Beim HSV lieben die Fans Nati-Verteidiger Muheim: «Sie merken, dass ich …»
Im Sommer 2021 wechselte Miro Muheim vorerst auf Leihbasis vom FC St.Gallen zum Hamburger SV in die 2. Bundesliga. Dass der Aufstieg ins Oberhaus noch vier Jahre auf sich warten lassen würde, hätte der ehemalige FCZ- und Chelsea-Junior damals nicht gedacht. Nach seiner ersten Bundesliga-Saison hat watson mit dem 28-Jährigen über die Verbindung zum HSV und seinen Fans sowie die bevorstehende WM mit der Schweizer Nati gesprochen.
Sie fehlten zuletzt drei Spiele – wie geht es Ihnen auch mit Blick auf die WM?
Miro Muheim: Mir geht es sehr gut, ich bin seit letzter Woche wieder im Mannschaftstraining und habe keine Schmerzen oder Beschwerden mehr. Ich bin zuversichtlich, dass ich im letzten Bundesligaspiel gegen Leverkusen (am heutigen Samstag, 15.30 Uhr) noch einmal ein paar Minuten sammeln.
Der HSV hat den Klassenerhalt nach seiner Rückkehr in die Bundesliga geschafft. Wie blicken Sie auf das Jahr zurück?
Wir hatten einen schwierigen Start mit vielen Wechseln und einer durchwachsenen Vorbereitung. Aber wir haben miteinander gearbeitet und uns kontinuierlich verbessert. So können wir sehr zufrieden sein mit der Saison.
Welche Highlights werden Ihnen bleiben?
Da gibt es einige, vor allem Heimspiele. Der Sieg gegen Stuttgart in letzter Minute. Das späte Unentschieden gegen Dortmund und auch das Remis gegen Bayern, wo wir in beiden Spielen sehr gute Leistungen gezeigt haben. Und natürlich das Derby gegen Bremen …
… wo Sie in der 84. Minute den Assist zum 3:2-Siegtor gegeben haben.
Genau. Das waren alles sehr geile Erlebnisse!
Und wenn Sie das Erreichen des Klassenerhalts mit dem Aufstieg im letzten Mai vergleichen?
Der Aufstieg war schon nochmal etwas emotionaler. Da sind alle Dämme gebrochen, das war unglaublich und werde ich nie vergessen. Wir können jetzt aber genauso stolz sein. Beide Herausforderungen haben ihre Aufgaben gestellt und wir sind daran gewachsen. In der nächsten Saison können wir uns neue Ziele setzen.
Sie sind 2021 zum HSV gekommen. Da spielte Hamburg schon drei Jahre lang in der 2. Bundesliga – doch auch mit Ihnen scheiterte der einstige Bundesliga-Dino noch dreimal.
Das Ziel war es nicht, dass wir vier weitere Jahre in der 2. Bundesliga bleiben. Es war ein hartes Stück Arbeit, aber umso schöner, dass wir es am Ende geschafft haben.
Von den aktuellen Profis steht kaum ein Name häufiger auf den Trikots der HSV-Fans als «Muheim». Weshalb gehören Sie zu den absoluten Lieblingen der Anhängerinnen und Anhängern?
Das ist eine gute Frage. (schmunzelt.) Ich bin schon fünf Jahre hier, identifiziere mich mit dem Verein und versuche, jede Woche alles zu geben. Das merken und schätzen die Fans und deshalb können sie sich, glaube ich, auch gut mit mir identifizieren.
Wissen Sie, wie viele Spieler schon länger beim HSV sind als Sie?
(Überlegt.) Bakery Jatta ist sicher am längsten hier. Daniel Heuer Fernandes kam auch schon vor mir. Und sonst …
… gibt es keinen mehr. Als einer der Dienstältesten gehören Sie auch zu den Leadern, führten das Team schon mehrmals als Captain an. Wann wurde klar, dass das von Ihnen erwartet wird?
Wenn es viele Wechsel gibt und Führungspersönlichkeiten gehen, wächst man automatisch in die Rolle rein. Ich kenne den Verein lange und weiss, wie es hier läuft. An der neuen Rolle bin ich gewachsen.
Wie interpretieren Sie diese denn?
Ich will dem Team bestmöglich helfen. Dazu gehört auch, das Team neben dem Platz zu vereinen. Ich bin ausserdem Kassenwart und sammle die Strafen ein, von dem Geld organisiere ich dann auch mal einen Mannschaftsabend. (lacht.)
Ihr Teamkollege Nicolai Remberg hat mal verraten, dass Sie ein grosser Trashtalker sind. Stimmt das?
Das würde ich so nicht sagen. Wir hatten mal eine kleine Auseinandersetzung, als er noch bei Kiel war. Ich bin jetzt nicht einer, der immer eine grosse Klappe auf dem Platz hat, aber ich probiere schon, die Gegner etwas aus der Reserve zu locken.
Und klappt das?
Bei Rambo (Remberg) hat es gut geklappt, er ist völlig aus dem Konzept gekommen. Es funktioniert aber nicht immer, und mein Fokus liegt natürlich auf der sportlichen Leistung.
Ihr Vertrag beim HSV läuft nach der nächsten Saison aus. Hat es schon Gespräche über die Zukunft gegeben?
Nein, aber ich bin sicher, dass es bald so weit ist. Ich konzentriere mich jetzt auf die WM und dann schaue ich weiter. Was ich sagen kann: Ich fühle mich extrem wohl hier und identifiziere mich mit dem Klub.
Seit Ende 2024 sind Sie ein fester Bestandteil des Nati-Kaders, wobei Sie häufig nur von der Bank kommen. Wie sehen Sie ihre Rolle im Team?
Ricardo (Rodriguez) ist sehr lange dabei und hat unglaubliche Qualitäten. Wenn mich die Mannschaft braucht, werde ich bereit sein und mein Bestes geben.
Was sind Ihre Ziele für die WM?
Ich will unserer Mannschaft mit guten Leistungen helfen. Und das Ziel der Nati wurde ja schon klar kommuniziert: Wir wollen die beste WM der Geschichte spielen.
