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Ghislaine Maxwell am Tisch der Verteidigung.
Ghislaine Maxwell am Tisch der Verteidigung.Bild: keystone

Epsteins «rechte Hand»? Anklage wirft Ghislaine Maxwell Missbrauch vor

29.11.2021, 22:01

Zu Beginn des Missbrauchsprozesses gegen Jeffrey Epsteins Ex-Partnerin Ghislaine Maxwell hat die Staatsanwaltschaft der 59-Jährigen Beihilfe zu schweren Sexualverbrechen gegen Minderjährige vorgeworfen. Die Angeklagte sei bei den Verbrechen die «rechte Hand» des einflussreichen und berüchtigten Geschäftsmanns Epstein gewesen, sagte eine Staatsanwältin am Montag bei ihrem Eröffnungsplädoyer vor Gericht in New York. Die Verteidigung bestritt diese Darstellung vehement.

In dem von Epstein betriebenen Missbrauchsring habe Maxwell eine entscheidende Rolle gespielt, das Vertrauen von Mädchen gewonnen und sie ihrem ehemaligen Partner zugeführt, so die Anklage weiter. «Sie wusste genau, was passieren würde.» Maxwell ist in sechs Punkten angeklagt, ihr drohen im Falle einer Verurteilung viele Jahre Haft.

Maxwell war am Morgen mit einem hellen Pullover und einer schwarzen Hose bekleidet in den Gerichtssaal in Manhattan gekommen, die kinnlangen Haare trug sie offen. Sie wirkte ernst, konzentriert und zeigte wenig Regung.

Einige Male beugte sie sich flüsternd zu ihrem Anwalt. Es sind Eindrücke, die den Fotos vom früheren Luxus-Leben der Frau diametral gegenüber zu stehen scheinen: der mächtige Epstein, wie er seinen Arm um Maxwell legt und sie an sich drückt, während sie in die Kamera lacht. Maxwell mit Geschäftsmann Elon Musk nach den Oscars. Maxwell mit Donald Trump.

Die Verteidigung der 59-Jährigen bestritt die Darstellung der Anklage am Montag in ihrem Eröffnungsplädoyer vehement. Es gehe um Verbrechen Epsteins, mit denen Maxwell nichts zu tun habe. «Sie ist nicht wie Jeffrey Epstein», sagte Maxwells Anwältin. Dieser sei ein «narzisstischer Mann» gewesen und habe die Welt um sich herum manipuliert - inklusive Maxwell selbst.

Epstein galt als charismatischer Mann und wortgewandter Blender, der seine Gegenüber immer wieder in die Irre führte. Auch griffen ihre Verteidiger die vier Hauptzeuginnen an. Die mutmasslichen Verbrechen seien 15 bis 25 Jahre her: «Wie wir alle wissen, verblassen Erinnerungen mit der Zeit.»

Maxwells Ex-Partner Epstein war der Aufbau eines Prostitutionsrings mit Dutzenden minderjährigen weiblichen Missbrauchsopfern vorgeworfen worden. Ein Prozess im Jahr 2008 endete mit einem vorteilhaften Deal für Epstein, den viele für einen Skandal hielten.

Zu einem erneuten Prozess in New York gegen den bestens vernetzten Multimillionär - und Bekannten unter anderem von Bill Clinton, Donald Trump, Bill Gates oder dem britischen Prinz Andrew - kam es nie, weil Epstein 2019 tot in seiner Gefängniszelle gefunden wurde. Gerichtsmediziner kamen zu dem Schluss, dass es Suizid gewesen sei.

Die Staatsanwaltschaft bemühte sich am Montag, Maxwell als zentrale Komplizin für Epstein darzustellen. Sie habe die Mädchen auf Epstein vorbereitet, sie ihm «täglich» für sogenannte Massagen zugeführt, bei denen dieser sie sexuell missbraucht habe. Einige Male sei Maxwell bei solchen Übergriffen sogar anwesend gewesen. Zudem habe sie eine «Kultur des Schweigens» in Epsteins Anwesen aufgebaut, um die Taten geheim zu halten und sei in jedes Detail in dessen Leben eingeweiht gewesen. Ihr Motiv sei gewesen, ihr eigenes Luxusleben bei Epstein aufrecht zu erhalten.

Am ersten Verhandlungstag blieb dabei offen, ob Maxwell im Laufe des Prozesses selbst aussagen wird.

Ghislaine Maxwell ist die Tochter des legendären britischen Verlegers Robert Maxwell (1923-1991) und kam Anfang der 90er Jahre nach New York. Sie traf Jeffrey Epstein auf einer der zahlreichen Promi-Partys und soll damals zeitweise seine Freundin gewesen sein. Das Umfeld Epsteins beschrieb ihre Rolle in seinem Leben als eine Mischung aus Angestellter, bester Freundin und rechter Hand.

Der Prozess gegen Maxwell wird schätzungsweise sechs Wochen dauern, die Staatsanwaltschaft stützt sich auf vier Hauptzeuginnen. Die zu verhandelnden Fälle reichen von 1994 bis 2004, die mutmasslichen Verbrechen sollen in Epsteins Anwesen in New York, Florida, Santa Fe und London stattgefunden haben. (sda/dpa)

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