfte des Szenarios wird gemäss dem Übungsziel geplant, der Rest sind Reaktionen auf das, was die Teilnehmer machen. Eine wichtige Übung sei das Schnittstellentraining, sagt Kranz. Bei der Übergabe des Patienten vom Rettungsdienst in den Notfall könnten wichtige Informationen - etwa zu einer Allergie - verloren gehen.

Übung wird eingehend besprochen

Bei der für die Medien inszenierten Übung hat die Übergabe des Patienten aber sehr gut funktioniert. Ruhig haben die Spitalangestellten dem Bericht der Rettungssanitäter zugehört und sich dann um das Unfallopfer gekümmert. Dann erklärten sie diesem, dass es nun stärkere Schmerzmittel erhalte.

Die aufgezeichnete Übung wird anschliessend von den Teilnehmern und dem Übungsleiter analysiert. Dabei geht es nicht darum, Noten zu verteilen. Jeder solle merken, was sich bewährt habe und was nicht, sagt Kranz, und fügt an, dass bei Übungen im Sirmed auch experimentiert werden dürfe. (sda)

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