DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Alain Berset und Guy Parmelin im Gespräch: Wann die Normalisierungsphase startet, entscheidet der Bundesrat.
Alain Berset und Guy Parmelin im Gespräch: Wann die Normalisierungsphase startet, entscheidet der Bundesrat.
Bild: keystone

Wann werden die Massnahmen aufgehoben? Das Wichtigste in 4 Punkten

Wäre jetzt der Zeitpunkt, um in die Normalisierungsphase zu treten? Ein Überblick zur aktuellen Lage.
04.08.2021, 11:1805.08.2021, 06:03

Die Impfkampagne in der Schweiz ist ins Stocken geraten. Die Nachfrage nach Impfungen ist deutlich gesunken. Die Anzahl täglich verabreichter Impfdosen ist gemäss der Taskforce seit Anfang Juni um über 70 Prozent zurückgegangen.

Die Kantone sind nun dabei, die Kapazitäten zur Impfung herunterzufahren, wie die Berner Kantonsärztin Linda Nartey am Dienstag vor den Medien sagte. Aktuell sind in der Schweiz 48,37 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, 54,37 Prozent haben mindestens eine Dosis erhalten.

Angesichts des deutlichen Nachfrage-Rückgangs für Impfungen stellt sich die Frage: Ist jetzt der Moment gekommen, um in die Normalisierungsphase zu treten? Sind die bestehenden Massnahmen noch gerechtfertigt? Die folgenden 4 Punkte geben dir eine Übersicht zur Lage.

Das Drei-Phasen-Modell

Ende April stellte der Bundesrat das Drei-Phasen-Modell vor – es sollte den Schweizer Weg aus der Pandemie zeigen. Unterteilt ist der Plan in drei Phasen:

  • Schutzphase: Impfen der besonders gefährdeten Personen
  • Stabilisierungsphase: Zugang zur Impfung für die gesamte erwachsene Bevölkerung
  • Normalisierungsphase: Aufhebung der Massnahmen

Momentan befinden wir uns noch in der Stabilisierungsphase. Was also sind die Bedingungen, um in die Normalisierungsphase zu treten? Das Drei-Phasen-Modell besagt Folgendes:

«Sind alle impfwilligen erwachsenen Personen vollständig geimpft, beginnt die Normalisierungsphase. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass dann keine starken gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen mehr zu rechtfertigen sind. Die verbleibenden Massnahmen (Zugangs- und Kapazitätsbeschränkungen) sollen schrittweise aufgehoben werden. An dieser Strategie soll auch dann festgehalten werden, wenn die Impfbereitschaft der Bevölkerung entgegen der Erwartungen tief bleibt.»

Alain Berset bekräftigte mehrmals den Willen des Bundesrates, an diesem Plan festzuhalten. So sagte der Gesundheitsminister am 12. Mai: «Ab dem Moment, da alle Impfwilligen geimpft sind, sind Schliessungen, Kapazitätseinschränkungen und so weiter nicht mehr zu rechtfertigen.» Er könne sich aber gut vorstellen, dass etwa die Masken-Pflicht im ÖV auch zu Beginn der dritten Phase bestehen bleibe.

Die aktuell bestehenden Massnahmen

Per 26. Juni erliess der Bundesrat weitere Lockerungen der Corona-Regeln. Doch es gibt weiterhin Massnahmen für das öffentliche und private Leben in der Schweiz. So gilt nach wie vor eine Home-Office-Empfehlung. Private Treffen in Innenräumen sind auf 30 Personen beschränkt. An der frischen Luft beträgt die Limite 50 Personen.

Grossevents sind zwar erlaubt, bei mehr als 1000 Personen ist allerdings das Covid-Zertifikat Pflicht. Für Restaurants und Bars gilt in Innenräumen weiterhin eine Sitzpflicht, ausser sie verlangen beim Eintritt ein Covid-Zertifikat. Weiterhin bestehen bleiben auch die Isolations- und Quarantäneregeln bei einer Corona-Infektion oder bei Kontakt mit einer positiv getesteten Person. Eine vollständige Übersicht der aktuellen Massnahmen erhältst du hier.

Die Argumente gegen einen Übertritt in die Normalisierungsphase

Sollen die bestehenden Massnahmen also aufgehoben werden? An der Pressekonferenz von Dienstag gab der scheidende Präsident der Taskforce, Martin Ackermann, zu bedenken, dass über drei Millionen Menschen in der Schweiz noch nicht immun gegen das Coronavirus seien. Würden diese innert kurzer Zeit an Covid-19 erkranken, könnte es erneut zu Engpässen im Gesundheitssystem kommen.

Eine Überlastung des Gesundheitssystems hätte auch Folgen für Geimpfte, da auch diese auf einen Platz auf der Intensivstation angewiesen sein könnten – nach einem Verkehrsunfall etwa. Zudem wurden im Verlaufe der Pandemie Operationen verschoben, da die Kapazitäten fehlten. Bei einer erneuten Überlastung des Gesundheitssystems müsste diese Massnahme wohl erneut angedacht werden.

Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle im Bundesamt für Gesundheit (BAG), sagte an der Pressekonferenz von Dienstag, dass man den Punkt zum Übertritt in die Normalisierungsphase vielleicht schon erreicht habe. Sie gab allerdings zu bedenken, dass nach wie vor eine Nachfrage nach Impfungen bestehe. Das Potenzial sei noch nicht ganz ausgeschöpft. Viele würden sich etwa erst nach den Sommerferien impfen lassen.

Martin Ackermann brachte derweil eine Telefonkampagne ins Spiel, um die Impfquote zu erhöhen. Mittels gezielten Telefonaten sollten die Behörden Personen ansprechen, die sich bisher noch nicht haben impfen lassen.

Wann soll die Normalisierungsphase starten?

Wie es jetzt weitergeht

Der Entscheid, wann die Normalisierungsphase startet, liegt beim Bundesrat. Dieser wird sich in genau einer Woche, am 11. August, zu seiner ersten Sitzung nach den Sommerferien treffen. Lockerungen wird es zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht geben, da der Bundesrat zunächst die Kantone konsultieren muss.

Auf den geplanten Konsultationsprozess zu einem weiteren Öffnungspaket in der Woche zwischen dem 29. Juli und dem 4. August verzichtete der Bundesrat. Er begründete diesen Schritt mit einer «negativen Dynamik» und der Unsicherheit wegen Ferienrückkehrern.

Ob der Bundesrat am 11. August bei der Lagebeurteilung weitere Öffnungen in Konsultation gibt, wird sich zeigen. In Kraft treten würden diese aber kaum vor Ende August, da die Konsultation ein bis zwei Wochen in Anspruch nimmt. Der Übertritt in die Normalisierungsphase wird also trotz starkem Rückgang der Impfnachfrage nicht in den nächsten Tagen stattfinden.

«Sweet Home-Office Alabama» und andere Coronavirus-Lieder

Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Emily Engkent
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

«Das ist eine Veruntreuung des Volksvermögens» – wieso sich SP-Badran über die SBB ärgert

Die mit viel Rückhalt gestartete Wohnungs-Initiative droht laut jüngsten Umfragen zu scheitern. Mitinitiantin Jacqueline Badran spricht im grossen Interview über unwissende Medienschaffende, illegale Renditen und die Schwächen linker Kampagnenrhetorik.

Frau Badran, in den letzten Wochen haben Sie sich oft über Journalisten geärgert, auch von watson. Weshalb?Jacqueline Badran: Bei der Berichterstattung über die Wohnungs-Initiative haben wir es mit einem eigentlichen Medienversagen zu tun. Die Medien kommen ihrer Verantwortung als vierte Gewalt nicht nach. Das hat viel mit dem Unwissen der Journalisten über elementare Zusammenhänge im Immobilienmarkt zu tun. Aber auch mit der millionenschweren Kampagne und dem seit Jahren laufenden Lobbying …

Artikel lesen
Link zum Artikel