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«Die Kinder-Spitalzahlen folgen bei weitem nicht den hohen Fallzahlen»

Omikron führt zu mehr Kinder-Hospitalisationen von Covid-Patienten. Ist die Variante für kleine Kinder gefährlicher? Das sagen Experten.
29.01.2022, 21:42
Bruno Knellwolf / ch media

Der Anstieg der Kurve ist nicht zu übersehen. Die Fälle an Hospitalisationen von Kindern bis zehn Jahre sind in den vergangenen Wochen deutlich angestiegen. Zurzeit sind gemäss den BAG-Daten von den Covid-Hospitalisierten fünf Prozent jünger als zehn. Anfang Jahr waren es noch 1,67 Prozent.

Diesen Anstieg bestätigt Christoph Berger, Infektiologe am Universitäts-Kinderspital Zürich.

«Hatten wir im letzten Quartal 2021 eine Handvoll Fälle, sind es nach den Festtagen etwa doppelt so viele.»

Weiter sagt der Leiter der Eidgenössischen Impfkommission: «Die jüngeren Kinder sind nicht geimpft und tauschen dementsprechend diese sehr ansteckende Variante häufig aus.» Im Zürcher Kinderspital sind jetzt 10 bis 15 Kinder hospitalisiert und es werden täglich sechs bis neun Kinder mit Sars-CoV-2-Infektion aufgenommen. Dabei müsse unterschieden werden zwischen Einlieferung wegen und mit Corona. Die Hälfte der Kleinkinder sind wegen Corona im Spital, die andere Hälfte mit Corona, zum Beispiel weil das Kind eine Verletzung hat. Auf der Intensivstation landet kaum ein Kind wegen Covid-19.

Wöchentliche Hospitalisierungen

Auch in St.Gallen mehr Fälle

Christian Kahlert ist Leitender Arzt in der Infektiologie am Ostschweizer Kinderspital und sagt, in St.Gallen sehe man im Vergleich zu vorher sicherlich etwas mehr Kinder, die positiv auf Corona getestet werden, aber wegen anderer Krankheiten im Spital seien. «Covid-Patienten sind aber erfreulicherweise Einzelfälle. Dies erstaunt, denn aktuell ist Covid-19 in der Bevölkerung massiv verbreitet», sagt Kahlert. Stand heute sind am Ostschweizer Kinderspital zwei Säuglinge mit akutem Covid-19 auf der Normalstation hospitalisiert, wobei bei einem Kind auch ein anderes respiratorisches Virus nachgewiesen wurde.

Für den generellen Anstieg der Kinder-Hospitalisationen in der Schweiz gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist die Omikron-Variante sehr ansteckend und mit der sehr hohen Zahl an positiven Fällen landen dementsprechend auch mehr Kinder im Spital. Die weite Verbreitung zeigt sich auch anhand der repetitiven Tests in den Schulen, die wegen der grossen Menge an positiven Fällen an gewissen Orten nicht mehr funktionieren. «Die Hospitalisationen folgen aber bei weitem nicht den hohen Fallzahlen», sagt Berger.

Da sich die Zahl an sehr jungen Covid-Patienten verdoppelt hat, bedeutet das für das Personal im Kinderspital trotzdem eine Herausforderung. Die kleinen Covid-Patienten wechseln sich in schneller Folge ab, da sie nicht lange im Spital bleiben müssen und schnell durch neue Covid-Patienten ersetzt werden.

Ist Omikron für kleine Kinder gefährlicher?

«Wir beobachten in Zürich nichts anderes», sagt Berger.
«Wir beobachten in Zürich nichts anderes», sagt Berger.Bild: keystone

Dass Omikron wegen der höheren Zahl an Spitaleintritten gefährlicher sein könnte als Delta, verneint Berger. «Das sehen wir bis jetzt nicht.» Berger erwähnt eine Studie aus den USA, die zwischen Omikron und Delta bei Kindern unterscheidet. Diese zeigt, dass bei Kindern unter fünf Jahren die erstmalige Infektion mit Omikron mit deutlich weniger schwerwiegenden Folgen verbunden war als die Infektionen bei Kindern mit der Delta-Variante. «Wir beobachten in Zürich nichts anderes», sagt Berger. Für eine Beurteilung der Entzündungskrankheit Pims aufgrund von Omikron könne man noch nichts sagen, weil die Dauer noch zu kurz sei.

Könnte man die Zahl der Infektionen bei kleinen Covid-Patienten reduzieren? Etwa zwei Drittel der Covid-Patienten ist in Zürich unter fünf Jahre alt. Das heisst, sie können nicht mit einer Impfung geschützt werden. Die 5- bis 11-Jährigen können sich impfen lassen. Daneben lasse sich kaum verhindern, dass Omikron wie in der Gesamtbevölkerung auch bei den Jüngsten zirkuliere.

Erwachsene sollten sich auch für Kleinkinder impfen lassen

Das sieht auch Christian Kahlert so. «Erfreulicherweise sind die Verläufe im Kindesalter immer noch und praktisch ausschliesslich milde. Effizienter zur Verhinderung von Infektionen im Kindesalter sind Impfungen im Erwachsenenalter, vor allem von bisher ungeimpften Erwachsenen.» Für Christoph Berger ist zudem klar, dass trotz allem die Schulen und Kindergärten weiterhin offen bleiben sollten.

Gemäss Kahlert könnten in gewissen Bereichen auch stärkere Hygienemassnahmen nützlich sein. «Dies hilft, Infektionen bei Säuglingen zu reduzieren. Wenn sie in ihren ersten drei Monaten Fieber haben, müssen sie zur Überwachung ins Spital aufgenommen werden. Das ist nicht nur bei uns der häufigste Grund, dass Kinder wegen Covid-19 im Spital aufgenommen werden», sagt Kahlert. (aargauerzeitung.ch)

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