«Eine ganze Zivilisation wird sterben»: Drei Szenarien, was Trump im Iran anrichten kann
Das Ultimatum, das Donald Trump dem iranischen Regime gestellt hat, läuft in der Nacht auf Mittwoch ab. Wenn Teheran die Strasse von Hormus nicht wieder für den Schiffsverkehr öffne, dann werde eine «ganze Zivilisation sterben und nie mehr zurückkehren», drohte der amerikanische Präsident kurz zuvor. Trump deutete in seiner beispiellosen Stellungnahme aber auch an, dass eine «revolutionär wunderbare» Verhandlungslösung in letzter Minute noch möglich sei. Diese drei Szenarien sind nun denkbar.
Trump genehmigt Grossangriff gegen den Iran
In aussergewöhnlich drastischen Worten hat der amerikanische Präsident in den vergangenen Tagen das Extremszenario beschrieben. So sagte er etwa: Der Iran könne «zurück in die Steinzeit» bombardiert werden. Auch forderte Trump die komplette Zerstörung von «jeder Brücke» und von «jedem Kraftwerk» im Iran, falls das Regime das Ultimatum ungenutzt verstreichen lasse. Angeblich werde dieser radikale Kurs von der iranischen Zivilbevölkerung unterstützt. Trump jedenfalls sagte, die Menschen seien bereit, zu leiden, um ihre Freiheit wiederzuerlangen.
Bret Baier: "I just got off the phone with the president. He called. He said '8pm is happening. If we get to that point, there is going to be an attack like they have not seen.' He's sticking to that at this point." pic.twitter.com/e2nDIeSljq
— Aaron Rupar (@atrupar) April 7, 2026
Die gezielte Zerstörung von zivil genutzten Strassenbrücken oder Kraftwerken verstösst gegen das Kriegsrecht. Trump wies das Argument, die amerikanischen Streitkräfte könnten Kriegsverbrechen begehen, allerdings bereits zurück. «Wissen Sie, was ein Kriegsverbrechen ist? Der Besitz einer Nuklearwaffe», sagte er am Montag.
Das stimmt so nicht, und die Aussage ergibt auch keinen Sinn, besitzen die USA doch schon lange Atomwaffen. Untersagt ist hingegen gemäss den Genfer Konventionen — und den entsprechenden amerikanischen Gesetzesparagrafen — die gezielte Einschüchterung der Zivilbevölkerung im Kriegsfall. Ausnahmen gibt es nur, wenn zivile Anlage auch militärischen Zwecken dienen. Derweil ignoriert auch das iranische Regime das Völkerrecht. So forderte ein hochrangiger Regierungsvertreter in einer Videobotschaft die Zivilbevölkerung bereits dazu auf, menschliche Schutzschilder um Kraftwerke zu bilden.
Trump beschränkt die Angriffe auf wenige Ziele
Bereits am Montag intensivierten die amerikanischen Streitkräfte die Luftschläge gegen iranische Ziele, nach einer entsprechenden Ankündigung von Verteidigungsminister Pete Hegseth. Getroffen wurden militärische Anlagen auf der Insel Kharg, dem wichtigsten Öl-Exporthafen des Irans. Die israelischen Streitkräfte bombardierten derweil einzelne zivile Infrastrukturanlagen.
«Das ist eine Botschaft an die Iraner», hiess es dazu aus dem Weissen Haus. Die gezielten Attacken sollten den Druck auf das Regime in Teheran erhöhen, in ernsthafte Friedensgespräche einzuwilligen — die im besten Fall schon vor Ablauf des Ultimatums beginnen könnten. Trump scheint der Meinung zu sein, dass er die radikalen Kräfte, die seit der Islamischen Revolution in den Siebzigerjahren den Ton angegeben hatten, bereits aus dem Weg geräumt hat. Der neuen Führungsriege biete sich nun eine einmalige Chance, sagte der amerikanische Präsident sinngemäss. Die neuen Leute an der Spitze des Regimes seien «gescheiter und weniger radikal».
Die iranische Militärführung allerdings zeigte sich öffentlich unbeeindruckt von dieser Drohkulisse. Ein Sprecher kritisierte die «rüde, arrogante Rhetorik» des amerikanischen Präsidenten und kündigte Vergeltungsschläge an. Zuvor hatte das Regime einen Zehn-Punkte-Plan zum Ende des Krieges präsentiert. Darin fordert Teheran ein Ende sämtlicher Sanktionen, bevor das Ende der Hormus-Blockade verkündet werde. Die USA wiesen diese Ideen zurück.
Trump macht – einmal mehr – einen Rückzieher
Der amerikanische Präsident baut häufig eine maximale Drohkulisse auf, um dann bereits minimale Zugeständnisse als Erfolg verkaufen zu können. Wenn die Iraner nun zum Beispiel zusagen, dass am Mittwoch oder Donnerstag einzelne Öltanker die Strasse von Hormus passieren dürfen, könnte Trump dies als Sieg vermelden. Politisch wäre dies wohl die beste Lösung für den Präsidenten, leidet seine Republikanische Partei doch unter den steigenden Energiekosten.
Dieses Szenario erscheint allerdings dennoch als unwahrscheinlich. Trump sei «blutrünstig», heisst es in Washington, und führe sich hinter den Kulissen auf wie ein «tollwütiger Hund», schrieb das Nachrichtenportal Axios. Der Präsident, der sich in seiner Jugend vom Aktivdienst in Vietnam mit fadenscheinigen Ausreden drückte, gefällt sich anscheinend in der Rolle des Kriegsstrategen. Am Montag jedenfalls beschrieb er die gewagte Rettungsaktion für einen amerikanischen Soldaten, als handle es sich dabei um ein Videospiel oder ein Actionfilm. Seine Berater hätten ihm gesagt, die Mission sei sehr gefährlich und Hunderte von Menschen könnten geopfert werden. «Ich aber hatte das Gefühl, dass es sich lohnen würde», sagte Trump. (aargauerzeitung.ch)

