Sorgt Ebola für den WM-Super-Gau? USA drohen Schweiz mit Einreiseverbot
Als wäre die Anreise an die Fussball-WM in den USA wegen der Visa-Bestimmungen der Regierung Trump nicht so schon schwer genug, könnte bald noch eine grössere Herausforderung dazu kommen: Das in der Demokratischen Republik Kongo ausgebrochene Ebola-Virus.
Vergangene Woche warnten die USA die Schweiz und andere europäische Länder. Per Brief forderten sie sie dazu auf, die strengen US-Einreisebestimmungen in Zusammenhang mit dem Virus zu übernehmen. In Washington fürchtet man, dass die Hunderttausenden Europäer, die zur WM in die USA reisen, Ebola einschleppen könnten.
BAG sieht im Moment keinen Handlungsbedarf
Konkret fordern die USA: Die Schweiz soll eine temporäre Einreisesperre gegen Reisende verhängen, die sich in den vergangenen 21 Tagen in den vom Ebola-Ausbruch betroffenen Länern Kongo und Uganda aufgehalten haben. Und das unabhängig vom Abreiseland.
Kommt die Schweiz der Aufforderung nicht nach, erwägen die USA, «unilaterale Massnahmen» zur Beschränkung der Reisetätigkeit zu ergreifen, heisst es im Brief, dessen Wortlaut «Schweiz heute» bekannt ist.
Übersetzt heisst das: Schweizerinnen und Schweizern, die an die WM reisen wollen, könnte im Extremfall das Visum entzogen werden.
Das Bundesamt für Gesundheit bestätigt auf Anfrage, letzte Woche einen entsprechenden Brief von der US-Botschaft erhalten zu haben. Die Schweiz habe in ihrer Antwort gesagt, dass man den aktuellen Ebola-Ausbruch «aufmerksam verfolgt» und «mit dem Epidemiengesetz über die notwendigen Instrumente zur Überwachung und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten» verfüge. Zudem stütze man sich auf die Analysen der Weltgesundheitsorganisation WHO, welche derzeit keine Reise- oder Handelsbeschränkungen empfehle. Man teile auch die Einschätzung des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC), dass das Risiko für die Bevölkerung in Europa «sehr gering» sei. Das gelte auch für die Schweiz. Die von den USA ergriffenen Einreise- und Visamassnahmen nehme man zur Kenntnis, so ein BAG-Sprecher.
Rubio: «Werden Ebola von unserem Land fernhalten»
Eine vom Inhalt her vergleichbare Antwort bekamen die Amerikaner von den EU-Ländern. Nach einer kurzfristig einberufenen Videokonferenz der Gesundheitsminister letzten Freitag hiess es, die Antworten auf das Virus müssten nicht nur effizient, sondern auch «verhältnismässig» sein.
Erledigt ist die Sache damit aber nicht. Am Dienstagabend doppelte der US-Aussenminister Marco Rubio nach. Nach einem Gespräch mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte Rubio: «Unsere höchste Priorität bleibt es, die Gesundheit des amerikanischen Volkes zu schützen und Ebola von unserem Land fernzuhalten.» Eine direkte Drohung mit einem Einreiseverbot sprach er dem Vernehmen nach aber nicht mehr aus.
Klartext redet unterdessen der belgische Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke. Sein Land steht besonders im Fokus, da es als ehemalige Kolonialmacht eine grosse kongolesische Diaspora beheimatet und es eine rege Reisetätigkeit zwischen den beiden Ländern gibt. Eine Reisebeschränkung stehe für Belgien nicht auf der Tagesordnung. Man wolle sich an wissenschaftliche Erkenntnisse halten. Ebola sei zwar gefährlich, aber relativ wenig ansteckend. «Ein Einreiseverbot bringt im Moment nichts», so Vandenbroucke in einem Interview.
Belgien: USA selbst tragen «erdrückende Verantwortung»
Stattdessen setzt der Flame zum Gegenangriff an. Es seien die USA, die eine «erdrückende Verantwortung» für das tragen würden, was gerade in Zentralafrika geschehe. Er bezieht sich damit auf die drastischen Budgetkürzungen für die Entwicklungszusammenarbeit und die medizinische Hilfe für Afrika unter Trump. In ein paar Jahren würden die USA deshalb «Millionen von Menschenleben auf dem Gewissen haben», so der Belgier.
Der aktuelle Ebola-Ausbruch begann im Mai 2026 im Kongo durch den seltenen Bundibugyo-Stamm. Die Bekämpfung ist extrem schwierig, da für diese Virusvariante bisher keine zugelassenen Impfstoffe existieren. Zudem erschweren bewaffnete Konflikte und tiefes Misstrauen in die Medizin die Arbeit der Helfer vor Ort. Bisher forderte die Epidemie fast 100 Todesopfer bei über 500 Infektionen. Die Dunkelziffer dürfe noch einiges höher liegen. (schweizheute.ch)
