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Marcel Dobler (Mitte) könnte sich vorstellen, die FDP zu präsidieren. Er wünscht sich aber eine Co-Präsidentin. Zwei mögliche Kandidatinnen sind dabei Johanna Gapany (links) und Jacqueline de Quattro.
Marcel Dobler (Mitte) könnte sich vorstellen, die FDP zu präsidieren. Er wünscht sich aber eine Co-Präsidentin. Zwei mögliche Kandidatinnen sind dabei Johanna Gapany (links) und Jacqueline de Quattro.
Bilder: key, Montage: chm

Digitec-Gründer Dobler will die FDP führen – und sucht in der Romandie eine Co-Präsidentin

Für den 40-jährigen Gründer von Digitec und heutigen Präsidenten von Franz Carl Weber kommt nur ein Co-Präsidium in Frage. Gespräche mit Westschweizer Freisinnigen haben stattgefunden.
24.07.2021, 12:5024.07.2021, 13:06
Francesco Benini / ch media

Die Findungskommission unter der Führung der Baselbieter FDP-Präsidentin Saskia Schenker ist an der Arbeit. Die Mitglieder der Kommission sind verschwiegen wie die Agenten eines Geheimdienstes.

Bis zum 15.August sollen sie Politiker aufspüren, die Präsident der FDP werden wollen. Die Parteidelegierten wählen die Nachfolgerin oder den Nachfolger von Petra Gössi am kommenden 2.Oktober.

Zwei Bundesparlamentarier, die zu den möglichen Anwärtern zählten, haben sich der Findungskommission angeschlossen – und damit aus dem Rennen genommen: Ständerat Andrea Caroni und Nationalrat Andri Silberschmidt.

Wird nicht FDP-Präsident: Andrea Caroni (AR).
Wird nicht FDP-Präsident: Andrea Caroni (AR).
Bild: keystone

Es braucht einen neuen Plan für den Klimaschutz

Auch Nationalrat Philippe Nantermod winkt ab: «Das Familienleben lässt dieses Amt nicht zu», teilt der junge Vater mit. Nationalrätin Susanne Vincenz-Stauffacher weist derweil darauf hin, dass sie als Präsidentin der freisinnigen Frauensektion noch viel vorhabe. Es klingt nicht danach, als ob sie bald die nationale Partei führen wollte.

Nationalrätin Maja Riniker hat der Kommission eine Absage erteilt. Ständerat Damian Müller sagt, dass das Amt für ihn derzeit nicht in Frage komme. Das Mandat als FDP-Präsident scheint begehrt wie ein Schnupfen.

Es gibt aber Ausnahmen. Mitte Juni sagte Nationalrätin Jacqueline de Quattro dieser Zeitung, sie prüfe eine Kandidatur – sofern sich die FDP auf eine klare neue Strategie einige.

Nun tritt Nationalrat Marcel Dobler als erster aus der Deckung. Der St.Galler Unternehmer erklärt, dass er FDP-Präsident werden wolle. Voraussetzung ist, dass sich in der Westschweiz ein Politiker oder besser eine Politikerin finden lässt, die mit Dobler ein Gespann bilden will. Der Präsident des Spielwarenunternehmens Franz Carl Weber mag die FDP nicht alleine führen.

Doblers Analyse erinnert an die Aussagen de Quattros: Zunächst seien strategische Fragen zu klären. Wie geht es zum Beispiel weiter in der Umweltpolitik? Petra Gössi hatte der FDP nach dem Dürresommer 2018 einen grünen Anstrich gegeben. Nun ist das CO2-Gesetz aber auch am Widerstand vieler FDP-Wähler gescheitert.

Unter freisinnigen Politikern herrscht weitgehend Einigkeit, dass die FDP den Klimaschutz nicht vernachlässigen sollte. Aber es sind neue Konzepte gefragt. Soll man weiter auf Lenkungsabgaben setzen? Wie viel soll der Staat künftig tun in der Förderung technischer Innovation? Einige FDP-Politiker nutzen die Sommerferien auch dazu, um für die Partei Papiere zur Umweltpolitik zu verfassen.

Die Waadtländerin Jacqueline de Quattro und Marcel Dobler – führen die beiden bald die FDP? Ihnen ist gemein, dass sie über Führungserfahrung verfügen. De Quattro war Regierungsrätin in einem grossen Kanton. Dobler gründete des Unternehmen Digitec und leitete es erfolgreich, bevor er es an die Migros verkaufte.

Jacqueline de Quattro (61) war von 2007 bis 2019 Staatsrätin des Kantons Waadt und dabei für Umwelt- und Sicherheitsbelange zuständig. Jacqueline de Quattro setzte sich für ein Vermummungsverbot ein. Sie wuchs teilweise in Zürich auf und spricht Schweizerdeutsch – neben Französisch, Italienisch und Englisch. Die Juristin wurde 2019 in den Nationalrat gewählt. Sie erklärte im vergangenen Juni, dass sie eine Kandidatur als Co-Präsidentin der FDP prüfen werde.
Jacqueline de Quattro (61) war von 2007 bis 2019 Staatsrätin des Kantons Waadt und dabei für Umwelt- und Sicherheitsbelange zuständig. Jacqueline de Quattro setzte sich für ein Vermummungsverbot ein. Sie wuchs teilweise in Zürich auf und spricht Schweizerdeutsch – neben Französisch, Italienisch und Englisch. Die Juristin wurde 2019 in den Nationalrat gewählt. Sie erklärte im vergangenen Juni, dass sie eine Kandidatur als Co-Präsidentin der FDP prüfen werde.
Bild: keystone

In der FDP finden einige, dass die Partei straffer geführt werden sollte, als das im vergangenen Jahr geschehen sei. Manchmal habe es Unklarheiten über Zuständigkeiten gegeben.

Als noch dringlicher erachten es viele Freisinnige, dass das Hickhack zwischen dem linken und dem rechten Parteiflügel aufhöre. Der Streit schaukelte sich hoch in den Ansichten zur Klimapolitik – und in der Position zum EU-Rahmenvertrag. Gössi schaffte es nicht mehr, die Partei zu einen. Sie wurde in den zunehmend giftig geführten Auseinandersetzungen zerrieben.

In der Fraktion in Bern ist die Ansicht verbreitet, dass die Partei künftig klarer zwischen strategischen und nichtstrategischen Geschäften unterscheiden solle. In den Kernthemen dürfe man das Abweichlertum nicht länger dulden. Wer mit seiner Meinung nicht auf der Parteilinie liege, solle schweigen – und sich nicht in gegnerischen Komitees engagieren. «Wir brauchen jemanden, der den Primadonnas in der Fraktion auch einmal so richtig aufsitzt», meint ein FDP-Nationalrat.

Marcel Dobler ist dem rechten Parteiflügel zuzuordnen. Er betont jetzt, dass er ein «Teamplayer» sei und als Parteipräsident eine andere Rolle einnehme werde als bisher. Die Frage ist, ob sich das linksliberale Lager der FDP von diesen Bekenntnissen überzeugen lässt.

Mit 31 Jahren schaffte sie den Sprung in den Ständerat

Werden sich Jacqueline de Quattro und Marcel Dobler einig? «Es gibt nichts Neues mitzuteilen», teilt die Nationalrätin aus ihren Ferien mit.

Recherchen ergeben, dass die Findungskommission mit einer weiteren Politikerin aus der Romandie Kontakt aufgenommen hat. Ihr Name ist bisher nicht gefallen in den Artikeln über mögliche Anwärter auf die Nachfolge Gössis.

Es ist Johanna Gapany. Sie wurde 2019 Ständerätin des Kantons Freiburg. In den Analysen ihrer Wahl fiel das Wort «Sensation». Gapany war 31, in der Stadtexekutive von Bulle für den Unterhalt der Strassen und die Forstwirtschaft zuständig – und schaffte es, den amtierenden CVP-Ständerat Beat Vonlanthen aus seinem Amt zu verdrängen.

Johanna Gapany (33) stammt aus dem Greyerzerland und studierte Wirtschaftswissenschaften an der Fachhochschule Freiburg. Um 138 Stimmen liess sie in den Ständeratswahlen 2019 den Kandidaten der CVP hinter sich. Das war eine Überraschung, denn Gapany war zuvor nicht Nationalrätin gewesen, sondern Mitglied der Stadtexekutive von Bulle sowie des Freiburger Kantonsparlaments. Ihre politische Karriere startete sie bei den Jungfreisinnigen.
Johanna Gapany (33) stammt aus dem Greyerzerland und studierte Wirtschaftswissenschaften an der Fachhochschule Freiburg. Um 138 Stimmen liess sie in den Ständeratswahlen 2019 den Kandidaten der CVP hinter sich. Das war eine Überraschung, denn Gapany war zuvor nicht Nationalrätin gewesen, sondern Mitglied der Stadtexekutive von Bulle sowie des Freiburger Kantonsparlaments. Ihre politische Karriere startete sie bei den Jungfreisinnigen.
Bild: keystone

Ziel: Kein weiterer Verlust in den Wahlen 2023

Gapany sitzt nun bereits in drei wichtigen Parlamentskommissionen. Kandidiert der Shootingstar der FDP in der Romandie als Präsidentin der nationalen Partei? «Die Funktion ist zu wichtig, als dass ich ihnen darauf bereits eine Antwort geben könnte», schreibt Gapany. Sie bestätigt damit, dass sie sich eine Kandidatur überlegt.

Der Name versetzt einige Freisinnige in Aufregung. Bei jungen Wählerinnen und Wählern könnte die FDP mit Gapany als Co-Präsidentin punkten, ist eine Parlamentarierin überzeugt.

Es scheint bei der FDP also auf ein Co-Präsidium hinauszulaufen, das sich aus einer Westschweizer Frau und einem Deutschschweizer Mann zusammensetzt. Die Aussicht überzeugt nicht alle. Sie finden, dass sich die Verantwortung im obersten Parteiamt nicht teilen lasse und es für die FDP besser wäre, wenn ein Gesicht für den Freisinn stände und nicht zwei.

Unklar ist, ob Ständerat Thierry Burkart und Nationalrat Matthias Jauslin ins Rennen steigen. Die beiden Aargauer Politiker lassen sich nicht in die Karten blicken. Beobachter erwarten, dass Burkart verzichtet – denn Marcel Dobler komme aus dem gleichen Parteiflügel und verstehe sich gut mit Burkart. «Es wäre eine Überraschung, wenn die beiden gegeneinander anträten.»

Einig ist man sich in der Partei, dass nun erhebliche Anstrengungen nötig sind, um den Abwärtstrend zu stoppen. In wenig mehr als zwei Jahren sind nationale Wahlen. Stabilisiert sich die FDP bis dann nicht, droht ihr im Dezember 2023 der Verlust eines Bundesratssitzes.

Zugleich ist so etwas wie neue Zuversicht zu spüren. Die Parteispitze der Grünen offenbart strategische Schwächen. Und mit dem Ende des Rahmenvertrags ist ein für die FDP unangenehmes Thema vom Tisch. Die Partei unterstützt ihre Bundesräte Cassis und Keller-Sutter im Bemühen, mit Brüssel eine neue Gesprächsgrundlage zu finden. «Wir fangen uns vielleicht mit einem starken neuen Präsidium», meint ein Nationalrat. (aargauerzeitung.ch)

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